Bayern 2 - radioWissen


5

Download-Service Einsatz im Unterricht

Stand: 11.07.2019 | Archiv

Vorarbeit

  • Lernziele: Feinbilder haben ein zerstörerisches Potenzial. Sie verhindern die rationale Wahrnehmung eigener sowie fremder Handlungsmotive und Identität, fördern die Ausgrenzung stigmatisierter Gruppen, begründen eine vermeintliche Notwehrsituation und rechtfertigen im Extremfall auch Gewaltexzesse gegen missliebige Gruppen. Durch die Aufarbeitung der Radiosendung werden die Schülerrinnen und Schüler für das Phänomen des Feinbildes sensibilisiert. Sie verstehen grundlegende Entstehungs- und Wirkungsmechanismen, begreifen Feindbilder als instrumentalisierbare, kollektive Konstruktionen und erkennen die Problematik für das gesellschaftliche, politische und interkulturelle Zusammenleben. Darüber hinaus werden sie angeregt, über den eigenen Umgang mit Feindbildern nachzudenken und nach Möglichkeiten für eine "Kultur des feindbildfreien Alltags" zu suchen.

Einsatz im Unterricht

Hinführung zum Thema: Bildimpuls: Die Lehrkraft schreibt das Wort "Feindbild" kommentarlos auf die Tafel und zeigt anschließend typische "Feindbilder" der Gegenwart und / oder der Geschichte. In Frage kommen beispielsweise Bilder vom Einsturz der Twin Towers in New York, von islamistischen Kämpfern, von "Hassfiguren" wie Osama bin Laden oder Saddam Hussein) oder Propagandamaterial aus der Zeit der beiden Weltkriege bzw. des Dritten Reichs. Die Schülerinnen und Schüler werden aufgefordert, einen Bezug zwischen den gezeigten Bildern und dem Stichwort auf der Tafel herzustellen. ("Was haben die Bilder mit dem Begriff "Feindbild" zu tun?) Die Lehrkraft sammelt zentrale Begriffe und fordert die Schüler auf, die Quellen ihres Wissens anzugeben.

Die Schülerinnen und Schüler werden angehalten, den Begriff "Feindbild" in eigenen Worten zu definieren. Die Lehrkraft sollte darauf dringen, die Bild-Charakter und das Wesen der Bildhaftigkeit herauszuarbeiten: "Warum sprechen wir von Feind-"Bildern", was sagt uns das über den darin enthaltenen Realitätsbezug, welche Gefahren birgt die Bildhaftigkeit?" Als Teilergebnis der Hinführungsphase sollte das Feindbild als gemachtes, konstruiertes Bild einer Gruppe greifbar werden, das in der Regel nicht auf eigenem Erleben gründet, sondern übernommen und mit Gleichgesinnten geteilt wird.

Alternativ oder ergänzend kann die Lehrkraft im Klassengespräch Erfahrungen mit Feindbildern erfragen: Wo sind euch Feindbilder begegnet? Habt ihr selbst auch Feindbilder? Welche Erfahrungen habt ihr mit Feindbildern? Welchen Zweck haben Feindbilder? Wo liegen die Gefahren?

Nacharbeit

  • Nachbearbeitung: Je nach Jahrgangsstufe, verfügbarer Zeit und fachlicher bzw. stofflicher Einbettung kann die Klasse das bisher Gelernte auf weitere historische (z.B.: Kreuzzüge, Judendiffamierung in Mittelalter und Neuzeit, Kolonialismus, NS-Rassenpolitik) oder aktuelle Feindbildkonstruktionen (z.B.: "Islamistische" Gefahr, 9/11, Asylanten, Zuwanderer) ausweiten.

Arbeitsblätter

Arbeitsblatt 1: Die Schülerinnen und Schüler verankern zentrale Begriffe durch die Füllung der Textlücken und das Ausfüllen einer Ergebnistabelle. Arbeitsblatt 2: Die Schülerinnen und Schüler verankern zentrale Begriffe durch die Füllung der Textlücken und das Ausfüllen einer Ergebnistabelle. Arbeitsblatt 3: Die Schülerinnen und Schüler verankern zentrale Begriffe durch die Füllung der Textlücken und das Ausfüllen einer Ergebnistabelle. Arbeitsblatt 4: Das Arbeitsblatt sichert abschließend nochmals zentrale Begriffe aus dem Radiobeitrag. Die Bearbeitung kann im Klassenverband, in Gruppen oder als Hausaufgabe erfolgen.

