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Heinrich Heine "Ich befinde mich hundeschlecht"

Heine ist literaturhistorisch nicht einfach einzuordnen. 1797 in Düsseldorf geboren, verfasste er viele seiner Gedichte in der Zeit der Romantik. Sieht man sich zum Beispiel das  Liebesgedicht "Du bist wie eine Blume" aus seiner Feder an, so ist man versucht, ihn als Romantiker einzuordnen. Einen ganz anderen Eindruck erhält man beim Lesen anderer Gedichte, wie etwa "An einen politischen Dichter".

Stand: 03.09.2014 | Archiv

Heinrich Heine | Bild: picture-alliance/dpa

Sarkasmus und Ironie prägen dieses Werk. Zudem wird vor allem Heines politische Seite deutlich, für die er, der Kämpfer für Demokratie, für Freiheit und besonders auch soziale Gerechtigkeit, weitaus bekannter ist. Dafür wurde er – besonders durch den preußischen Staat -  immer wieder angefeindet und auch mit Zensur belegt. Schließlich war selbst eine Gefängnisstrafe nicht mehr auszuschließen. So ging Heine nach Ausbruch der Julirevolution in Frankreich 1831 nach Paris. Dabei hatte er, der, wenn auch nicht mit allzu großem Interesse, Jurisprudenz studiert und sogar längere Zeit unter anderem auf eine einträgliche Anstellung im Staatsdienst gehofft.

Jüdischer Kaufmannssohn

Aber zunächst der Reihe nach: Weder ein Staatsamt noch sein Leben als Dichter waren ihm in die Wiege gelegt worden. Es gilt zwar mittlerweile als gesichert, dass er am 13. Dezember 1797 zur Welt kam, aber zweifelsfrei ist das nicht. Akten über diesen Termin gibt es nicht mehr und er selbst hatte immer die Tendenz, sein Geburtsdatum später – an der Jahrhundertwende – anzugeben. Jedenfalls wuchs er im kaufmännischen Umfeld einer jüdischen Tuchhändlerfamilie auf, die, vom Geist der jüdischen Aufklärung, der Haskala, geprägt, sich assimiliert hatte. Samson und Betty Heine gaben ihrem ältesten von vier Kindern den Namen Harry.

Hätt' er gelernt was Rechtes ...

Er, der schon als Schüler Gedichte schrieb, sollte zunächst eine kaufmännische Laufbahn einschlagen, nachdem er das Lyzeum ohne Abschluss verlassen hatte. Wegen seines mäßigen Interesses für dieses Gebiet scheiterten aber letztlich alle Versuche, hier Fuß zu fassen. So studierte er ab 1819 Jura. 1825 promovierte er dann auch zum Doktor der Rechtswissenschaften. Finanzielle Unterstützung erhielt bei allen seinen Bemühungen durch seinen, im Gegensatz zu seinem Vater, geschäftlich erfolgreichen Onkel Salomon Heine, der jedoch, selbst durch und durch Kaufmann, wenig Verständnis für das schriftstellerische Bemühen seines Neffen hatte. "Hätt' er gelernt was Rechtes, müsst er nicht schreiben Bücher" ist ein gerne zitierter Ausspruch Salomons Heines. Dennoch behielt dieser bis zu seinem Tode im Jahre 1845 die finanzielle Hilfe bei. Kurz vor Abschluss seines Doktorexamens konvertierte Heine zum Christentum und nahm die Vornamen Christian Johannes Heinrich an. Fortan nannte er sich Heinrich Heine. Mit diesem "Entréebillet zur europäischen Kultur" hofft er bessere Karrierechancen in dem von ihm angestrebten Staatsdienst. Diese Pläne scheiterten aber immer wieder, was ihn schließlich veranlasste, das ungesicherte Leben eines freien Schriftstellers zu führen. Nicht nur deshalb bedauerte er später oft seinen Übertritt zum protestantischen Christentum.

Heine wird erfolgreich - als "entlaufener Romantiker"

Der junge Heinrich Heine - der bis zu seiner Namensänderung Harry Heine hieß.

