Bayern 2 - Zeit für Bayern


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1816 - Das Jahr ohne Sommer Als Bayern fast verhungerte

Vor 200 Jahren erlebte Bayern eine verheerende Klimastörung. Es war nach der biblischen Sintflut die bis dahin größte bekannte Naturkatastrophe. Schuld war ein Vulkanausbruch auf der 12.000 Kilometer entfernten indonesischen Insel Sumbawa. Die Folge war eine Hungersnot.

Von: Regina Fanderl

Stand: 08.04.2016 | Archiv

Am Abend des 5. April 1815 brach der Tambora mit einer apokalyptischen Gewalt aus. Der ursprünglich 4.000 Meter hohe Vulkan sprengte 150 Kubikkilometer Gestein und Asche in die Luft. Nach dem Ausbruch war der Berg 1.300 Meter niedriger. Im Lauf der Monate zog die gigantische Aschewolke über die nördliche Erdhalbkugel und brachte Hunger und Tod.

Sogenannte Hungertaler machten das Leid der Menschen begreifbar.

Im Frühjahr 1816, ein Jahr nach dem Tamboraausbruch, kam das Elend über Bayern. Die Aschewolke ließ kaum noch einen Sonnenstrahl durch. Mitten im August schneite es. Kälte und Frost vernichteten die Ernte. Ein europaweites Phänomen, aber Bayern traf es am härtesten.  Das Land war von den Napoleonischen Kriegen ausgezehrt. Mangel und Not prägten den Alltag. Und mit dem Jahr ohne Sommer kam es noch schlimmer.

"Einige von den Unsrigen leiden unter der unverdaulichen Kost, mit der sie leben müssen. Heftige Krämpfungen des Magens. Andere speuen wegen der nämlichen Ursache Blut aus. Die schwangeren Mütter sind ohne Kraft und sehen den Tod in ihrer Entbindungsstunde."

Brief des Pfarrers Jakob Weinzierl aus dem Jahr 1816

Eine Strafe Gottes

Der Altöttinger Stadt-Heimatpfleger Manfred Lerch vor dem Votivbild zur Hungerkatastrophe 1816.

„Achtzehnhundertunderfroren“ nannten die Menschen die Zeit dieses unerklärbaren Klimaschocks. Woher sollten sie auch wissen, dass ein Vulkanausbruch auf einer fernen unbekannten Insel  ihr Elend ausgelöst hatte.  Sie vermuteten eine Strafe Gottes für die Säkularisation und das Verbot kirchlicher Traditionen. Die Klöster konnten geschleift werden. Der Glaube nicht. Ein herausstechend großes Votivbild in der Altöttinger Gnadenkapelle zeugt von den Fürbitten der Hungernden.

"Eltern sind nicht mehr in der Lage, ihren Kindern ein Stück Brot zu verschaffen. Blass und abgemagert gehen die Leute umher, manche treibt der Hunger zum Selbstmord. Man kocht Wurzeln, Klee, Brennnesseln und Heu…In Kaufbeuren kochen die Leute Blätter, Blut und faules Fleisch."

Überliefert von dem schwäbischen Volkskundler Alfred Weitnauer

Musikakzente für eine historische Katastrophe

Ramsch & Rosen

Die Autoren der Zeit für Bayern sind nicht nur Radioliteraten. Sie müssen sich auch mit dem Stilmittel Musik auskennen. Regina Fanderl stand mit ihrem Feature über "1816 – Das Jahr ohne Sommer" vor der Frage, wie sich eine Hungersnot musikalisch untermalen lässt. Ein glücklicher Zufall kam ihr zu Hilfe. Während der Archivrecherche nach passenden Musikakzenten erhielt sie die vertonte Einladung zum neuen Programm des Wiener Duos "Ramsch & Rosen" mit dem Titel BERGEN. "Das ist die Musik, die ich brauche" entschied die Autorin spontan und rief die beiden Künstler am Handy an. Julia Lacherstorfer und Simon Zöchbauer waren gerade zu einem Auftritt unterwegs. Die Beiden verstanden die Dringlichkeit des Anrufs und nahmen sofort Kontakt zu ihrem Tonstudio auf. Drei Stunden später war das Audiofile per email im BR-Produktionsraum. "Fog" heißt das Musikstück, Nebel, und passt sogar vom Titel her zur Aschewolke des Tambora-Vulkans.  Die Musik erscheint erst im Herbst auf CD. Im Programm Bayern 2 ist sie schon am kommenden Sonntag zwischen 12 und 13 Uhr zu hören, in der Reihe Zeit für Bayern.


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