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Download-Service Einsatz im Unterricht

Stand: 14.05.2014 | Archiv

Anmerkung

Ein Punkt, der eventuell gleich eingangs mit der Klasse zu klären ist und das Verständnis erleichtert: In der deutschen Literatur zu Epikur und in dessen Übersetzungen wird oft der Begriff der "Unlust" verwendet. Dies kann missverständlich sein, da im Zusammenhang mit Epikurs Denken nicht die gängigere Bedeutung im Sinne von Abneigung, Widerwillen oder Missmut gemeint ist. Vielmehr umfasst Unlust hier das Begriffsfeld von Schmerz, Trauer, Angst und Niedergeschlagenheit.

Einsatz im Unterricht

Hinführung zum Thema: Als Einstieg soll die Klasse Vermutungen zu den Begriffen "Hedonismus", "Egoismus", "Dekadenz" und "Epikureertum" anstellen: Wer kann bereits etwas mit diesen Begriffen anfangen? Was bedeuten sie, und in welchen Zusammenhang kann man sie bringen? Ziel an dieser Stelle ist zunächst, gemeinsam zu erkennen, dass die Begriffe Egoismus und Dekadenz noch recht einfach zu definieren sind, Hedonismus und Epikureertum hingegen sowohl abwertend belegt als auch schwieriger zu fassen sind. Der Grund ist: Dies sind philosophische Konzepte. Anschließend bietet sich der Einstieg ins Thema mit gemeinsamem Hören von Ausschnitt 1 an. Hier kann ein Diskussionseinschnitt dem Lustprinzip Fragen entgegenstellen: Ist Epikurs Begründung bis hierher plausibel? Was spricht dagegen, sein Leben nur an der Lust zu orientieren? Nach gemeinsamem Hören von Ausschnitt 2 kann die Klasse auf Arbeitsblatt 1 die nun differenziertere Sichtweise der menschlichen Bedürfnisse durch Epikur erfassen. Ein abrundendes Fazit bietet das gemeinsame Hören und anschließende Besprechen von Ausschnitt 3. Auf Arbeitsblatt 2 kann man nun erörtern, wie man mit seinen Bedürfnissen - und dem, was diesen im Weg steht - laut Epikur umzugehen habe. Als auflockernder Abschluss dient ein Arbeitsblatt 3 mit einem Kreuzworträtsel, das die neuen Begriffe und Zusammenhänge festigt.

Nacharbeit

Nachbearbeitung - Besinnungsfrage: Wie würde ein Epikureer heutzutage sein Leben in Deutschland gestalten?
- Wie hielte er es mit den Medien? Lieber aufs Internet verzichten oder alle Möglichkeiten zur Pflege der Freundschaften nutzen?
- Wie sieht es mit politischem Engagement aus? Unterscheidet sich unser gesellschaftliches System so vom damaligen in Griechenland, dass sich ein Epikureer nun doch einmischen sollte? Würde er zur Wahl gehen?
- Würde er einen Beruf wählen? Wenn ja: welchen?
- Kennst Du Menschen, vielleicht auch Prominente, die so leben?
- Ist es heute einfacher oder schwieriger, im Sinne Epikurs sein Leben zu gestalten?

Lehrplanbezug

Lehrplan für das bayerische Gymnasium
Fächer: Ethik, Griechisch, Latein (auch möglich: Religion)
Ab 9. Schuljahr, empfohlen für 11./12.
Der Lateinunterricht (11.1: "Vitae philosophia dux - philosophische Haltungen") liefert einen … Überblick über die grundlegenden philosophischen Richtungen der Antike, ihre Fragestellungen und ihre wichtigsten Vertreter. ... Der erste Themenblock der Jahrgangsstufe 11 bietet den Schülern die Möglichkeit, ihre im Vorjahr erworbenen philosophischen Kenntnisse zu festigen und zu erweitern, so dass sie einen nachhaltigen Einblick in die Bedeutung der antiken Philosophie für das Abendland gewinnen. Zugleich werden mit der Kenntnis von Stoa und Epikureismus die Verständnisgrundlagen für die folgenden Themenbereiche gelegt. ...
Meist findet der Epikureismus bei der Lukrez- oder Seneca-Lektüre als Gegenpol zur Stoa Erwähnung.
Im Fach Griechisch (11.3 "Spannungen und Sein") kommt das Fortwirken der vorsokratoischen Atomismustheorien über Demokrit bei Epikur zur Sprache. Da im Sprachenunterricht das Verständnis und die Analyse der Texte im Mittelpunkt stehen, widmen sich die folgenden Empfehlungen zur Unterrichtsgestaltung allerdings in erster Linie dem Einsatz im Ethikunterricht:
Ethik (12.2: "Sinnorientierung und Lebensgestaltung"; 12.2.1: Glücksvorstellungen"): ... Auf der Basis eigener Erfahrungen und Beobachtungen setzen sich die Schüler mit wesentlichen philosophischen Glücksvorstellungen aus der Antike und Ergebnissen der neueren empirischen Glücksforschung auseinander. Sie vergleichen, welche Rolle die Begriffe Glück und Lust (hedone) in den Konzepten des Aristoteles, des Epikur und der Stoiker spielen. ...


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