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Maria Theresia Das Thema

Stand: 07.02.2011 | Archiv

Für Maria Theresia war die Welt, in die sie am 13. Mai 1717 hineingeboren wurde, durch eine Reihe von Prämissen und realpolitischen Gesetzmäßigkeiten klar definiert. So haben habsburgische Herrscher, wie z. B. Leopold I., Österreich zu einer europäischen Großmachtstellung geführt und ernsthafte Konkurrenten um diese Stellung waren zu Beginn des 18. Jahrhunderts nicht ersichtlich. Dieser Aufstieg war - vorangetrieben durch eine erfolgreiche Kriegsführung und eine strategisch geschickte Heiratspolitik - stets mit dem Hause Habsburg verbunden. Die Habsburger stellten auch den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

Gesellschaft und Politik waren patriarchalisch aufgebaut, was zur Folge hatte, dass Frauen am politischen Geschehen nur bedingt teilnehmen konnten oder gänzlich davon ausgeschlossen waren. Das absolutistische Herrschaftsverständnis und der große Einfluss der Religion führten dazu, dass sich für Maria Theresia eine Welt eröffnete, deren Möglichkeiten und Grenzen eng waren.

Kindheit und Regierungsübernahme

Maria Theresia hatte eine harmonische Kindheit und bekam eine klassische Ausbildung: Neben Schreiben und Lesen wurde sie auch in Geschichte, Tanz und Malen unterwiesen. Eine derartige Ausbildung für höhere Töchter war natürlich keine passende Vorbereitung für eine spätere Regentschaft. Doch der Vater, Kaiser Karl VI., erließ bereits im Jahre 1713 die sogenannte "Pragmatische Sanktion". Darin wurde beim Aussterben der männlichen habsburgischen Linie einer weiblichen Herrscherin der Weg geebnet. Der einzige Sohn aus der Verbindung von Kaiser Karl VI. und seiner Frau Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel war nämlich schon in Kindesjahren verstorben.

Auch wenn Kaiser Karl VI. politisch den Weg dafür ebnete, dass nach seinem Tod eine Frau - nämlich seine Tochter - herrschen konnte, blieb er ihr schuldig, sie auf diese enorme Aufgabe entsprechend vorzubereiten. Des Öfteren beschwerte sich Maria Theresia später darüber, dass ihre Ausbildung dafür nicht ausreichend gewesen wäre.

Keineswegs selbstverständlich war, dass Maria Theresia einen Mann heiraten konnte, der nicht nur machtpolitischen Kriterien entsprach: Mit Franz Stephan hat sie am 12. Februar 1736 auch einen Mann geheiratet, den sie schon lange kannte und dem sie innerlich sehr verbunden war.

Zeit als Regentin

Als Kaiser Karl VI. im Jahre 1740 verstarb, traten die Bestimmungen der "Pragmatischen Sanktion" in Kraft. Jedoch wurden die Beschlüsse von anderen Fürsten, die mit dem Hause Habsburg in Verbindung standen, keineswegs einfach so akzeptiert. Sie machten nun ihrerseits Ansprüche geltend. Neben Bayern und Sachsen war es der junge preußische König Friedrich II., der die Gunst der Stunde für sich nutzte und 1740 in Schlesien einmarschierte. Damit veränderte Friedrich II. die Landkarte Europas in seinem Sinne, und Maria Theresia war es nicht möglich, ihm zu diesem Zeitpunkt entgegenzutreten. Vielmehr ging Schlesien für Habsburg für immer verloren.

Was wie ein Paukenschlag für Maria Theresia gewirkt haben mag, war aber nur der Auftakt zu einer kriegerischen Auseinandersetzung auf europäischer Ebene. Dabei ging es für sie um nichts weniger als um ihre politische Existenz als Erzherzogin und Königin. Im österreichischen Erbfolgekrieg, der acht Jahre dauerte, konnte sie jedoch letztendlich größere Niederlagen vermeiden. Auch verstand sie es, die zwischenzeitlich an den Wittelsbacher Karl VII. verloren gegangene Kaiserkrone für das Haus Habsburg zu retten.

So wurde ihr Gemahl, Franz Stephan, 1745 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Obwohl formal der Mann die Kaiserkrone trug, führte Maria Theresia die Regierungsgeschäfte und stand damit leitend und verantwortlich an der Spitze eines europäischen Vielvölkerstaats.

Wieder war es Friedrich II., der 1756 den Impuls zu einem weiteren militärischen Kräftemessen gab. Als er in das mit Österreich verbündete Kursachsen einfiel, trat für Maria Theresia der Bündnisfall ein. Zugleich sah sie damit die Möglichkeit, Sachsen wieder zu erlangen. Gleichwohl endete dieser sogenannte Siebenjährige Krieg (1756 - 1763), ohne dass sie ihrem Ziel näher gekommen wäre. Maria Theresia wurde durch die Konfrontation mit Preußen nur zu deutlich, dass sie ihr Land modernisieren musste, um sich den Ambitionen anderer Mächte zu erwehren. Exemplarisch seien hier die Reformen des Militärs, der Verwaltung und auch des Bildungswesens erwähnt. So hat Maria Theresia beispielsweise eine Unterrichtspflicht eingeführt, um die Zahl der Analphabeten zu reduzieren. Nach dem Tod ihres Mannes griff ihr Sohn Joseph II. diese aufklärerischen Gedanken auf und führte sie weiter.

Eine Herrscherpersönlichkeit

Maria Theresia hatte keinen leichten Start als Regentin: Einige europäische Potentaten glaubten, jetzt sei die Gelegenheit besonders günstig, die Macht Habsburgs wieder zurechtzustutzen. Vor allem war es Friedrich von Preußen, der Maria Theresia durch seine Provokationen schnell verdeutlichte, dass er ihre Schwäche auszunutzen gewillt war. Er gab ihr einen Vorgeschmack auf die künftige Vormachtstellung Preußens im Reich. Einer aus Männern bestehenden politischen Führungselite war es sicherlich ein Dorn im Auge, dass Österreich von einer Frau angeführt wurde. Doch Maria Theresia lernte sich zu behaupten.

Mehrere Gründe waren ausschlaggebend dafür, dass Maria Theresia die ersten Jahre ihrer Regentschaft überstehen konnte: Neben ihrem eisernen Willen war es wohl auch ihre Fähigkeit, profunde Berater zu finden und politische Gegner auf Distanz zu halten. Einen eindringlichen Appell an die ungarischen Adeligen ließen diese nicht unerhört und leisteten Maria Theresia in ihrer Anfangszeit die dringend notwendige militärische Absicherung. Dem Katholizismus stark verbunden war Maria Theresia jedoch pragmatisch genug, aufklärerische Impulse umzusetzen: Eine Vielzahl an Reformen brachten dem Land Modernität und Konkurrenzfähigkeit.

Um ihre Regierungsleistung bewerten zu können, darf nicht vergessen werden, dass Maria Theresia nicht nur als Ehefrau, Erzherzogin und Königin, sondern auch als Mutter von 16 Kindern eine enorme Belastung zu bewältigen hatte. Den Tod ihres Mannes empfand sie als schweren Schicksalsschlag. Die Zusammenarbeit mit ihrem Sohn, Kaiser Joseph II., war durchaus problematisch. Maria Theresia empfand seine Überzeugungen oftmals als kirchen- und religionsfeindlich. Am 29. November 1780 verstarb Maria Theresia in Wien.


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