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Der erste weibliche Pharao Das Geheimnis um ihre Mumie

Stand: 05.04.2013 | Archiv

Mumie mit rotem Haar der Hatschepsut. | Bild: picture-alliance/dpa

Passend zu dem Versuch, Hatschepsut aus allen Aufzeichnungen zu tilgen, ist auch die Tatsache, dass ihre Mumie lange Zeit nicht aufzufinden war.

Die Mumie bleibt verschollen

Man stieß lediglich auf einen Zahn Hatschepsuts, der in einer Holzkiste in ihrem prächtigen Totentempel gefunden wurde, sowie auf einige mumifizierte Organe, die als Grabbeigaben gedient hatten. Im Jahre 2006 unternahmen Archäologen einen erneuten Versuch und untersuchten mit Hilfe moderner Labormethoden wie DNA-Analyse und Computertomographie alle weiblichen Mumien im Museum von Kairo. Man konnte Hatschepsut aber nicht finden. Schließlich erinnerte man sich daran, dass es im Tal der Könige ein Privatgrab von Hatschepsuts Amme Sat-Re gab, in dem einst eine Mumie unbeachtet zurückgelassen worden war. Diese holte man schließlich nach Kairo zur Untersuchung. 

Die Identifizierung von Hatschepsuts Mumie

Hatschepsuts Mumie

Im Juni 2007 konnte man schließlich mit einem sensationellen Ergebnis aufwarten: Die DNA-Analyse des Gewebes der Mumie aus dem Ammen-Grab ergab, dass die Tote mit Hatschepsuts Vater Thutmosis I., ihrem Halbbruder Thutmosis II. und ihrem Neffen/Stiefsohn Thutmosis III. verwandt sein musste. Und Ergebnisse der Computer-Tomografie belegen zweifelsfrei, dass der Zahn aus Hatschepsuts Holzkiste genau in die Zahnlücke der Mumie passt. Damit stand fest: Man hatte die verschollene Mumie Hatschepsuts gefunden!

Mit dem Fund der Mumie konnte endgültig bewiesen werden, dass Hatschepsut nicht ermordet worden war - wie einige Forscher vermuteten - sondern dass sie auf natürliche Art und Weise gestorben war. Als Todesursache wird eine Krankheit vermutet, Krebs oder Diabetes. Schon als man die Mumie Anfang des 20. Jahrhunderts fand fiel den Forschern der aufgedunsene Leib auf. Wir müssen davon ausgehen, dass Hatschepsut gen Ende ihres Lebens sehr krank gewesen ist.

Die kranke Haut der Hatschepsut

Das Flakon der Pharaonin Hatschepsut

Vor kurzem konnte man anhand von wissenschaftlichen Untersuchungen ein weiteres Detail zur Biografie von Hatschepsut hinzufügen. Im Ägyptischen Museum in Bonn lagerte lange Zeit ein Flakon, dessen Aufschrift auf Hatschepsut hinweist. Untersuchungen ergaben, dass nicht nur der Lehmverschluss noch intakt war, sondern man entdeckte auch Reste einer eingetrockneten Substanz. Eigentlich vermutete man, auf das Parfüm gestoßen zu sein, dass die mächtigste Frau ihrer Zeit verwendete. Doch die Untersuchungen kamen zu einem ganz anderen Schluss: Die Wissenschaftler fanden große Mengen an Palm- und Muskatöl, viele ungesättigte Fettsäuren und reichlich Kohlenwasserstoffe, die aus Teer und Bitumen stammen. Man hatte also nicht den Duft der Hatschepsut gefunden sondern ihre medizinische Creme gegen Hautkrankheiten. Denn auch heute noch werden chronische Hautkrankheiten mit teerhaltigen Cremes behandelt. Bei Schuppenflechte hemmt der Stoff die übertriebene Zellteilung, wirkt entzündungshemmend und lindert den Juckreiz. Tierversuche haben jedoch ergeben, dass teerhaltige Cremes bei dauerhaftem Einsatz krebserregend wirken können, weshalb 1997 Teer in Kosmetika verboten wurde. Wir können also die Vermutung anstellen, dass Hatschepsut unter einer chronischen Hautkrankheit litt, eventuell unter Schuppenflechte. Kombiniert mit dem Zustand ihrer Mumie kann nicht ausgeschlossen werden, dass es möglicherweise diese Creme war, die Krebs bei ihr auslöste und ihr den Tod brachte.


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