Lehrplanbezug

Lehrplan für die bayerische Mittelschule
9. Jahrgangsstufe
Ethik, 9.2.1 Sinn und Grenzen des Arbeitens. Menschenwürde und Leistung: humane Arbeitsbedingungen, Mobbing, individuelle Leistungsfähigkeit, Beschäftigung von Benachteiligten und Behinderten

Lehrplan für die bayerische Realschule
6. Jahrgangsstufe
Ethik, 6.1 Leben in der Gemeinschaft: Grundlagen einer Freundschaft (z. B. gemeinsame Interessen, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Rücksichtsnahme), Einfluss der Clique auf Konsum- und Freizeitverhalten; Regeln, die in einer Clique gelten (z. B. Kleidung, Musik, Sprache, Verhaltensweisen); Bedeutung und Auswirkungen des Beliebtheitsgrades einer Person. Der Außenseiter/Einzelgänger: Begründungen, weshalb jemand zum Außenseiter/Einzelgänger werden kann (Selbst-, Fremdbestimmung), das eigene Verhalten (auf Grund von Gleichgültigkeit, Feigheit, Gruppendruck o. a.) gegenüber Außenseitern/Einzelgängern bewerten; Bedeutung von Solidarität und Toleranz
7. Jahrgangsstufe
Ethik, 7.1 Leben in Gemeinschaft. Ich und die anderen: Bedeutung von Familie, Clique, Schulgemeinschaft für den Einzelnen, z. B. Schutz, Geborgenheit, Stärkung der Identität; Bedürfnisse, Rechte und Pflichten in diesen Gemeinschaften; Regelungen des Zusammenlebens in diesen Gemeinschaften, z. B. Sitte, Brauch, Gebot, Verbot, Gesetz; hilfsbedürftige Menschen in meinem Lebensraum; Erfahrungen mit verschiedenen Formen von Hilfsbedürftigkeit. 7.2 Konflikte im Alltag. Spannungen in Familie, Schule und Freundeskreis: vordergründige Anlässe, die häufig zu Konflikten führen können, z. B. Gefühl der Benachteiligung, unterschiedliche Interessen, gezielter Einsatz der Körpersprache; verschiedene Formen der Gewalttätigkeit in menschlichen Beziehungen. Bewältigung von Konflikten: Gründe für die Angst vor Auseinandersetzungen, z. B. eigene Nachteile, Verlust von Beziehungen, Egoismus, Opportunismus; Konfliktbewältigung als wesentliche Aufgabe im menschlichen Zusammenleben. Bereitschaft zum fairen Streiten: sich in die Situation von Streitenden hineinfühlen, z. B. durch Rollenspiele, Vorschläge zur Konfliktbewältigung beurteilen; Bedeutung von Grundeinstellungen wie Gerechtigkeit, Versöhnungsbereitschaft, Eingeständnis von Schuld u. a. erkennen; Spielregeln für einen fairen Umgang miteinander entwerfen.
Evangelische Religionslehre, 7.5 Gemeinsam mit Konflikten leben lernen: Mit Konflikten konstruktiv umgehen, das positive und negative Potenzial von Konflikten wahrnehmen, z. B. anhand von aktuellen Auseinandersetzungen, Rollenspielen, auch anhand von Beispielen aus dem Straßenverkehr, Regeln für faires und konstruktives Streiten entwickeln und einüben.
Katholische Religionslehre, 7.3 Mit Konflikten umgehen lernen. Beispiele für Konflikte: Ursachen, Erscheinungsformen und Motive untersuchen, Auswirkungen wahrnehmen, ggf. eigene Erfahrungen erzählen, sich in die Situation von Tätern und Opfern versetzen; Umgang mit Konflikten, z. B. sich stellen, ausweichen, verharmlosen, verschärfen; Möglichkeiten der Konfliktbewältigung bewerten und die angewandten Wertmaßstäbe benennen.
8. Jahrgangsstufe
Evangelische Religionslehre, 8.5 Anderen Menschen begegnen. Bereicherung durch Verschiedenheit: Begegnung mit Vielfalt: in der Schulgemeinschaft oder in der Umgebung: eigene Erfahrungen, Menschen unterschiedlicher Herkunft und ihre Lebensgeschichten, religiöse Überzeugungen, Sitten, Bräuche und religiöse Praxis anderer Länder; Wege zur Gemeinschaft: Hindernisse und Wünsche für ein gelingendes Miteinander, Fremdenfeindlichkeit und Gastfreundschaft; Respekt, Toleranz, durch konstruktive Auseinandersetzung eigene Standpunkte finden; Bestrebungen zur Überwindung von Fremdheit
9. Jahrgangsstufe
Ethik, 9.3 Arbeit und Leistung in Schule und Beruf: Problemfelder von Arbeit und Leistung in Schule und Beruf, wie z. B. Leistungskontrolle, Erfolglosigkeit, Konkurrenzkampf, Mobbing

