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Wunderwerk Pilz Vielfalt der Pilze

Stand: 26.11.2014 | Archiv

Sommer und Herbst - Die Saison der Pilze

Von Juli bis November ist Hauptsammelzeit. Dann sind die Schwammerlsucher wieder aktiv. Und vermutlich werden sie auch reiche Beute machen, denn die Vielfalt an Pilzen ist groß. Bislang sind rund 100.000 Arten bekannt. Doch Experten schätzen, dass es insgesamt etwa 1,5 Millionen Pilzarten gibt. Hierzulande wachsen zum Beispiel Steinpilze, Maronenröhrlinge und Rotkappen - die allesamt essbar sind. Aber auch giftige Exemplare wie der tödliche Gifthäubling oder der kegelhütige Knollenblätterpilz wachsen in unseren Wäldern.

Winzig klein bis gigantisch groß - Die Vielfalt der Pilze

Hallimasch-Pilze an einem Baumstamm

Maronenröhrling, Steinpilz und Wiesenchampignon - im Grunde bemerken Schwammerlsucher nur den Fruchtkörper, den sie an der Oberfläche des Waldbodens sehen. Der "eigentliche" Pilz, das Mycel, bleibt für die meisten unsichtbar. Er wächst unterirdisch und ist mit bloßem Auge kaum zu erspähen: Ein sich wurzelähnlich ausbreitendes Geflecht aus unzähligen fadenförmigen Zellen, das sich über eine Fläche von mehreren Fußballfeldern erstrecken kann. Berühmtestes Beispiel ist ein Hallimasch.

Der Gigant unter den Pilzen - Ein unterirdische Killer?

Er wurde in einem Wald im Osten des US-Bundesstaates Oregon entdeckt. Dort starben im Jahr 2000 ungewöhnlich viele Bäume. Eine gute Erklärung dafür gab es nicht. Bis amerikanische Forscher das Rätsel schließlich lösten. Sie fanden heraus, dass das riesengroße Geflecht eines Hallimasch-Pilzes für das Sterben der Bäume verantwortlich war. Seine Größe brachte dem Pilz auch einen Beinamen ein: "größter lebender Organismus der Welt". Das Geflecht hat eine Fläche von rund neun Quadratkilometern und ist damit fast so groß wie der bayerische Tegernsee. Es soll rund 2.400 Jahre alt sein. Sehen kann man das Riesenmycel aber normalerweise nicht. Nur selten kommt der Pilz an die Oberfläche - und hat dort einen gelblich-braunen Hut und Stiel. Hierbei handelt es sich um den sogenannten Fruchtkörper des Pilzes.

'Who is Who' der Pilze

Die Guten ins Körbchen - Die sichtbaren Fruchtkörper

Die Pilze - hier ein Pfifferling - sollte man oberhalb des Wurzelkörpers abschneiden.

Für gewöhnlich landet nur dieser Fruchtkörper im Sammelkorb der Pilzsucher. Von Biologen wird er auch "Großpilz" genannt. Der Fruchtkörper besteht fast nur aus Eiweiß und Wasser - und er duftet. Dabei gibt es kaum einen Geruch, den es bei Pilzen nicht gibt. Einige riechen nach Kokosflocken, Seife oder Pferdeurin. Andere nach Marzipan, Schokolade, Schwarztee mit Milch und Zucker - oder nach Mirabellen wie der Pfifferling. Für Experten ist dieser Geruch ein gutes Mittel, um einen Pilz zu bestimmen. Nur Anfänger teilen diese Meinung oft nicht. Für sie riechen die Schwammerl eher muffig, oder ganz allgemein nach Erde oder Wald.

Das 'Who is Who' der Pilze - Röhrling und Lamellenpilz

Ungeübte haben oft Probleme, die verschiedenen Pilze auseinanderzuhalten, da sich viele sehr ähnlich sehen. Neben dem Geruch kann einem Sammler auch der Aufbau des Hutes helfen. Dessen Farbe ist freilich kein gutes Bestimmungsmerkmal, denn sie ist bei vielen Pilzen gleich. So lässt sich der honiggelbe Hut des Stockschwämmchens leicht mit dem des Gifthäublings verwechseln. Und auch die Unterscheidung zwischen Wiesenchampignon und Knollenblätterpilz ist nicht immer leicht.

Die Röhrlinge - Pilze für Einsteiger

Maronenröhrling

Anfänger sollten ihre Sammlerkarriere eher mit einem Röhrling beginnen. Für diese Pilzsorte typisch ist eine schwammähnliche Schicht aus kleinen Röhrenöffnungen an der Unterseite des Hutes. Wer einen Röhrling sucht, geht auf Nummer sicher - lebensgefährlich giftige Arten gibt es hier kaum. Mit einer Ausnahme, dem Satanspilz. Er ist an seinem grauen Hut und dem karminroten Stiel zu erkennen, und kann zu Magen-Darm-Beschwerden führen.

Ein Gallenröhrling ist zwar nicht giftig, dafür aber bitter - und kann schnell eine gute Mahlzeit zerstören. Dieser Röhrling ist leicht mit einem leckeren Steinpilz zu verwechseln. Doch im Gegensatz zu diesem hat er anfangs noch ein auffallend dunkles Netz am Stiel. Und im Alter erkennt man ihn gut am rosafarbenen Röhrenfutter unter dem Hut.

Die Lamellenpilze - Pilzsammler sei wachsam!

Je frischer die Champignons, desto heller die Lamellen.

Bei den Lamellenpilzen gibt es freilich mehr zu beachten. Eines haben alle gemein: nebeneinander angeordnete Lamellen an der Unterseite des Hutes. Doch damit sind die Gemeinsamkeiten auch schon erschöpft. Denn so mancher harmlos aussehende Lamellenpilz hat einen giftigen Doppelgänger. Wie der essbare Champignon. Wer im Supermarkt schon einmal einen herausgesucht hat, der weiß: Ein junger Champignon hat rosafarbene Lamellen, später werden sie schokobraun. Nur beim Knollenblätterpilz, dem giftigen Doppelgänger des Champignons, bleiben die Lamellen immer weiß - egal wie alt er ist. Vorsicht ist außerdem beim ungenießbaren Feldtrichterling geboten, der in Hausgärten wächst. Und auch beim Fliegenpilz mit seinem rot-weiß-getupften Hut.


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