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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Wegducken vor der Verantwortung

Kandidiert er oder kandidiert er nicht? – da drucksen sie herum, die Granden der CDU, und sind ja durchaus bereit, "Verantwortung zu übernehmen“. Aber, was heißt das dann konkret? Und wie ist es insgesamt darum bestellt, wenn sich ständig alle wegducken? Eine Glosse von Georg Bayerle.

Von: Georg Bayerle

Stand: 17.02.2020

Aus dem aktuellen Weltkriegsblockbuster "1917" ist ja zu lernen, dass es reichlich ungesund ist, den Kopf aus dem Schützengraben zu strecken. Das scheint die Taktik der drei Musketiere der CDU zu sein, die sich immer noch halb wegducken, wenn’s um Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz geht. Ob’s daran liegt, dass AKK noch Verteidigungsministerin ist, also vom Fach, was Heckenschützen und Dolchstöße betrifft?

Sie seien ja durchaus bereit, „Verantwortung zu übernehmen“, sagen Merz, Spahn und Laschet. Aber was heißt das eigentlich? Die Devise scheint zu sein: nur nicht zu früh den Kopf rausstrecken und ja keinen Fehler machen, sonst prasseln Spott, Häme und Kritik wie im Kugelhagel auf einen ein. Und war da nicht noch was? – Ja, die Verantwortung. Es gibt sie auch als so genannte „politische Verantwortung“, die ja prinzipiell recht oft übernommen wird: Die Beispiele von der Leyen und Scheuer, die für den Bockmist, der in ihren Ministerien fabriziert worden ist, die „politische Verantwortung“ übernehmen, zeigen: das bedeutet gar nichts.

Genauso Lindner von der FDP mit seinem besonders irrlichternden Eiertanz um das Thema Verantwortung. Grade seine Person wirft die Frage auf, ob bei der Rücktrittsorgie der vergangenen Woche von AKK bis Kardinal Marx eigentlich die Richtigen am Start waren oder ob sich nicht eigentlich eher die Lindners und Scheuers hätten berufen fühlen müssen?

Gibt es also gar keine Hoffnung? Doch: Bei der CSU!

Auch über die Frage, wann die Verantwortung den Rücktritt gebietet oder nicht, herrscht also reichlich Verwirrung. Wir leben in konfusen Zeiten und das schlechteste ist, wenn dabei ein ängstliches Herz schlägt, wie es der Bundespräsident am Wochenende im Blick auf Europa gesagt hat. Gibt es also gar keine Hoffnung? Doch: Bei der CSU! Die dasteht wie eine Eins, wenn’s drum geht, die Verantwortung für die Autokonzerne und die Autofahrer zu übernehmen. Kein Tempolimit auf deutschen Autobahnen – das mag noch so irre sein, aber da steht dann Scheuer seinen Mann und alle hinter ihm.

Apropos, das ist auch so eine nette Floskel: man stellt sich hinter einen Andern. Soll unterstützend ausschauen und verantwortlich. Schon 1917 war das klug, denn es erwischt immer den zuerst, der vorne steht. Hallo: wir sind nicht im Krieg, sondern in hysterisch-verwirrten Zeiten. Also: raus aus der Deckung. Auf geht’s Friedrich, Jens und Armin – und: Markus – ja, der ist momentan der Großmeister im Fein-Raushalten aus den Wortgewittern.


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