Lehrplan für das bayerische Gymnasium
6. Jahrgangsstufe
Ethik, 6.2 Ich und die anderen. Freiheit im Widerstreit der Interessen: Einsicht in Grenzen der persönlichen Freiheit und Bereitschaft zur Selbstbegrenzung, insbesondere Achtung der Menschenwürde, Toleranz und Kompromissbereitschaft als Ausdruck der Anerkennung der Freiheit des anderen
Evangelische Religionslehre, 6.5 Leben in Gruppen: ein Gespür entwickeln für gruppenspezifische Prozesse, Kennzeichen von Gruppen: Ziele, Regeln, Rangordnung, Symbole o. Ä., Konflikte in Gruppen: mindestens ein Beispiel aus dem Erfahrungsbereich der Schüler, z. B. Streit und Versöhnung, Rollenzwang, Gruppendruck, Mobbing; Möglichkeiten der konstruktiven Konfliktbearbeitung wie Empathie, Zivilcourage, Mediation, Aushalten von unlösbaren Konfliktsituationen; Menschen in besonderen Situationen als Nächste wahrnehmen und in ihrer Würde achten lernen; Leben am Rande, z. B. Außenseiter, Fremde, oder: Menschen mit Handicaps, Behinderungen, Erkrankungen
8. Jahrgangsstufe
Evangelische Religionslehre, 8.1 Leben in Gottes Schöpfung und Geschichte: der biblisch-christliche Schöpfungsglaube im Kontext anderer Sichtweisen, naturwissenschaftliche Theorien, z. B. Urknall, Evolution
Katholische Religionslehre, 8.2 Die Welt ist unvollendet. Konflikte, Schuld und Versöhnung: Leben in einer unvollkommenen Welt: Konflikte mit anderen (z. B. in Familie, Schule, Gesellschaft) und mit sich selbst, Ursachen (z. B. Frustration, Aggression, berechtigte Anliegen) und Schulderfahrungen; Konflikt- und Schuldbewältigung im Schüleralltag (Kriterien an Fallbeispielen oder Dilemmageschichten entwickeln), Konfliktlösung als Chance für persönliches Reifen und Verantwortungsbewusstsein
9. Jahrgangsstufe
Ethik, 9.5 Friedensethik: Bedingungen und Voraussetzungen des Friedens auf den verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen (Einzelner, Gruppe, Staat, internationale Staatengemeinschaft); Friedenserziehung: Aneignung von Sachwissen zum Abbau von Vorurteilen und Feindbildern; Förderung von sozialer Sensibilität und der Fähigkeit, Konflikte gewaltfrei auszutragen u. a.
10. Jahrgangsstufe
Evangelische Religionslehre, 10.5 Tun und Lassen: ein ethisches Problemfeld aus dem Alltag erschließen; Sachanalyse eines ethischen Konfliktfalls aus dem alltäglichen Bereich, z. B. Raubkopien, Schwarzfahren, Schwänzen, Notlüge, Lästern, Mobbing, üble Nachrede, Sich-etwas-Vormachen; elementare Regeln ethischer Urteilsbildung; Normen, Werte; Bedeutung des Gewissens; Auswirkungen von Lebensstil, Erziehung, Gewohnheiten auf Tun und Lassen


5