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Wie künstliche Kälte unser Leben beeinflusst

Von: Volker Eklkofer / Sendung: Inga Pflug

Stand: 23.08.2018 | Archiv

Blick in den Eiskeller eines ehemaligen Eishauses aus dem Jahre 1850 zu sehen ist die Eisrutsche, der Eisschrank und das Werkzeug um die Eisblöcke aus dem See zu holen | Bild: picture-alliance/dpa
Wirtschaft und ForschungMS, RS, Gy

Schon seit vorgeschichtlicher Zeit wissen die Menschen mit Feuer und Hitze umzugehen. Die planmäßige Kältenutzung hingegen beruht auf einem langen kulturell-zivilisatorischen Lernprozess, an dessen Ende die Kältemaschine steht.

Der Umgang mit Lebensmitteln ist ein permanenter Kampf gegen den Verderb. Mikroorganismen sind stets zur Zersetzungsarbeit bereit, nur Kälte gebietet ihnen Einhalt. Über Jahrtausende müssen sich die Menschen beim Lebensmittelmanagement und beim Versuch, Räume zu kühlen, der natürlichen Kälte bedienen. Aus zugefrorenen Gewässern wird in der kalten Jahreszeit Eis geschlagen und in Kellern eingelagert. Dennoch sind Schlachten und Bierbrauen bis ins 19. Jahrhundert nur im Winter möglich.

Industrialisierung und Technisierung bringen die Wende. Als Fortschrittsgläubige Mitte des 18. Jahrhunderts die physikalischen Grundlagen der künstlichen Kälteerzeugung ergründen, Verdampfungsprozesse hinterfragen und die kühlende Wirkung expandierender Gase verstehen, dauert es nicht mehr lange, bis der Bau von Kältemaschinen beginnt. Der Münchner Maschinenbauprofessor Carl von Linde entwickelt in den 1870er Jahren die erste industrielle Kühlmaschine.

Nun geht es Schlag auf Schlag. Sauberes Kunsteis ersetzt das oft verschmutzte Natureis, mit Maschinen werden Räume gekühlt. Im 20. Jahrhundert machen Klimaanlagen und Hauskühlschränke die künstliche Kälte auch für die Masse der Bevölkerung dauerhaft verfügbar. So verwundert es nicht, dass sich die Lebens- und Essgewohnheiten verändern - man denke etwa an Tiefkühlkost und Frischfleisch, das das ganze Jahr über zu haben ist. Lückenlose Nahrungsmittelkühlketten vom Hersteller irgendwo in der Welt bis zum Verbraucher hierzulande sind zur Selbstverständlichkeit geworden.

Doch der Kühlboom hat auch seine Schattenseiten. Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die in 1930er Jahren als Kühlmittel entdeckt werden, verursachen das Ozonloch über dem Südpol. Die Ersatzmittel, Fluorkohlenwasserstoffe (FWK), entfalten eine gefährliche Treibhauswirkung. Und auch der hohe Energieverbrauch vieler Kältemaschinen muss heute hinterfragt werden.

Mühsam und aufwendig

Eiszapfen an einem Eisgalgen.. Diese dienen im Winter zur Kühlung des Bierkellers der Kronenbrauerei bis in den Sommer bei ca. null Grad | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht Kühltechnik Ohne Arbeit keine Kühlung

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Technischer Fortschritt

Ausschnitt einer AEG-Plakatwerbung für den Kühlschrank Santo 90 aus den 30er Jahren | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht Kühltechnik Eisernte und Eishandel

Der technische Fortschritt gibt der Eisgewinnung im 19. Jahrhundert einen kräftigen Schub. Während Händler aus Skandinavien und den USA das feste Nass in alle Welt liefern, macht eine Erfindung Furore - der Eisschrank. [mehr]

Physik des Kühlens

William Cullen (1710-1790), schottischer Mediziner und Chemiker | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht Kühltechnik Die Kühlung löst sich vom Natureis

Mit der beginnenden Industrialisierung und Technisierung endet der kühltechnische Dornröschenschlaf. Als die Menschen der Physik des Kühlens auf die Spur kommen, werden revolutionäre Erfindungen gemacht. [mehr]

Klimaanlagen

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FKW?

Etwa 18.000 ausrangierte Kühlschränke stehen auf einer Wiese in der kleinen Ortschaft Kacov bei Prag | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht Kühltechnik Saubere Kühlmittel braucht das Land

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Audio

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