Als Schriftsteller konnte er aber einigen Erfolg verbuchen. Besonders als Lyriker bekam er, der 1821 schon einige Gedichte veröffentlichte, einige Beachtung. Sein bis heute populärstes Gedicht, "Die Loreley", erschien 1824 in der Sammlung "Dreiunddreißig Gedichte". Nachdem er 1826 "Harzreise", einen Reisebericht, veröffentlichte,begann im gleichen Jahr seine bis zu seinem Tode bestehende Zusammenarbeit mit dem Hamburger Verlag Hoffmann und Campe. Die Gedichtssammlung, die seinen Ruhm begründete, das "Buch der Lieder", erschien 1827 bei diesem Verlag. Im Stil der Zeit weisen diese Gedichte gänzlich romantischen Ton auf. Wie wir aber eingangs schon gesehen haben, ist Heine kein Romantiker geblieben. Mit dem romantischen Ton vermischten sich bald Ironie und Sarkasmus. Bald auch wurde das Politische immer stärker, das er geschickt in – stilistisch gesehen - romantische Gedichte einzubauen wusste. Seine ironische Selbstbezeichnung eines "entlaufenen Romantikers" trifft die Sache recht gut. Zwischen 1826 und 1831 veröffentlichte er die "Reisebilder", die sich unter anderem auf eine Reisen nach Italien und England bezogen. In dieser Zeit wurde Heine auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und nach 1830 kann man ihn mit Recht als bekannten europäischen Dichter bezeichnen.

Der europäische Dichter im französischen Exil

1831 verließ er Deutschland aus politischen Gründen und lebte von da an bis zu seinem Tod in Paris, denn 1833 waren alle seine Bücher in Preußen und 1835 im gesamten Deutschen Bund verboten worden. Als Pariser Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung, die Johann Friedrich Cotta, bekannt als Verleger Goethes und Schillers, gehörte, tat sich ihm außerdem ab 1832 für die nächsten Jahre eine willkommene Einkommensquelle auf. Aber schon 1833 machten sich die ersten Anzeichen seiner Erkrankung, die ihn die letzten acht Jahre seines Lebens begleiten sollte, bemerkbar. Dennoch lag noch eine höchst produktive Zeit vor ihm. So veröffentlichte er 1833 seine Artikel für die eben erwähnte Zeitung als Buch unter dem Titel "Französische Zustände". 1834 folgte "Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland", 1836 "Die romantische Schule", 1840 "Der Rabbi von Bacharach", Mitte der 40er Jahre "Atta Troll" und Deutschland ein Wintermärchen", um nur einige zu nennen.

Die letzten Jahre

Das Grab des deutschen Dichters Heinrich Heine auf dem Friedhof am Montmartre, Paris

1841 heiratete er Eugenie Crescentia Mirat, seine "Mathilde", wie er sie gern nannte. Er, der mit Marx und Engels in freundschaftlicher Beziehung stand, nahm sehr sensibel die problematischen sozialen Veränderungen durch die beginnende Industrielle Revolution wahr. Zudem begrüßte er die revolutionären Bewegungen in Europa, die um 1848 herum für mehr Demokratie stritten. Auch die deutsche Märzrevolution fand in ihm zunächst einen Unterstützer. Schon im Nachwort von "Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland" hatte er hellsichtig und geradezu prophetisch die deutschen nationalen Bewegungen kritisiert, die sich nicht – anders als in Frankreich – mit demokratischen Bestrebungen verbanden. Nun enttäuschte ihn, dass die demokratischen Kräfte sich von Anfang an in der Minderheit befanden und ihre Ideen letztlich unterliegen mussten. Im gleichen Jahr brach seine Krankheit endgültig aus und verbannte ihn für den Rest seines Lebens in die "Matratzengruft". Dies hinderte ihn allerdings nicht, die letzten acht Jahre vor seinem Tod weiterhin unerhört dichterisch produktiv zu sein. Am 17. Februar 1856 fand seine Produktivität und sein mit Humor und Ironie ertragenes Leiden ein Ende.


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