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Der erste weibliche Pharao Die Pharaonin

Stand: 05.04.2013 | Archiv

Kopf einer Monumental-Statue der Hatschepsut aus Rosengranit | Bild: picture-alliance/dpa

Hatschepsuts ungewöhnliche Thronbesteigung bedurfte einer besonderen Legitimierung. Erstmals bei einer solchen Zeremonie griff der Gott Amun aktiv in das Staatsgeschehen ein und legitimiert damit die Thronbesteigung.

Die Krönungszeremonie

Wie muss man sich den realen Ablauf vorstellen? Priester tragen auf ihren Schultern das Kultbild des Amun - verborgen, in einem verhüllten Schrein ruhend. Die Prozession nähert sich dem Palast, Hatschepsut tritt heraus und wirft sich vor der Götterbarke nieder. Sie spricht den Gott direkt an: "Du, mein Vater, der alles Seiende ersinnt" und versichert ihm ihre Ergebenheit. Anschließend wird sie in das Sanktuar der Maat geleitet und erhält die dort aufbewahrten Insignien der Gottesgemahlin. Amun verheißt ihr die königlichen Insignien und erinnert sie an ihre göttlichen Pflichten. Es folgt eine Prozession durch die Menschenmenge bevor sich die Prozession wieder dem Palast nähert, in dessen Inneren die Krönungszeremonie stattfindet. Sie empfängt die Kronen von Ober- und Unterägypten und ihre Königstitulatur wird festgelegt. Schließlich folgt eine letzte Prozession zum Amun-Tempel und ein großes Dankesopfer an den Gott. Nun hat Hatschepsut das Wort. Sie beschreibt ihre Stellung als König, die sich mit nichts in der Vorzeit vergleichen ließe. Dann berichtet sie von einem Amun-Orakel im Temple von Luxor, in dem ihr des Königtum beider Länder verkündet wurde. Nun herrschen zwei Könige parallel in Ägypten: Thutmosis III. und Hatschepsut.

Die Legende um Hatschepsuts Geburt

Nach ihrer Thronbesteigung fertigt Hatschepsut retrospektiv drei Inschriften an, die man heute als "Legenden" bezeichnet. Eine davon ist die Legende um ihre halbgöttliche Abstammung, die an den Wänden ihres Totentempels in Deir el-Bahari erzählt wird. Nach dieser verliebt sich der Gott Amun in die irdische Königin Ahmose und möchte zum Vater ihres Kindes werden. Er nähert sich ihr in der Gestalt ihres Mannes Thutmosis I. und erzählt ihr, dass er sie auserwählt habe, seine Tochter, die zukünftige Königin von Ägypten, zu empfangen. Und mit Hilfe von Göttinnen bringt Ahmose neun Monate später dieses Kind zur Welt: Hatschepsut. 

Die Darstellung Hatschepsuts als Pharao

Zu Beginn ihrer Regentschaft ließ Hatschepsut sich noch sehr weiblich darstellen. Doch als Pharao muss sie ein neues Bild finden, das ihre neue Position betont und sie von einer Königsgemahlin abgrenzt. Zwei sitzende Kalksteinstatuen aus Deir el-Bahari zeigen sie in dieser Kleidung. Hatschepsut trägt den traditionellen Kopfschmuck und den Schurz, hat aber ein rundliches, bartloses Gesicht und einen weiblichen Körper mit Brüsten und Taille. Die aus späteren Jahren ihrer Regierungszeit stammenden Reliefs zeigen sie ausschließlich als maskulinen Pharao in Männerkleidung, mit männlichen Insignien und männlichen Ritualen. Nur der Text wechselt noch zwischen männlicher und weiblicher Form. Trotz aller Ähnlichkeit zu den Gesichtern anderer Herrscher zeigt Hatschepsut einige charakteristische Merkmale. Dazu gehört die Herzform ihres Gesichts, das sehr kleine, kugelige, zurückspringende Kinn und die rundlichen Wangen.


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