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Das Thema Kleopatra und Antonius

Stand: 06.09.2013 | Archiv

Statuenfragmente der ägyptischen Königin Kleopatra und des römischen Feldherrn Marcus Antonius | Bild: picture-alliance/dpa

Nach dem Sieg über die Mörder Caesars im Jahr 42 einigen sich Antonius und Octavianus auf die Machtverteilung, den Triumvirn Lepidus entmachten sie. Octavianus erhält die westliche Reichshälfte. Antonius wird Herr des Ostens und befiehlt ein Treffen mit Kleopatra in der Hafenstadt Tarsus. An Bord eines prächtigen Staatsschiffs empfängt sie - angeblich mit Krone und Perlentanga bekleidet - den 40 Jahre alten Militär und Politiker, der ihr sofort verfällt. Es folgen Jahre der Leidenschaft, drei Kinder kommen zur Welt. Wohl unter dem Einfluss Kleopatras entfremdet sich Antonius, der seit dem Jahr 40 mit Octavia, der Schwester des Octavianus verheiratet ist, mehr und mehr der römischen Lebensart. Er präsentiert sich als hellenistischer Gottherrscher, große Teile seines Einflussgebiets, z. B. Armenien, unterstellt er Kleopatra. Diese lässt sich als "Königin der Könige" und Universalgöttin Isis feiern. Ptolemaios Kaisar, der Sohn Caesars, ist ihr Mitregent.

Die Königin der Könige als Feindin Roms

Zwischen Octavianus und Antonius kommt es vermehrt zu Spannungen, ein Machtkampf entbrennt. Wohl wissend, dass sich der einstige Kriegsheld Antonius in Rom nach wie vor großer Beliebtheit erfreut, startet Octavianus eine Kampagne, die sich gezielt gegen Kleopatra richtet. Die Königin wird als gefährliche Gegnerin Roms dargestellt, als Nymphomanin und Verführerin des braven Soldaten Antonius. Octavianus ist der Gegenentwurf, seine Propaganda zeichnet ihn als Bewahrer römischen Wesens, als Mann, der sich nicht "verhexen" lässt und seine verlassene Schwester tröstet. Mit der Dämonisierung Kleopatras wird die öffentliche Meinung im Westteil des Reiches beeinflusst und ein bei den Römern unpopulärer Zwist zwischen zwei Rivalen zum Schicksalskampf gegen die staatsgefährdende Ägypterin verklärt. Als das Testament des Antonius bekannt wird - er will u. a. neben Kleopatra in Alexandria begraben werden - ist für viele Römer das Maß voll. Im Jahr 32 erklärt Octavianus der Königin Kleopatra den Krieg.

Marcus Antonius verhält sich defensiv, schließlich kommt es im Jahr 31 nahe der nordwestgriechischen Küste zur Seeschlacht von Actium. Auch Kleopatra nimmt mit einer kleinen Flotte daran teil. Die schwerfälligen Schiffe des Antonius werden von Admiral Agrippa ausmanövriert und besiegt. Kleopatra durchbricht die feindlichen Linien und flieht aufs offene Meer. Antonius folgt ihr und ruiniert seinen Ruf endgültig - er gilt nun als Befehlshaber, der seine Männer im Stich ließ. Sie eilen nach Alexandria, um noch vor dem Eintreffen der Nachricht von der Niederlage an Land zu gehen. Obwohl Kleopatra Tempelbesitz konfisziert, um die Streitkräfte wieder aufzurüsten, nehmen die Desertionen zu, ganze Truppenteile wechseln ins Lager des Gegners. Der vorsichtige Octavianus lässt sich mit seinem Vormarsch Zeit. Antonius und Kleopatra bleibt ein Jahr, um zuzusehen, wie ihr Reich dem Untergang entgegentaumelt. Sie feiern Feste, um das nahende Ende zu verdrängen.

Kleopatras Tod

Am 1. August 30 dringen die Truppen des Octavianus in Alexandria ein. Antonius bricht den aussichtslosen Kampf ab und begeht Selbstmord. Der Sieger gestattet eine aufwendige Begräbnisfeier für Antonius. Aus Angst um ihre Kinder schreckt Kleopatra vor einem Suizid zurück. Am 8. August wird sie von Octavianus empfangen. Über das Treffen liefern antike Historiker verschiedene Darstellungen. Vielleicht hofft die Königin auf ihre erotische Ausstrahlung, doch bei Caesars Großneffen beißt sie auf Granit. In seinen Weltherrschaftsphantasien hat sie keinen Platz. Er betrachtet sie eher als Beute, als Höhepunkt seines Triumphzuges in Rom. Um den 10. August besucht sie ein letztes Mal das Grab des Antonius und begeht Selbstmord. Berichte, sie habe sich mittels Kobrabiss getötet, gehen wohl auf Propagandaaktivitäten des Octavianus zurück. Die Uräusschlange ist das Schutztier der Pharaonen und da passt es nur zu gut ins Bild, dass es sich gegen die verhasste Kleopatra wendet. Auch Ptolemäus Kaisar muss sterben - Octavianus lässt keinen Zweifel daran, dass er der Erbe Caesars ist. Im Jahr 29 feiert er seinen Triumph, präsentiert sich als Wiederhersteller der Republik und führt unter dem Deckmantel des Prinzipats die Monarchie ein. Ägypten wird römische Provinz, der Ausplünderung steht nun nichts mehr im Wege.


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