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Das Erwachen der Sexualität Glossar

Stand: 15.07.2015

PersonenWerdegang
Freud, Sigmund
(6.5.1856 - 23.9.1939)
Österreichischer Neurologe und Schriftsteller, Begründer der Psychoanalyse; nach einem Medizinstudium beschäftigt er sich als Dozent für Neuropathologie an der Wiener Universität mit hirnanatomischen Forschungen. 1886 eröffnet er eine neurologische Praxis und entwickelt in den Folgejahren die grundlegenden Begriffe der frühen Psychoanalyse ("Es", "Ich", Über-Ich" als Instanzen des "psychischen Apparats", Neurose, Verdrängung, Übertragung). 1935 werden seine Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt, 1938 flieht er nach London, wo er ein Jahr später stirbt.
Grimm, Jacob
(4.1.1785 - 20.9.1863)
Deutscher Jurist, Sprach-, Literaturwissenschaftler, Hochschullehrer, Begründer der germanischen Altertumswissenschaften, der germanischen Sprachwissenschaft und der deutschen Philologie. Ab 1806 beginnt er gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm Grimm (1786-1859) mit der Sammlung, Niederschrift und Herausgabe deutscher Volksmärchen und Sagen. 1812 und 1815 erscheinen die "Kinder- und Hausmärchen", 1816 und 1818 die "Deutschen Sagen". Wichtige Sprach- und Literaturwissenschaftliche Schriften: "Deutsche Grammatik" (1819-1837), "Deutsche Mythologie" (1835), "Deutsches Wörterbuch" (ab 1838). Seit 1830 lehrt Jacob Grimm als Professor an der Universität Göttingen, 1837 wird er als Mitverfasser des Protests der "Göttinger Sieben" gegen die Aufhebung der Verfassung durch König Ernst August II. von Hannover mit einem Berufsverbot belegt und des Landes verwiesen. Ab 1841 ist er Professor an der Friedrich-Wilhelms Universität zu Berlin.
Jung, Carl Gustav
(26.7.1875 - 6.6.1961)
Schweizer Arzt, Psychoanalytiker, Hochschullehrer und Begründer der Analytischen Psychologie. Nach einem Medizinstudium spezialisiert sich Jung auf die Psychiatrie und setzt mit den Lehren Sigmund Freuds auseinander, die er anfangs unterstützt. Von 1907 bis 1913 arbeitet er trotz zunehmender Spannungen eng mit Freud zusammen. 1913 führen unvereinbare Ansichten über die Rolle des Sexualtriebs (Libido) zum endgültigen Bruch. Nach der Abkehr von Freud entwickelt Jung mit der Analytischen Psychologie eine eigene tiefenpsychologische Richtung. Zu den entscheidenden Neuerungen gehört, dass Jung das individuelle Unbewusste durch ein System des überindividuellen, universalen "kollektiven Unbewussten" ergänzt, das alle Menschen unabhängig von Erfahrung, Herkunft, Kultur und Epoche in sich tragen. Dieses kollektive Unbewusste ist die allen Menschen gemeinsame Grundlage der psychischen Funktionen. Ein wichtiges Strukturelement des Psyche sind nach Jung die so genannten Archetypen, "in allen Menschen aktive, überindividuelle Motive, Vorstellungen und Emotionen, die sich in Träumen, Mythen, Sagen und Märchen" ausdrücken (beispielsweise Prinz, Held, König, Zauberer, Alter Weiser, Mutter, Vater …).
Jung, Mathias
(geb. 1941)
Psychotherapeut am "Dr. Max-Otto-Bruker-Haus" in Lahnstein, Autor philosophiegeschichtlicher Werke ("Seneca", "Sokrates", "Kant") sowie tiefenpsychologischer Märcheninterpretationen ("Schneewittchen", "Dornröschen") und zahlreicher Bücher zum Thema Lebenshilfe.
Nietzsche, Friedrich
(15.10.1844-5.8.1900)
Deutscher Altphilologe, Philosoph und Lyriker, der sich in seinen Werken kritisch mit Moral, Philosophie, Religion, Metaphysik, Kunst und Wissenschaft auseinandersetzt. Wichtige Schriften: "Menschliches, Allzumenschliches" (1880), "Also sprach Zarathustra" (1885), "Jenseits von Gut und Böse" (1886).
BegriffeErklärung
AdoleszenzPhase des Erwachsenwerdens, des Heranwachsens zwischen dem Kindes- und Erwachsenenalter
AmbivalenzDoppeldeutigkeit, Doppelwertigkeit; Gleichzeitigkeit widersprüchlicher Gefühle und Gedanken
