Bayern 2 - radioWissen


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Download-Service Einsatz im Unterricht

Stand: 30.07.2014 | Archiv

Vorarbeit

Lernziele: Besitz und Eigentum sind widersprüchlich besetzte Begriffe. Einerseits ist das Streben nach Besitz ein wesentlicher Pfeiler unserer politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnung. Der Konsum von Waren und Dienstleistungen ist ein Motor unseres Wohlstands, treibt die Wirtschaft und neue Entwicklungen voran, bedeutet Komfort, Genuss und ein positives Selbstgefühl. Andererseits schafft die Gier, immer mehr zu haben, auch erhebliche Probleme. Die Massenproduktion schnelllebiger Güter produziert immense Abfallmengen, verbraucht kostbare Ressourcen und schädigt die Umwelt. Dazu kommen erhebliche psychosoziale Gefahren durch das Problem der Statussicherung, durch Verlustängste, überzogenes Anspruchsdenken und Überschuldung bis hin zu krankhafter Kaufsucht.
Die Radiosendung beleuchtet die unterschiedlichen Facetten der komplexen Thematik aus gesellschaftlicher, psychologischer und ethischer Perspektive. Die Konfrontation mit konsumkritischen und konsumbejahenden Positionen fordert die Schülerinnen und Schüler dazu auf, die Bedeutung des Besitzens für die Gesellschaft und das eigene Leben zu hinterfragen. Sie begreifen, dass Haben und Sein keine unversöhnlichen Gegensätze sind, sondern ein Auftrag, das jeweils rechte, gesunde Maß in Rahmen eines reflektierten, verantwortungsbewussten Konsumverhaltens zu finden.

Die Sendung im Unterricht

Einstieg / Motivierung: Zum Einstieg präsentiert die Lehrkraft zwei Evangelienabschnitte, die den Widerspruch zwischen Besitzstreben und Daseinserfüllung thematisieren. Alternativ können zwei Schüler je einen der beiden Texte vortragen.
Impuls 1:
"Einer von den führenden Männern fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte: Alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Als Jesus das hörte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Verkauf alles, was du hast, verteil das Geld an die Armen und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber wurde sehr traurig, als er das hörte; denn er war überaus reich. Jesus sah ihn an und sagte: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Die Leute, die das hörten, fragten: Wer kann dann noch gerettet werden? Er erwiderte: Was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich. Da sagte Petrus: Du weißt, wir haben unser Eigentum verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Jeder, der um des Reiches Gottes willen Haus oder Frau, Brüder, Eltern oder Kinder verlassen hat, wird dafür schon in dieser Zeit das Vielfache erhalten und in der kommenden Welt das ewige Leben. (Lk 18, 18-30).
Impuls 2:
"Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. (…) Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon" (Mt 6, 19-24).

Nach dem Vorlesen arbeiten die Schülerinnen und Schüler im Klassengespräch heraus, was Jesus von allen erwartet, die das Himmelreich erstreben. Als Ergebnis sollte festgehalten werden, dass sich der Drang nach irdischem Besitz und das Erlangen himmlischer Seligkeit aus christlicher Perspektive anscheinend fundamental widersprechen.

Hinführung zum Thema: Die Schülerinnen und Schüler werden nun aufgefordert, ihre Einstellung zur evangelisch gebotenen Besitzlosigkeit und zum eigenen Konsumverhalten zu formulieren. Mögliche Fragen: "Das ist eine klare, knallharte Aussage, was denkt ihr darüber? Könnt ihr euch vorstellen, warum sich Besitz und Himmelreich ausschließen sollen? Könnt ihr euch vorstellen, auf alles oder einen großen Teil eures Eigentums zu verzichten? Was bedeuten euch die Dinge, die ihr besitzt? Sind sie wirklich wichtig, oder könntet ihr euch davon trennen?" Zum Abschluss der Einstiegsphase kann die Klasse Arbeitsblatt 1 "Kassensturz: Wichtige, weniger wichtige und überflüssige Dinge, die mir gehören" bearbeiten. Die Schülerinnen und Schüler ziehen Bilanz über ihren persönlichen Besitz und Konsum. Sie überprüfen, wie wichtig ihnen die einzelnen materiellen oder auch immateriellen Besitztümer sind.

Hören

Nachdem die Schülerinnen und Schüler das Arbeitsblatt ausgefüllt haben, bereitet die Lehrkraft das Hören der Sendung vor. Mögliche Überleitungen: "Wir alle besitzen viele Dinge, aber wie viele davon brauchen wir wirklich? Warum ist es uns das Haben so wichtig? Macht es uns wirklich glücklich oder verdeckt es tiefere Sehnsüchte? Könnten wir auch mit weniger auskommen? Könnten wir mehr teilen statt besitzen, und dadurch besser leben? Die Radiosendung, die wir uns jetzt gleich anhören, geht genau diesen Fragen nach." Die Audioclips können zur Motivation und thematischen Strukturierung des Unterrichtsgesprächs oder als Ergänzung der Arbeitsblätter eingesetzt werden.

