Bayern 2 - radioWissen


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Download-Service Einsatz im Unterricht

Stand: 15.06.2015 | Archiv

Vorarbeit

Lernziele: Die Schülerinnen und Schüler werden über den deutschen Einigungsprozess 1989/90 informiert. Sie erfahren, wie die friedliche Wiedervereinigung trotz innen- und außenpolitischer Widerstände zustande kommt und verstehen, dass sie nicht nur ein "Geschenk der Geschichte" ist, sondern vor allem das Ergebnis eines klugen Entscheidungshandelns der Regierung Kohl/Genscher.

Die Sendung im Unterricht


Hinführung zum Thema: Bevor die Sendung zum Einsatz kommt, sollte die Lehrkraft die Krisensymptome ansprechen, die in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre einen Problemstau in der DDR verursachen. Der Niedergang der DDR-Wirtschaft, Umweltverschmutzung, Wahlfälschungen, die Drangsalierung Oppositioneller und die Reformunfähigkeit des SED-Regimes begünstigen die Entstehung von Bürgerbewegungen, drängen DDR-ler zur "Republikflucht" und lösen schließlich die deutsche Revolution aus. Unter dem Druck der Straße muss die Regierung am 9. November 1989 die Grenze öffnen. Die politisch-psychologischen Auswirkungen des Mauerfalls sind enorm, der Zug in Richtung Einheit setzt sich in Bewegung.

Nacharbeit

Nachbearbeitung: Zur Sicherung des Wissens werden die Arbeitsblätterbearbeitet. Arbeitsblatt 1 fasst wichtige Ereignisse chronologisch zusammen. Arbeitsblatt 2 hilft, das Handeln der Regierung Kohl/Genscher im Einigungsprozess 1989/90 zu verstehen. Arbeitsblatt 3 gibt Einblick in das Verhalten der DDR-Regierungen vor und nach dem Mauerfall und Arbeitsblatt 4 (kombiniert mit den Audioclips 1,2 und 3) beschäftigt sich mit den außenpolitischen Hürden, die die Regierung Kohl auf dem Weg zur deutschen Einheit überwinden muss.
Anschließend können einige Aspekte des Einheitsprozesses noch vertieft werden.

  • Warum erfasst im Herbst 1989 eine "Gefühlslawine" die Deutschen in Ost und West?
  • Wie ist der rasante Machtverfall des SED-Regimes 1989/90 zu erklären?
  • Warum lässt sich das Bild einer Fliege, die auf einen klebrigen Fliegenfänger geraten ist und mit jedem Befreiungsversuch noch fester klebt, auf DDR-Politiker wie Erich Honecker, Egon Krenz und Hans Modrow gut übertragen?
  • Wann und warum kippt die Stimmung in der DDR von "Wir sind das Volk" zu "Wir sind ein Volk"?
  • Warum verschwinden die Bürgerbewegungen 1990 weitgehend von der politischen Bühne?
  • Wie wirkt sich Gorbatschows Zustimmung zur deutschen Einheit (Februar 1990) auf die Politik der Regierung Kohl/Genscher aus?
  • Wie nutzt Kanzler Kohl die historische Chance, nachdem die "Tür zur Einheit" geöffnet ist?

Erweiterung

In Arbeitsgruppen können sich die Schülerinnen und Schüler zusätzlich mit den Folgen des Falls des "Eisernen Vorhangs" und der deutschen Wiedervereinigung beschäftigen.

  • Ende des Ost-West-Konfliktes
  • Überwindung der Spaltung Europas
  • Niedergang des Warschauer Pakts
  • Zerfall der Sowjetunion in 15 souveräne Republiken
  • Entstehung neuer Demokratien und Diktaturen
  • Globalisierung der Wirtschaft