AnimusBegriff der Analytischen Psychologie C. G. Jungs, er bezeichnet die unbewussten männlichen Seelenanteile der Frau (Mut, Entschlossenheit, Stärke, Vernunft, Klarheit). Die unbewussten weiblichen Seelenanteile des Mannes bezeichnet Jung als "Anima". Beide gehören zu den im Unbewussten eines jeden Menschen angelegten, angeborenen und nicht erlernten Archetypen (Urbildern, Urvorstellungen). Diese Archetypen sind "typische Formen, die spontan und mehr oder weniger universal, unabhängig von Tradition, in Mythen, Märchen, Phantasien, Träumen, Visionen und Wahngebilden auftreten" (Jung).
AndrologieMännerheilkunde (von griech. "andros" = "Mann")
DeflorationEntjungferung, wörtlich "Entblütung"
DesolatVereinsamt, einsam, hoffnungslos, traurig
ExplorationErkundung, Erforschung, Untersuchung, Befragung (von lat. "explorare" = "erkunden")
FertilitätFruchtbarkeit
FreudianischIm Sinne der Lehre Sigmund Freuds, nach Sigmund Freud, auf Sigmund Freud fußend
IndividuationProzess der Ich-Werdung (Person-Werdung), der durch die konflikthafte Überwindung extern gesetzter Normen und Wertvorstellungen zu eigenen Normen und Werten führt; Ziel der menschlichen Entwicklung. Die Individuation erfordert unter anderem die Bereitschaft, die Erwartungen relevanter Bezugspersonen (Eltern, Lehrer, Freunde, Gesellschaft) zu enttäuschen, gegen Verbote aufzubegehren und Überangepasstheit abzubauen.
InstanzAllgemein: zuständige Stelle einer Behörde; psychologisch: maßgebliche psychische Kontrollstelle im Menschen (beispielsweise "Gewissen")
KlandestinHeimlich, verborgen
KokonAus Sekretfäden gesponnenes Gewebe, mit dem Insekten ihre Eier umhüllen oder sich selbst bei der Verpuppung einspinnen
MenarcheErste Regelblutung eines Mädchens, Eintritt der Regel
PotenzAllgemein: Möglichkeit, Fähigkeit etwas zu tun
PsychoanalyseWörtlich: "Seelenzergliederung" = wissenschaftliche Deutung ("Enträtselung") seelischer Vorgänge. Die um 1890 von Sigmund Freud entwickelte Psychoanalyse ist zugleich ein Beschreibungs- bzw. Erklärungsmodell (Theorie) des psychischen Apparats und eine Behandlungsmethode (Therapie) für psychische Erkrankungen. Die Psychoanalyse bildet den Ausgangspunkt für die Entwicklung mehrerer auf Freud fußender oder von Freud abweichender Schulen der Tiefenpsychologie (beispielsweise C. G. Jung, Alfred Adler).
SpindelAllgemein, technisch: ein länglicher, stabförmiger Körper, der in Drehung versetzt werden kann, Welle zur Übertragung einer Drehbewegung. Hier: Handspindel (hölzerner Stab mit einer ringförmigen Verdickung am unteren Ende. Beim Handspinnen wird die zu Garn versponnene Wolle auf der in Drehung versetzten, stabförmigen Spindel aufgewickelt.
StuporStarre, Erstarrung, Bewegungslosigkeit
Systemische PsychologieSchule der Psychologie, die nicht nur das Individuum, sondern darüber hinaus auch familiäre und andere Beziehungsgeflechte (Systeme) in die Erklärung seelischer Vorgänge und die therapeutische Arbeit einbezieht und damit "systemisch" vorgeht.
TiefenpsychologieSammelbegriff für alle psychologischen und psychotherapeutischen Richtungen, die das Unbewusste als zentralen Faktor des Seelenlebens, des menschlichen Verhaltens und seelischer Erkrankungen betrachten. Die Prozesse in den unbewussten Tiefenschichten der Psyche werden je nach Schule durch unterschiedliche Antriebskräfte beeinflusst. Neben den individuellen Unbewussten (Freud) postuliert Jung die Existenz eines kollektiven Unbewussten, das allen Menschen angeboren ist.
TsunamiDurch starke unterseeische Erdbeben oder Erdrutsche auf dem offenem Meer ausgelöste Langwellen, die sich im flacheren Küstenbereich zu einer Flutwelle mit extremer Vernichtungskraft und starkem Rücksog auftürmen. Hier bildhaft für ein verheerendes, nicht beherrschbares Geschehen, das den Betroffenen überfordert.

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