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Schadholz im Überfluss Wald im Klimawandel

Die forstlichen Bilanzen belegen es: Seit Anfang 2018 sind bundesweit 50 Millionen Kubikmeter Schadholz in den deutschen Wäldern angefallen. Allein in Bayern hat "Kalamitäten-Holz", wie es genannt wird, einen Anteil von 41 Prozent am gesamten Holzeinschlag in Bayern. Durch Dürre- und Sturmschäden sind in ganz Deutschland zudem mehr als 110.000 Hektar Wald verlorengegangen.

Von: Chris Köhler, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 11.07.2019

Neben der langfristigen Klimaänderung, also dem Temperaturanstieg und der Trockenheit in den Vegetationsmonaten, sind es kurzfristig auftretende Wetterphänomene - zum Beispiel Starkregen, Hagelschlag, Schneemassen oder Stürme - die den Wald in die Bredouille bringen.

Letztes Jahr haben Forscher bis Mitte November in der nördlichen Hemisphäre gut 70 Stürme gezählt; das sind rund 20 mehr als im jährlichen Durchschnitt.

"In dem Ausmaß kenne ich das in den letzten 30 Jahre nicht. Auch die älteren Waldbesitzer kennen das so nicht. Wenn wir sechs Grad Erwärmung haben, dann brauchen wir hier nicht mehr anfangen. Dann haben wir keine Bäume mehr, die hier wachsen können."

Gerhard Waas, Förster beim Freistaat Bayern

Schadholz im Übermaß

Seit dem Sturm- und Trockenheitsjahr 2015 kommt auch der städtische Forstbetrieb München kaum mit dem Aufarbeiten der Schadholzmengen hinterher. Anfang 2019 ist am Alpenkamm auch noch ein gigantischer Schneebruch hinzugekommen. 

"Man hat zum Teil um München Waldauflösungserscheinungen. Die Fichte stirbt großflächig ab. Es wird heißer und heißer!"

Jan Linder, Stadtwald-Förster

Ein Borkenkäfer krabbelt über die Unterseite einer Fichtenrinde

Während Bäume unter den klimatischen Veränderungen leiden, profitieren Baumschädlinge und werden zur ernsten Gefahr für Deutschlands Wälder. Das zeigt sich aktuell bei Schwammspinner, Eichenprozessionsspinner und Borkenkäfer.

Früher gab es den Borkenkäfer oberhalb von 1.400 Metern eigentlich nicht. Mittlerweile ist der Borkenkäfer sogar noch deutlich höher anzutreffen. Auch neue Schädlinge machen sich breit. Die kaukasische Tannentrieblaus zum Bespiel. Sie schädigt hiesige Jungtannen so stark, dass sie absterben. Dabei wären Tannen wegen des Klimawandels wichtig für den Waldumbau.

"Die Fichte stirbt uns weg, die Kiefer, die Tanne, die Buche, die Eichen. Aber der Wald ist für uns essenziell, weil er ein Klimaelement ist. Nur mit Wald können Sie CO2 binden!"

Ralf Petercord, Leiter der Abteilung Waldschutz der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

Welche Baumarten werden es schaffen?

Frühestens in 15 bis 30 Jahren wird sich auf der Fläche zeigen, welche Baumart den Klimawandel meistern kann, sagen Fachleute.

"Wir wissen heute noch nicht, wie die Ökosysteme reagieren. Das ist die Unsicherheit. Deswegen ist es sehr wichtig, sehr, sehr schnell aufzuhören, fossile Energieträger zu verbrennen. Ansonsten wird es unkontrollierbar. Vielleicht ist es das schon. Vielleicht haben wir die Kipppunkte, von denen immer gesprochen wird, schon erreicht."

Ralf Petercord, Leiter der Abteilung Waldschutz der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

Ein Indiz, dass die Kipppunkte erreicht sind, könnte darin zu sehen sein, dass die Permafrostböden jetzt schon in einem Maße auftauen und Methan freisetzen, wie die Wissenschaft es erst für 2090 erwartet hatte.

Klicktipp

Von der Handsäge zum Harvester: Forstwirtschaft gestern und heute (BR.de)


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