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Das Thema Moderne Technik im Gehirn?

Stand: 31.01.2018 | Archiv

Verlauf von Elektroden im Schädel eines Mannes, mit Hilfe derer er wieder sprechen und essen kann | Bild: picture-alliance/dpa

Eine schwierige Operation, die bei neurologischen Erkrankungen Erfolge zeigt, ist der Hirnschrittmacher, der über eine Elektrode tief ins Gehirn (in die Tiefen des Mittelhirns) eingesetzt wird.

Der Hirnschrittmacher

Dort werden über elektrische Impulse an ganz bestimmten Stellen Nervenzellen angeregt. Bei Parkinson (Schüttellähmung), Epilepsie oder beim Tourette-Syndrom, einer Krankheit, bei der Betroffene unter anderem unkontrolliert Schimpfwörter ausstoßen, greifen Neurochirurgen auf diese Operation zurück. Für Patienten, die unter starken unkontrollierten Verkrampfungen und ruckartigen Bewegungen leiden, und Medikamente nicht mehr helfen, kommt der Hirnschrittmacher in Frage.

Methode bei Parkinson-Krankheit

Die Parkinsonsche Krankheit ist dabei eine der häufigsten neurologischen Störungen. Betroffene leiden unter starken Bewegungsstörungen wie Zittern, Steifigkeit oder motorischen Aussetzern. Da die Ursache für diese Krankheit das Absterben der Nervenzellen ist, die durch das Ausschütten des Botenstoffes Dopamin andere Hirnareale reguliert, wird seit 1998 diese operative Methode angewandt. Dabei bremst der Strom ein überaktives Areal im Gehirn und dadurch löst sich dort eine Blockade. So wird der Parkinson-Patient wieder schneller. Weltweit haben bereits über 80.000 Menschen eine tiefe Hirnstimulation machen lassen, etwa zwei Drittel von ihnen aufgrund der Parkinson-Krankheit.

Ein Eingriff bei vollem Bewusstsein

Eine Studie zeigt, dass die tiefe Hirnstimulation nicht nur die Bewegungsfähigkeit der Betroffenen verbessert, sondern auch die Gedächtnisleistung. Der Patient muss bei dieser schwierigen Operation bei vollem Bewusstsein bleiben, damit die Ärzte sofort erkennen können, was die Impulse auslösen und ob der Eingriff etwas bringt. Das Einsetzen der Elektrode in den Kopf ist Millimeterarbeit. Der Strom für die Elektrode stammt aus einem kleinen Kästchen, das mit Batterie oder Akku betrieben wird. Dieses streichholzgroße Kästchen wird einige Tage nach der Gehirn-OP unter dem Schlüsselbein oder im Bauchraum eingesetzt. Wie jeder größere Eingriff hat auch diese Operation Nebenwirkungen, manche berichten davon, dass sich ihre Persönlichkeit verändert hat.

Magnetfelder an Schädeldecke                                                        

Weniger aufwendig und riskant ist eine weitere Methode, die sich "transkranielle Magnetstimulation" nennt. Dabei werden nur von außen über die Schädeldecke hinweg Stromimpulse auf Bereiche des Gehirns gegeben. Durch diese Magnetfelder können Nervenzellen stimuliert werden. Das bedeutet, dass der Stromfluss zwischen den Nervenzellen aktiviert oder gehemmt wird.
In einer Studie stellte sich heraus, dass Versuchspersonen unter dem Einfluss der Magnetfelder erstaunliche Fähigkeiten entwickelt haben, die sonst nur Menschen mit sogenannten Inselbegabungen hervorbringen. Damit meint man Menschen, die in einzelnen kleinen Teilbereichen außergewöhnliche Leistungen erbringen wie etwa Autisten. Bei Versuchspersonen, die sich im Hildesheimer Museum eine große mit Bibelmotiven bemalte Türe angeschaut haben, bewirkten diese Impulse, dass sie auf einmal detailgetreu ein bestimmtes Motiv nachmalen konnten, obwohl sie es nur kurz angeschaut hatten.
Neben Medikamenten und Dopingmitteln ist dies also auch eine Methode die Gehirnleistung zu optimieren. Aber damit können auch im medizinischen Bereich Krankheiten behandelt werden, u.a. wird die Methode in der Psychiatrie bei Depression und Schizophrenie angewendet sowie in der Neurologe bei Epilepsie und Parkinson.


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