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Das Thema Das Leben des William Shakespeare

Stand: 16.04.2014 | Archiv

William Shakespeare | Bild: picture-alliance/dpa

Shakespeare ist einer der wichtigsten und berühmtesten Dramatiker der Weltliteratur. Allerdings ist von ihm kein einziges Manuskript erhalten. Seine Stücke liegen ausschließlich in gedruckter Form vor. Diese Tatsache hat zu mancherlei Spekulation Anlass gegeben - zum Beispiel über die wahre Autorenschaft seiner Werke. Auch die lückenhafte Vita lässt reichlich Raum für die wildesten Vermutungen hinsichtlich der wahren Identität Shakespeares. So heißt es mitunter etwa, er sei Spion oder Propagandaminister gewesen.

"Verlorene Jahre"

Vor allem die sieben Jahre, die zwischen dem Verlassen seines Geburtsorts Stratford-upon-Avon 1586 und der ersten Erwähnung von Auftritten in London liegen, gelten in der Forschung als "the lost years". Bald nach der Geburt seiner drei Kinder verlässt der junge Shakespeare seine acht Jahre ältere Ehefrau Anne Hatheway. Experten vermuten, dass ihm die Verantwortung für die Familie über den Kopf wuchs und er sich möglicherweise einer der durch das Land ziehenden Schauspieltruppen anschloss. Gesicherte Belege gibt es aber erst wieder für das Jahr 1592. Da tritt er erstmals als Autor seiner Historientrilogie Henry VI in Erscheinung. 1593 wird er Teilhaber, Schauspieler und Stückeschreiber der berühmten Theatergruppe, die sich "Lord Chamberlain’s Men" nennen.

Königsmänner

Vierzigmal spielte die Gruppe am Hof von Königin Elisabeth und hundertdreißigmal am Hof ihres Nachfolgers König Jakob des Ersten. Dieser übernahm die Truppe nach dem Tod Lord Chamberlains, des Lordkämmerers, 1603. Danach nannten sie sich "King's Men" - die Männer des Königs. Leider gab er der Truppe nur den Namen, aber keine finanzielle Unterstützung. Die Theater zu jener Zeit wurden rein privatwirtschaftlich betrieben und mussten sich selbst tragen - das heißt durch die Eintrittsgelder: Die einfachen Leute zahlten einen Penny für einen Stehplatz. Jede der zahlreichen Schauspieltruppen stand unter dem Patronat eines Adligen oder der Krone.

Diese Abhängigkeit wäre Shakespeare und Co. beinahe zum Verhängnis geworden. Denn auf Druck ihrer adligen Förderer Lord Monteagle und Earl of Essex setzten sie ein politisch sehr heikles Stück auf den Spielplan ihres Globe Theaters. Shakespeares Historiendrama Richard II war deshalb so brisant, weil es von der Absetzung des Königs durch einen Verräter handelt. Den Earl of Essex hat das später buchstäblich den Kopf gekostet. Selbst die Schauspieler gerieten dadurch politisch unter Druck.

Geliebt, gehasst ...

Aber der junge Autor machte seinem Namen als "Speerschwinger" (Shake-Speare) weiter alle Ehre. Mit spitzer Feder greift er brisante aktuelle Themen auf und kleidet sie wortgewaltig in die historischen Gewänder seiner Dramen. Dabei zieht er sich natürlich auch den Neid seiner Schriftstellerrivalen wie Robert Greene und Ben Jonson zu. Der eine nennt ihn "vorlaute Krähe" und Bühnenerschütterer "Shake-Scene". Der andere lässt einen Clown in einem seiner Stücke auftreten, der sich über die 1595 erworbenen "Gentleman"-Würden Shakespeares und dessen Wappen lustig macht. Aber das tut Shakespeares Karriere keinen Abbruch. Der schreibt ein erfolgreiches Stück nach dem anderen: Tragödien, Komödien und Gedichte. Das Volk liebt ihn, am Hof ist er geschätzt.

Als Schauspieler mag Shakespeare nicht allzu bedeutend gewesen sein. Er soll unter anderem den Geist im "Hamlet" und den Pater Lorenzo im "Romeo" gespielt haben, also keine führenden Rollen. Aber als Dramaturg, Regisseur und Dichter war er für die Truppe von größtem Wert. So gelangte er bald zu einigem Wohlstand. Er beauftragte seinen Bruder Gilbert in Stratford Grund und Boden und später auch das schönste Haus im Ort zu kaufen, das "New Place" mit zwei Scheunen, in denen Korn und Malz gelagert wurden.

... und erfolgreich

Dass Shakespeare ein ausgesprochen erfolgreicher Autor und Geschäftsmann war, ist durch Quellen gut belegt. Über sein Privatleben wissen wir hingegen äußerst wenig. Aus seiner Feder stammen zwar einige der schönsten Liebeserklärungen wie in "Romeo und Julia" und gefühlvolle Sonette - über die Adressatinnen gibt es aber nur Vermutungen, seine Ehefrau war es sicher nicht.

Jähes Ende

Als das Globe Theater 1613 mit samt den Kostümen und Manuskripten einem Brand zum Opfer fiel, zog sich Shakespeare von der Bühne zurück und verließ London. In Stratford schrieb er keine Stücke mehr - nur noch sein Testament ist überliefert. Als er am 23. April 1616 - seinem 52. Geburtstag - starb, vermachte er seiner Tochter Susanna seinen ganzen Besitz, Tochter Judith bekam 300 Pfund (ihr Zwillingsbruder Hamnet war bereits mit elf Jahren gestorben), die Armen des Ortes erhielten zehn Pfund und seine Ehefrau Anne bekam ausdrücklich nur das "zweitbeste Bett im Hause".

Im Todesjahr seiner Ehefrau 1623 erschien die erste Folio-Ausgabe seiner Dramen, herausgegeben von seinen Schauspielerkollegen Kemings und Condell. Und an seine Werke sollten wir uns halten, wenn wir etwas über Shakespeare erfahren wollen. Denn auf seinem Grabstein in der Trinity Church von Stratford steht geschrieben, dass derjenige verflucht sei, der versucht Shakespeares Knochen anzutasten. Wahrscheinlich blieb das Grab deswegen bis heute von einer Öffnung verschont.


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