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Universalgenie der Renaissance Leonardos Schaffen

Sein berühmtestes Werk ist die Mona Lisa, was aber machte Leonardo da Vincis Schaffen aus?

Stand: 11.02.2019 | Archiv

In Mailand bekommt Leonardo den schwierigsten Auftrag seines Lebens: Herzog Ludovico Sforza wünscht sich ein Reiterstandbild seines Vaters Francesco Sforza.

Das größte Reiterstandbild Europas

Silberstiftzeichnung "Pferd und Reiter"

Mit über sieben Meter Höhe soll es das größte Reiterstandbild werden, das Europa je gesehen hat. Leonardo fertigt zahlreiche anatomische Studien von Pferden in Bewegung an. Sein erster kühner Entwurf sieht vor, dass sich das Pferd dramatisch aufbäumt. Doch diesen Plan muss er verwerfen, er ist zu instabil. Leonardo lässt ein Tonmodell anfertigen und entwirft eine neue Gusstechnik. Das Vorhaben ist so kompliziert, dass Leonardo befürchtet, es niemals zu vollenden. Damit sollte er recht behalten.

Rückkehr nach Florenz

1495 fallen die Franzosen in Italien ein und verändern die politische Landkarte. Im Zuge des französischen Vormarschs verliert Ludovico Sforza 1499 sein Herzogtum und Leonardo da Vinci muss sich einen neuen Auftraggeber suchen.

Leonardo da Vinci - Taucheranzug - Ausstellung in Paris 2012

Er versucht es zunächst in Mantua, dann in Venedig, wo er seine Kriegsmaschinen vorstellt, unter anderem auch einen Taucherzanzug für Unterwasserkämpfe. Als er keine Anstellung erhält kehrt er nach Florenz zurück. Durch die Vermittlung von Freunden bekommt er einen Großauftrag: Er soll ein Wandgemälde im Palazzo Vecchio malen. Dabei trifft er auf seinen persönlichen Widersacher, den Maler Michelangelo Buonarotti (1475-1564), der ebenfalls beauftragt wurde. Leonardo, der keine Gewaltverherrlichungen mag, malt mit der "Anghiarischlacht" die Schrecken des Krieges - seine Skizzen zeigen aufgerissene Münder und erschrockene Gesichter. Als er mit der eigentlichen Arbeit anfängt, hat er Pech. Er plant, die Farben mit Hilfe von Wärme auf den Grund aufzubringen, doch sie platzen wieder ab. Frustriert bricht er die Arbeit ab.

Die "Mona Lisa"

Mona Lisa

Zeitgleich malt Leonardo da Vinci sein berühmtestes Gemälde, das Portrait der "Mona Lisa", das wohl um 1503 entsteht. Mona ist in diesem Fall kein Vorname, sondern die Kurzform von "Madonna", das einfach "Frau" bedeutet. Die meisten Quellen deuten darauf hin, dass es sich bei der Porträtierten um Lisa del Giocondo handelt, die Ehefrau eines Florentiner Tuchhändlers, der auch das Gemälde in Auftrag gegeben haben soll. Das besondere an diesem Gemälde ist, dass das Model den Betrachter direkt ansieht. Bisher zeigten die meisten Porträts der Renaissance den Menschen im Profil. Leonardo wendet bei diesem Porträt mehrere Besonderheiten an: Zum einen die von ihm perfektionierte Sfumato-Technik, die den Hintergrund als neblig erscheinen lässt. Zum anderen malt er die Dame mit einem leichten Silberblick, was zur Folge hat, dass ihr Blick dem Betrachter ständig folgt. Besondere Berühmtheit erlangt das Lächeln der Mona Lisa, das dadurch entsteht, dass ihr Gesichtsausdruck nicht symmetrisch gemalt ist - beide Gesichtshälften strahlen verschiedene Stimmungen aus.

Theorien rund um die "Mona Lisa"

Wer stand wirklich Model für das berühmteste Porträt der Welt? Um diese Frage ranken sich zahlreiche Theorien. Eine davon besagt, dass es sich um Pacifica Brandano gehandelt haben soll, die Geliebte von Giuliano de Medici, der sich ein Gemälde der im Kindbett Verstorbenen für den gemeinsamen Sohn wünschte. Eine andere Theorie besagt, dass es sich gar um das Porträt eines Mannes handelt - um das des Malers Salai, eines Schülers und mutmaßlichen Geliebten Leonardos. Salai ("kleiner Teufel") begleitet seinen Meister fast sein Leben lang, "Mona Lisa" kann auch als Anagramm für "mon Salai" gelesen werden.


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