Lehrplanbezug

Lehrplan für die bayerische Mittelschule
Geschichte - Sozialkunde - Erdkunde
9. Jahrgangsstufe
9.3 Der weltpolitische Wandel nach 1970
9.3.2 Demokratisierung in den Ländern des Ostblocks
- Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion
- Auflösung des Ostblocks
- Zusammenbruch der DDR
- Wiedervereinigung Deutschlands, 3. Oktober 1990
Wiederholen, Üben, Anwenden, Vertiefen
- Überwindung des Ost-West-Konflikts und Wiedervereinigung Deutschlands
- Europa in der Nachkriegszeit und in der Gegenwart
- Jahreszahlen: 3. Oktober 1990

Lehrplan für die bayerische Realschule
Geschichte
10. Jahrgangsstufe
10.4 Neuorientierung in Europa und in der Welt
Die Schüler (...) vollziehen nach, wie sich im Zusammenhang zwischen Hochrüstung, wirtschaftlichem Niedergang und zunehmendem Freiheitsstreben im Einflussbereich der Sowjetunion die Nachkriegsordnung auflöst. Dynamik und Offenheit geschichtlicher Prozesse verdeutlichen sich die Schüler u.a. am Zerfall der UdSSR und am Beispiel der Wiedervereinigung Deutschlands.
Auflösung des Ostblocks und politische Neugestaltung Ost- und Südosteuropas
- wirtschaftlicher Niedergang und die Reformen Gorbatschows
- Zerfall der UdSSR und seine Folgen
Der Prozess der deutschen Wiedervereinigung
- die Vorgaben des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland und deren Umsetzung
- die friedliche Revolution in der DDR 1989
- die Einheit beider deutscher Staaten, Chancen und Probleme

Lehrplan für das bayerische Gymnasium
Geschichte
10. Jahrgangsstufe
10.2 Die Auflösung des Ostblocks und die deutsche Einheit
Die Schüler erfassen die Umstände und Gründe des Zusammenbruchs des Ostblocks und erkennen im Ende der Ost-West-Konfrontation die historische Chance für Deutschland, den Zustand der Teilung zu überwinden. In der Betrachtung der weiteren Entwicklung begreifen sie aber auch, welche Herausforderung die staatliche Einheit für die Deutschen bedeutet.
- Ende der bipolaren Welt: von der Verhärtung des Ost-West-Verhältnisses zur Auflösung des Ostblocks und der Sowjetunion
- Von der Wende in der DDR zur deutschen Einheit
- Probleme und Erfolge der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Integration im vereinten Deutschland, Umgang mit der DDR-Vergangenheit, Selbstverständnis als Nationalstaat
11./12. Jahrgangsstufe
11.2.4 Die DDR – eine deutsche Alternative?
Ihrem Selbstverständnis nach war die DDR der "bessere" deutsche Staat und wollte ein Gegenmodell zur Bundesrepublik sein. Die Schüler befassen sich mit diesem Anspruch gegenüber den eigenen Bürgern und gegenüber dem Westen und setzen sich in diesem Zusammenhang auch mit der Geschichtserinnerung an die DDR auseinander.
- Anspruch und Wirklichkeit im "Arbeiter- und Bauernstaat" (Wahlen; Dissidenten; Repression) vor dem Hintergrund des Demokratie-Verständnisses in der Staats- und Parteiführung
- Die DDR und der Westen: Entwicklung der deutschlandpolitischen Standpunkte zu Staat und Nation in West und Ost; sozialliberale Deutschland- und Ostpolitik der Bundesrepublik ab 1969 und ihre Bedeutung für die Entstehung von Spielräumen innerhalb der DDR-Gesellschaft in den 1970er und 1980er Jahren
- Bilanz der Wirtschafts- und Sozialpolitik in der Endphase der DDR (Leistungen, Kosten und Defizite) und ihre Rolle für die Akzeptanz des Systems
- Grundgesetz oder "dritter Weg"? Konzepte für die Umwandlung der DDR in eine parlamentarische Demokratie im zeitlichen Umfeld der Wiedervereinigung (insbesondere Vorstellungen der DDR-Bürgerbewegung; Diskussion um einen Beitritt über Art. 23 oder Art. 146 GG; Frage einer Neufassung des Grundgesetzes nach 1990)
- Problematik der individuellen und kollektiven Geschichtserinnerung an die DDR


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