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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Wind of Change

Es ist guter preußischer Brauch in der Bundeswehr: Hohe Persönlichkeiten, Minister/innen etwa oder Präsidenten, werden von der Truppe mit dem „großen Zapfenstreich“ verabschiedt. Da spielt das Musikkorps streng festgelegte Weisen – bis auf drei Stücke in der Mitte, die sich der/die Geehrte aussuchen darf. Da gab es ziemlichen Wildwuchs in letzter Zeit: "Smoke on the Water" etwa, der Wunsch von Karl Theodor zu Guttenberg. Oder "Life is Life", gewünscht von Thomas de Maiziere. Jetzt ist Ursula von der Leyen dran. Was will sie uns mit „Wind of Change“ von den Scorpions wohl sagen….? Eine Glosse von Uwe Pagels.

Von: Uwe Pagels

Stand: 13.08.2019

Ursula von der Leyen geht – nicht wirklich, denn niemand geht ja so ganz, aber als Verteidigungsministerin. Übermorgen wird sie, das ist in unserer Bundeswehr guter Brauch, mit militärischen Ehren verabschiedet, das meint in diesem Fall: Mit einem großen Zapfenstreich.

Man erinnert sich vielleicht an das ein- oder andere Zeremoniell dieser Art. Da stehen die Soldaten, inzwischen auch Soldatinnen, in Reih und Glied vor irgendeinem Schloss, einem Ministerium, notfalls auch auf einem Parkplatz. Fackeln in der Hand, denn es ist dunkel, es ertönen schneidige Befehle, und dann beginnen eine Bläsergruppe und ein Spielmannszug zu musizieren.

So gut es eben geht, denn die Spielleute haben grundsätzlich einen anderen Beruf, Gefreiter oder Leutnant oder so - und vertauschen nur gelegentlich das Gewehr mit der Posaune. Trotzdem geht meist alles gut, und der oder in diesem Fall die Geehrte steht auf einem Podest, lauscht betont andächtig und denkt – ja, woran wohl? Bei von der Leyen wird es der Gedanke an die Zukunft sein – ob sie allerdings in Brüssel jemals mit musikalischen Ehren bedacht  wird oder eher den Marsch geblasen bekommt – das kann keiner sagen. Der große Zapfenstreich aber steht fest.

Es gibt eine Einleitung, Neudeutsch Intro, einen Abgang, und zwischendrin diverse Musikstücke. Drei davon darf sich der Geehrte wünschen, und da ist nun in den letzten Jahren, Preußen oder nicht, ein ziemlicher Wildwuchs entstanden. Karl Theodor zu Guttenberg etwa wünschte sich „Smoke on the Water“, Rock von Deep Purple, mittlerweile ein Klassiker, aber zum Zapfenstreich? Oder Thomas de Maiziere, der zynischen Humor bewies und anlässlich seiner Entlassung Opus bestellt hat, mit "Life is Life". Christan Wulff übrigens wünschte sich „Over the Rainbow“, vermutlich, weil für ihn eh alles vorbei war..

"Rock you like a Hurricane" – das hätte besser gepasst, zum Karrieresprung nach Brüssel

Und jetzt also - Tusch - Ursula von der Leyen. Die will übermorgen „Wind of Change“ hören, den Wendesong der Scorpions, mit dem gepfiffenen Anfang. Zu Zeiten von Glasnost und Perestroika so oft gespielt, dass man ihn bis heute nicht  mehr hören kann. Nun kommen die Scorpions aus Hannover, von der Leyen ähnlich – die Verbundenheit ist also da – aber: Musste es "Wind of Change" werden? Ein anderer Titel der Band lautet "Rock you like a Hurricane" – das hätte besser gepasst, zum Karrieresprung nach Brüssel. Oder mehr soft: „Follow your Heart“ oder „We‘ll burn the sky“ – alles von den Scorpions, da wäre doch Luft gewesen….für was anderes.

Interessant werden dürfte sie trotzdem, die "Wind of Change"-Coverversion der Bundeswehr-Kapelle, mit Blechbläsern und Tsching Derassa - Bum. Wer pfeift zu Beginn, der Dirigent womöglich oder ein zum Pfeifen abkommandierter Oberfeldwebel aus dem Generalmusikkorps, oder wird der Part  sogar von einer Flöte dargeboten?  Das wiederum hätte den alten Fritz erfreut, den Preußen par Excellance und Liebhaber des Flötenspiels und in gewisser Weise Vorgänger von der Leyens, auf militärischem Gebiet.

Wie es auch sei – es wird gespielt: Wind of Change – und die Fahnen drehen sich im Wind, in Brüssel, bei der Bundeswehr und bei von der Leyen. Aber die scheidende Ministerin hält still. Sie lauscht den Soldaten und dem endlich folgenden Kommando zum Schluß:  Helm ab zum Gebet!


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