Bayern 2 - radioWelt


0

Ende der Welt Zu viel Geld macht auch nicht glücklich

Das Blöde an Bitcoins ist, dass keiner so genau weiß, was sie eigentlich sind. Das Gute an ihnen ist, dass auch Bewohner winziger Apartments Unmengen davon horten könnten, ohne dafür auf Bett und Tisch verzichten zu müssen. Denn Bitcoins brauchen keinen Platz.

Von: Nicole Hirsch

Stand: 12.07.2018

Nicht, dass Ein-Zimmer-Apartment-Bewohner sich Sorgen um ihr vieles Geld machen müssten. Aber die Bankräuber, Drogenbosse und Profifußballer unter uns kennen das leidige Problem: Richtiges echtes Geld zum Anfassen, Münzen und Scheinchen, haben die lästige Eigenschaft, dass sie irgendwo aufbewahrt werden müssen. Wer schon einmal durch Indien gereist ist, weiß, dass das Volumen zentimeterdicker Bündel speckiger Rupien beim Befüllen des Reiserucksacks unbedingt berücksichtigt werden sollte. Außer einem Räucherstäbchen hat da nicht mehr viel Platz.

Um Bargeld zu bunkern, zu verstecken oder zu transportieren, haben sich Sparer schon immer viel einfallen lassen. Legendär: Dagobert Duck, entrückt lächelnd in seinem Goldspeicher badend. Niedlich: Oma Resi, Zwanzigmark-Scheine in der Kaffee-Hag-Dose auf der Küchenkommode hortend. Bekloppt: Wir, mit dem Girokonto bei der örtlichen Sparkasse. Oder, wie im aktuellen Fall: Der Iran mit seinem Konto bei der Eihbank in Hamburg. Der Wüstenstaat hat da einen Haufen Geld rumliegen, und jetzt, da der Iran Angst haben muss, dass ihm das wahre Bare wegen Trump und geplatztem Atom-Deal und Sanktionen und so weiter entgleitet, will er es schnell ins eigene Land zurückschaffen.

Es geht um 300 Millionen Euro, in bar! Dass die in keine Kaffee-Haag-Dose passen, ist klar. Wir sprechen von 700 Kilogramm harter Devisen, gestückelt in 500-Euro-Banknoten. Mehrere Badewannen voll Geld, wie der Spiegel es zusammenfasst. Für Dagobert Duck samt Quietscheentchen ein Traum. Jetzt schwimmen zwar manche in Geld, aber Geld selbst kann das eben leider nicht, also schwimmen jetzt, und deshalb will der Iran die Scheine aus Deutschland ausfliegen lassen.

300 Millionen Euro! Das zahlt doch keine Reiseversicherung, wenn da was wegkommt

Allein, ob das eine gute Idee ist? Wie viele Gepäckstücke sind im letzten Jahr an Flughäfen verloren gegangen? Für immer verschwunden im Schwarzen Loch der Flugzeug-Laderäume, auf wundersame Weise aufgesogen von den Rollbändern der Gepäckausgabe, versehentlich vertauscht mit dem Koffer der Person, die vor uns an der Kassenschlange im Duty-Free-Shop wartet? 300 Millionen Euro! Das zahlt doch keine Reiseversicherung, wenn da was wegkommt.

Unser Vorschlag: Der Iran könnte das Geld,  solange die Transportfrage nicht befriedigend geklärt ist, bei Privatpersonen zwischenparken, zum Beispiel bei uns. Ein Bett in der Wohnung ist sowieso total überschätzt. Und in der Badewanne wäre auch noch Platz.


0