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Thema 1968

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Das Ausnahmejahr

Von: Volker Eklkofer / Sendung: Michael Zametzer

Stand: 09.04.2018 | Archiv

Schwere Studentenproteste gegen die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in Frankfurt (22.9.1968) | Bild: picture-alliance/dpa
GeschichteMS, RS, Gy

Sie brechen mit einer Kultur des Gehorsams, rütteln an der bestehenden Ordnung, denken antiautoritär und träumen von Veränderungen im großen Stil. Rebellische Jugendliche fordern 1968 eine "andere" Gesellschaft.

1968 ist ein besonderes Jahr. In den USA, in der Bundesrepublik Deutschland, in Frankreich und Italien - allesamt liberale Demokratien - kommt es zu lautstarken Jugendprotesten. Selbst in Japan begehren Studenten auf. Dann schwappt die Welle über den Eisernen Vorhang. In Polen, der CSSR und der DDR werden Forderungen nach Freiheit und Demokratie laut.

In der Kritik an den bestehenden politischen Systemen, am Kapitalismus, am Realsozialismus und am Kolonialismus ähneln sich die jeweiligen Bewegungen, von denen jede - abhängig von Nation und Kultur - jedoch eine besondere Ausprägung hat. Eines aber verbindet die Revoluzzer in Ost und West: Sie wenden sich gegen Autoritäten und stellen staatliche Institutionen infrage.

In Westdeutschland wird die 68er-Revolte von Studierenden getragen, ihr Protest richtet sich gegen den Vietnam-Krieg, gegen Missstände an den Universitäten und die Notstandsgesetzgebung der seit 1966 regierenden Großen Koalition. Die Elterngeneration ist irritiert, es mangelt ihr an Diskussionsbereitschaft.

Außenstehenden mag die 68er-Bewegung damals als monolithischer Block erscheinen, tatsächlich ist sie zu keiner Zeit homogen. Radikale Aktivisten fordern den Umsturz, andere 68er wollen an der demokratisch verfassten Gesellschaft festhalten. Als sich die Proteste steigern, bringt Staatsgewalt Gegengewalt hervor. Ende 1968 setzt schließlich der Zerfall der 68er-Bewegung ein.

Zukünftiger Weg

Gegen die Verhaftung von "Spiegel" - Redakteuren demonstriert am 30. Oktober 1962 eine Gruppe von Studenten vor der Frankfurter Hauptwache mit einem Sitzstreik | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht 1968 Die Bundesrepublik in den 1960er Jahren

Wiederaufbau und "Wirtschaftswunder" lassen in Westdeutschland eine Wohlstands- und Konsumgesellschaft entstehen. Nun steht der zukünftige Weg der BRD zur Debatte. Die Jugend will dabei mitreden. [mehr]

Mobilmachung

Abtransport des Studenten Benno Ohnesorg, der bei einer Demonstration anläßlich des Berlin-Besuchs des Persischen Kaiserpaares von einem Polizisten erschossen wurde (2.6.1967) | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht 1968 Die Außerparlamentarische Opposition

Gesellschaftliche Diskussionen, Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg und der Streit um Reformen an Universitäten nehmen 1966/67 an Schärfe zu. Die APO stellt die herrschende politische Praxis zunehmend infrage. [mehr]

Die Lage eskaliert

Tausende von Studenten demonstrieren auf der Kennedybrücke in Bonn gegen die Abschaffung der Notstandsgesetzt (11.5.1968) | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht 1968 Gewalt und Gegengewalt

Die geplante Notstandsgesetzgebung der Bundesrepublik bringt das Fass zum Überlaufen, die Studentenrevolte weitet sich aus. Auf dem Siedepunkt der Auseinandersetzung kommt es zu Toten und Verletzten. [mehr]

Zerfallserscheinungen

Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr sichten den Schaden in der ausgebrannten vierten Etage des Frankfurter "Kaufhof". Sprengpatronen verursachten den Brand am 3.4.1968 | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht 1968 1968 ist "68" vorbei

Kaum sind die Notstandsgesetze beschlossen, zerbröselt die stets heterogene 68er-Bewegung in eine Vielzahl konkurrierender Gruppierungen. Vor allem der Partei der Grünen gelingt es, die westdeutsche Gesellschaft zu beeinflussen. [mehr]

Die 68er-Bewegung

Demonstranten versuchen Willy Brandt und Herbert Wehner am Betreten der Meistersingerhalle in Nürnberg zu hindern,  wo der Parteitag der SPD stattfindet (17.3.1968) | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht 1968 Pro und Contra

"Seid realistisch - verlangt das Unmögliche" - Bescheidenheit ist nicht eben eine Zier der 68er. Der umfassende Wandel von Staat und Gesellschaft ist fast eine Mindestforderung. Doch was haben Dutschke & Co. tatsächlich geleistet? [mehr]

Das Warten

Bettina Wegner, ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin, Liedermacherin und Lyrikerin bei einem Konzert 1989 | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht 1968 Hoffnungen im Osten

"Sozialismus mit menschlichem Antlitz" - Demokratisierungsversuche tschechoslowakischer Reformkommunisten elektrisieren 1968 zahlreiche DDR-Bürger. Als sowjetische Panzer den "Prager Frühling" beenden, ist die Enttäuschung groß. [mehr]

Hätten Sie's gewussst?

Quiz - Fragezeichen | Bild: colourbox.com zur Übersicht 1968 Testen Sie Ihr Wissen!

Gesellschaftliche Normen und tradierte Wertvorstellungen bedeuten Teilen der APO-Protestbewegung 1968 nur wenig. Sie wollen das politische System verändern und neue individuelle Lebensformen erproben. [mehr]

Audio

Rennende Demonstranten bei einer Demo gegen den Vietnam-Krieg 1969 in Frankfurt am Main | Bild: picture-alliance/dpa zum Audio 1968 Das Ausnahmejahr

"1968" hat einer ganzen Generation ein Etikett verpasst, das sie nie wieder losgeworden ist: Die "68er" gelten bis heute als Generation der Revolte, des Aufbegehrens gegen den Muff der Nachkriegsjahre. (BR 2018) Autor: Michael Zametzer [mehr]


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