Nacharbeit

Nachbearbeitung: Die Arbeitsblätter und Arbeitsaufgaben dienen der Festigung des im Radiobeitrag vermittelten Wissens und der Vertiefung aufgeworfener Fragen. Arbeitsblatt 2 "Besitz, Identität und Status: Was mir gehört, was zu mir gehört und was mich macht". Das Arbeitsblatt vergleicht die juristische, psychologische und soziologische Auffassung von Besitz und Eigentum. Im Vordergrund stehen dabei die Rolle des Habens als Teil der menschlichen Identität und die Bedeutung der Status-Definition. Arbeitsblatt 3 "Teilen statt Haben oder Wegwerfen: Nur ein Strohfeuer oder ein echtes Zukunftsmodell?" Das Arbeitsblatt bündelt wichtige Share- und Tauschinitiativen. In einem zweiten Arbeitsschritt setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Vor-und Nachteilen des Share- und Tauschgedankens auseinander.

Lehrplanbezug

Lehrplan für die bayerische Mittelschule
8. Jahrgangsstufe
Ethik, 8.1 Im Leben einen Sinn erkennen – dem Leben Sinn geben; 8.1.1 Was Jugendlichen wichtig ist: Persönliche Lebensziele, z.B. Glück, befriedigende Arbeit, materielle Sicherheit
Evangelische Religionslehre, 8.2 Suche nach Sinn - Sehnsucht nach Leben; 8.2.1 Was Jugendlichen wichtig ist; 8.4 Bewusster leben - Zeit haben für sich und andere; 8.4.1 Zeit haben - fremdbestimmte und verfügbare Zeit: Gewohnheiten wie Fernsehen, Computerspielen, Chatten, "Rumhängen" usw.
Katholische Religionslehre, 8.1 Sehnsucht nach Leben - Sinn suchen; 8.1.1 Die Sehnsucht ist groß - was Jugendlichen wichtig ist: Lebensformen Jugendlicher und ihre Sehnsüchte
9. Jahrgangsstufe
Evangelische Religionslehre, 9.5.1 Arm und Reich - Ungerechtigkeiten in unserer Welt: Gesichter des Reichtums (z. B. sich vieles leisten können), unser Umgang mit Reichtum (z. B. Anspruchsdenken, unreflektiertes Konsumverhalten)
Ethik, 9.2.2 Sinnvoller Umgang mit Freizeit: Über das eigene Freizeitverhalten berichten

Lehrplan für die bayerische Realschule
9. Jahrgangsstufe
Evangelische Religionslehre, 9.4 Meine Lebenswünsche und Ziele: Konsumverhalten
Sozialwesen, 9.2 Soziale Aspekte der Arbeitswelt, Wechselwirkungen zwischen der Arbeitswelt, dem Einzelnen und der Gesellschaft: Beruf, sozialer Status und Statussymbole

Lehrplan für das bayerische Gymnasium
8. Jahrgangsstufe
Ethik, 8.1 Wege zur Sinnfindung im Alltag: Konventionelle Antworten auf die Sinnfrage wie Wohlstand, Vergnügen ("Erlebnisgesellschaft"), Anerkennung, privates Glück, Liebe
Sozialkunde, 8.2 Jugendliche Lebenswelten: Einstellungen, Verhaltensweisen und Erwartungen Jugendlicher, Vorstellungen von der eigenen Zukunft, Kinder und Jugendliche als Adressaten von Werbung, Konsumverhalten
9. Jahrgangsstufe
Wirtschaft und Recht, 9.2.1 Unternehmen und private Haushalte auf dem Markt: Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage auf dem Markt
10. Jahrgangsstufe
Evangelische Religionslehre, 10.5 Tun und Lassen: Ein ethisches Problemfeld aus dem Alltag erschließen, Sachanalyse eines ethischen Konfliktfalls aus dem alltäglichen Bereich, z. B. Raubkopien, Auswirkungen von Lebensstil, Erziehung, Gewohnheiten auf Tun und Lassen
Katholische Religionslehre, 10.4 Zur inneren Mitte finden – Sinnerfahrung und christliches Handeln: Erlebnis, Leistung, Konsum - reicht das? Sehnsucht nach Geborgenheit und Glück, Erfahrungen wie Langeweile, Orientierungslosigkeit, Angst; daraus sich ergebende Fragen nach dem Sinn des Daseins
11. Jahrgangsstufe
Ethik, 11.2.1 Psychologie und Soziologie: Sozialisation, Status, Rolle, Gruppen- und Schichtenzugehörigkeit als Bestimmungsgrößen für menschliches Verhalten


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