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Visionen mit Hand und Fuß Das Thema

Stand: 21.04.2010 | Archiv

Nachbau der Nautilus | Bild: picture-alliance/dpa

Jules Verne lebte von 1828 bis 1905. Als Sohn des angesehenen Rechtsanwalts Pierre Verne und seiner Frau Sophie – die Mutter stammte aus Reederkreisen - wurde Jules Gabriel als erster Sohn unter fünf Geschwistern in Nantes an der Loire geboren. Seine Kindheit war gutbürgerlich, sozial gut gefedert und glücklich. Sein Vater sah für ihn ebenfalls eine Laufbahn als Rechtsanwalt vor, denn Jules sollte später seine Kanzlei übernehmen. So begann Jules sein Jurastudium 1846 in Nantes und führte es 1848 in der Hauptstadt Paris, die in Revolutionswirren begriffen war, fort. Zwar absolvierte er sein erster und zweites juristisches Examen, widmete sich zum Ärger seines Vaters aber vor allem seinen Lieblingsschriftstellern Hugo, Balzac, Dumas wie früher in seiner Jugend den Autoren Defoe und Wyß. Mit Dumas, dem Jüngeren, war Verne befreundet, von dessen Vater wurde er protegiert. Literatur und Theater erschienen ihm spannender als Jura. Seine Schreibversuche begann er mit Lyrik, Kurzerzählungen und Romanteilen, später schrieb er auch historische Dramen.

1855 hatte er gerade seinen ersten Abenteuerroman "Ein Winter im Eis" fertiggestellt. 1857 heiratete Jules Verne eine Witwe mit zwei Kindern und musste dann, zudem noch ein drittes Kind kam, - neben der Schriftstellerei – seine Familie ernähren und versuchte sich, wenig erfolgreich, als Börsenmakler. Seereisen nach Norwegen und Schottland waren trotzdem möglich, und so erschloss sich Verne die Welt der Seefahrt, was er später in seinen Romanen literarisch verarbeiten konnte. Der Jugendbuchverleger Pierre-Jules Hetzel, den er 1862 kennen lernte, veröffentlichte seinen ersten Science-Fiction Roman "Fünf Wochen im Ballon" und in Folge über zwanzig Jahre lang zahlreiche Beststeller. Die Abenteuer- und Reiseromane mit einer Mischung aus Technik, Reise und Abenteuer war eine neue Gattung von Literatur. Sie begeisterten ein breites Publikum, vor allem auch eine Jugend, die unterhalten werden wollte.

Jules Verne wurde sehr schnell berühmt, seine Romane wurde in viele europäische Sprachen übersetzt. 1869 zog Verne mit seiner Familie von Paris ins ländliche Le Crotoy, einem Fischerort an der Kanalküste und bewohnte dort ein komfortables Haus mit Blick auf den Hafen. An Bord seines Bootes "Saint Michel" schrieb Verne seinen Roman "20.000 Meilen unter dem Meer". Drei Jahre später zieht er mit seiner Familie nach Amiens, wo er in die dortige Akademie aufgenommen und Stadtrat für Kultur wurde. Den erfolgreichen Schriftsteller trafen 1886 mehrere Schicksalsschläge. Sein geistig verwirrter Neffe Gaston schoss ihm in den Fuß und als Folge litt er an der Verletzung sein weiteres Leben. Im gleichen Jahr starb sein Verleger Hetzel, ein Jahr darauf seine Mutter. Trotz gesundheitlicher und auch finanzieller Probleme schrieb Jules Verne weiter, allerdings merkt man an seinen Romanen, wie die Fantasie nachließ und seine Texte schwerer zu lesen waren. Mit 77 Jahren erkrankte Jules Verne an Diabetes und verstarb wenige Wochen später.

Werk von Jules Verne

"Paris im 20.Jahrhundert" war der einzige Roman Jules Verne, der eine literarische Fabel war und deshalb von seinem Verleger Hetzel abgelehnt wurde. Den schrieb Verne 1863, unter anderem über einen Tag im Jahr 1960, an dem viele aus der Pariser Bevölkerung "zu den Stationen der innerstädtischen Eisenbahn" strömten und zum ehemaligen Marsfeld fuhren. Das heute "verjährte" Datum mutet uns merkwürdig an, als ob die Zukunft verspätet sei. Umso merkwürdiger auch deshalb, weil der Roman erst 1994 in Frankreich gedruckt wurde. Es ist das einzige Romanskript Vernes, das tatsächlich von der Zukunft handelte. Dabei gilt Jules Verne allgemein immer als der Zukunftsautor des 19. Jahrhunderts schlechthin. Und das lag daran, dass er exakt und detailgetreu recherchierte wissenschaftliche Erkenntnisse aus Technik, Chemie, Physik, Meeresbiologie, Luftschifffahrt, Seefahrt und Geologie mit seinen literarischen Phantasiebildern vermischte.

Der technische Fortschritt war das "Lieblingsspielzeug" des 19. Jahrhunderts und seines breiten Lesepublikums. So war Verne als Hausautor bei seinem Verleger Hetzel für fantastische Abenteuer- und Reiseromane abonniert. Und darin kamen immer wieder technische Errungenschaften vor, wie die Magnetbahn, die Straßenbeleuchtung, das Gas-Automobil, der Fahrstuhl, das Fax, die Leuchtreklame – oder auch: "Die photographische Telegraphie, erlaubte es überdies, das Faksimile jedes beliebigen Schriftstücks, Handschrift oder Zeichnung, in weiteste Fernen zu schicken und Wechsel oder Verträge über fünftausend Meilen hinweg zu unterzeichnen." Mit seinen Romanen verdiente Hetzel hervorragend, er gründete 1867 die Reihe "Voyages extraordinaires" (außerordentliche Reisen) im großen Format mit herrlichen Illustrationen. Unter seinen zahlreichen Romanen sind die heute noch bekanntesten "In 80 Tagen um die Welt", "Von der Erde zum Mond: Direktflug in 97 Stunden 20 Minuten", "Reise zum Mittelpunkt der Erde", "Kapitän Hatteras" ," Fünf Wochen im Ballon" und "20.000 Meilen unter dem Meer".


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