Bayern 2 - Zeit für Bayern


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Vom Bauernbadl zum Kaiserbad Über die Kultur der Kur in Bayern

Der Begriff Kur stammt vom lateinischen Wort cura und steht für Fürsorge, Pflege, Krankenpflege, Behandlung, Heilverfahren. Und die Basis jeder Kur ist der Lebensquell Wasser.

Von: Hannelore Fisgus

Stand: 13.04.2018 | Archiv

Es gab Zeiten, da waren  Wasser und Waschen verpönt. Etwa ab dem 16. Jahrhundert wurden die mittelalterlichen Bäder aus Angst vor Seuchen geschlossen. Die Leute nahmen an, das Wasser dringe durch die Haut in den Körper und schädige die Organe. Im prunkverliebten Zeitalter des Barock und Rokoko wurden die unangenehmen Körpergerüche mit Puder, Parfum und Perücke zu überdecken versucht. Doch mit Beginn der Neuzeit kehrten die alten Traditionen zurück.

Vergessene Kurbäder

Oft entsprangen die Quellen auf klösterlichem Grund. An entlegenen Orten entstanden Wildbäder: Wallfahrtskapellen und einfache Badehäuser neben Quellen, denen wundersame Heilkräfte zugesprochen wurden. Erste Hinweise auf eine Heilquelle in Rosenheim gab es schon 1615, aber erst 100 Jahre später eröffnete der damalige Bürgermeister Jakob Ruedorfer ein Badehaus. Und weitere 100 Jahre später adelte Kaiser Wilhelm I Rosenheim und sein Kurhotel "Am Alten Bad", indem er für eine Nacht dort abstieg. Fortan nannte sich die Stadt werbewirksam Kaiserbad. Die Gäste kamen in Scharen. Heute erinnert sich kaum noch jemand an die Kurgeschichte Rosenheims. Die letzten Relikte wurden 1985 abgerissen. Ein ähnliches Schicksal ereilte die "Bad&Kur-Trink-Anstalt" Ast bei Landshut, die 1865 von Korbinian Bachmeier eröffnet wurde. Es sind nur wenige Dokumente über die 100jährige Geschichte von Bad Ast überliefert. Selbst der Gasthof ist inzwischen verschwunden. Genauso wie in Rosenheim und Bad Ast kurt heute niemand mehr in Bad Adelholzen, in Leonhardpfunzen oder in den vielen so genannten "Bauernbadl", wo die weniger betuchten Gäste auf Heilung und Linderung hofften.

Der moderne Kurbetrieb

Das Wort Kur gibt es gar nicht mehr bei den Krankenkassen. Heutzutage heißt das Rehabilitation zur medizinischen Vor- und Nachsorge. Und statt der früheren Kurgäste wird heute um Gesundheitstouristen geworben. Bayern macht das sehr erfolgreich. Die knapp 50 Staats- und Heilbäder erwirtschaften über 4 Milliarden Euro im Jahr. Zu den Topkurorten gehört das Staatsbad Bad Reichenhall, dessen Geschichte ins 19. Jahrhundert zurückgeht und ein Zeugnis für den Aufstieg des Salzortes zum internationalen Kurbad ist. Bad Reichenhall leistet sich als einer der letzten Kurorte auch noch ein eigenes Kurochester, sogar eine Philharmonie. Die Bad Reichenhaller Symphoniker feiern heuer ihr 150jähriges Bestehen.


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