Bayern 2 - radioWissen


6

Download-Service Einsatz im Unterricht

Stand: 16.10.2014 | Archiv

Vorarbeit

Lernziele: Am Beispiel des Herings begreifen die Schülerinnen und Schüler, dass die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln ein wichtiger Faktor der Menschheitsgeschichte ist. Sie lernen, dass die Technik der Haltbarmachung durch Einsalzen den weiträumigen Handel mit diesem verderblichen Wirtschaftsgut ermöglichte und den Aufstieg der Hanse zur führenden Wirtschaftsmacht des ausgehenden Mittelalters begründete. Ein historischer Überblick verdeutlicht, weshalb der Hering über Jahrhunderte hinweg als "Brot der Armen" und "Silber des Meeres" galt. Die Schülerinnen und Schüler erfahren zudem, wie sich die Bedeutung des allgegenwärtigen Massennahrungsmittels in der Hoch- und Alltagskultur niederschlug. Anschließend lenkt der Beitrag den Blick auf die Problematik der Überfischung und die ökologischen Risiken einer industriellen Aquakultur. Zuletzt werden die Schülerinnen und Schüler für die Notwendigkeit einer verantwortungsbewussten, nachhaltigen Fischerei als Voraussetzung für die Erhaltung des biologischen Gleichgewichts, der Artenvielfalt und der Ernährung der Menschheit sensibilisiert.

Einsatz im Unterricht

Hinführung zum Thema: Zum Einstieg in die Unterrichtsstunde kann die Lehrkraft ein Heringsprodukt in der Dose oder im Glas zeigen und die Klasse raten lassen, worum es sich handelt. Sobald das Stichwort "Hering" gefallen ist, kann die Lehrkraft die Neugier der Schülerinnen und Schüler reizen: "Könnt ihr euch vorstellen, dass etwas so Unscheinbares, das heute ein paar Euro kostet, einst den Reichtum der Hansestädte begründete und sogar Kriege auslöste?"

Nacharbeit

Nachbearbeitung: Die Arbeitsblätter und Arbeitsaufgaben dienen der Festigung des im Radiobeitrag vermittelten Wissens und der Vertiefung aufgeworfener Fragen. Die Sendungsausschnitte können zur Motivation und thematischen Strukturierung des Unterrichtsgesprächs oder als Ergänzung der Arbeitsblätter eingesetzt werden. Arbeitsblatt 1: "Die Heringe: Steckbrief einer artenreichen Großfamilie". Die Schülerinnen und Schüler sichern die im Hörbeitrag erwähnten Angaben zur Biologie der Heringe. Arbeitsblatt 2: "Von der Hanse zur Heringsbuise: Der Kampf um Wirtschaftsräume und Fanggründe". Das Arbeitsblatt skizziert die Bedeutung des Herings als Wirtschaftsgut im Spätmittelalter, nennt Gründe für den Aufstieg der Hanse und den Verlust der Vormacht an die Niederländer im 16. Jahrhundert. Arbeitsblatt 3: "Raubbau auf hoher See: Ein Massennahrungsmittel wird zur Mangelware". Die Schülerinnen und Schüler halten fest, dass immer höhere Fangquoten die Heringsbestände in den 1970er Jahren massiv gefährdeten. Sie begreifen, dass erst die Einführung gezielter Schutzmaßnahmen den bedrohlichen Rückgang stoppen konnte. Arbeitsblatt 4: "Vom Speisefisch zum Tierfutter: Das Dilemma der großindustriellen Fischproduktion". Die Schülerinnen werden mit den Anforderungen und Risiken der Aquakultur vertraut. Sie lernen, dass die schonende Bewirtschaftung der Meere und des Herings eine globale Aufgabe ist.

Zur Auflockerung des Unterrichts kann die Lehrkraft das Gedicht "Der Häring" von Heinrich Seidel (1842-1906) vorlesen oder vorlesen lassen.

Der Häring ist ein salzig Thier -
Er kommt an vielen Orten für.
Wer Kopf und Schwanz kriegt hat kein Glück!
Am besten ist das Mittelstück. -

Es giebt auch eine saure Art -
In Essig wird sie aufbewahrt.
Geräuchert ist er alle Zeit
Ein Thier von großer Höflichkeit.

Wer niemals einen Häring aß,
Wer nie durch ihn von Qual genas,
Wenn er mit Höllenpein erwacht -
Der kennt nicht seine Zaubermacht!

Drum preiset ihn zu jeder Zeit,
Der sich der Menschheit Wohl geweiht,
Der heilet was uns elend macht -
Dem Häring sei ein Hoch gebracht!

Lehrplanbezug

Lehrplanbezug für die bayerische Realschule
10. Jahrgangsstufe
Biologie, 10.4 Biologische und kulturelle Evolution des Menschen: Eingriffe des Menschen in die Biosphäre

Lehrplanbezug für das bayerische Gymnasium
6. Jahrgangsstufe
Natur und Technik, 6.1.1 Wirbeltiere in verschiedenen Lebensräumen: Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel
10. Jahrgangsstufe
Biologie, 10.3 Grundlegende Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen: Bedeutung und Gefährdung von Ökosystemen (ökologische und wirtschaftliche Bedeutung, Gefährdung durch direkte und indirekte Eingriffe des Menschen, Umwelt- und Naturschutz: z. B. Artenschutz, nachhaltige Bewirtschaftung. 10.4 Angewandte Biologie, Biotechnologie: Herstellung von Lebensmitteln, Bedeutung von Mikroorganismen; Landwirtschaft: Ökobilanz eines Lebensmittels
11. Jahrgangsstufe
Biologie, 11.3 Der Mensch als Umweltfaktor – Populationsdynamik und Biodiversität: anthropogene Einflüsse auf die Artenvielfalt z. B. durch weltweiten Tier- und Pflanzentransfer, wirtschaftliche Nutzung, Freizeitverhalten, Schadstoffeintrag, Klimaveränderungen; Umweltmanagement: Natur- und Artenschutz, Nachhaltigkeit, internationale Abkommen


6