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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Wattwandern mit Markus Söder

Urlaub im eigenen Land ist dieses Jahr das Non-Plus-Ultra - zumindest, wenn es nach Markus Söder geht. Bayerns Ministerpräsident denkt über eine Wattwanderung mit Schleswig-Holsteins Pendant Daniel Günther nach. Das wäre doch überhaupt DIE Idee: Den Urlaub in der Reigon durch ein Rendezvous mit dem jeweiligen Ministerpräsidenten etwas aufzupeppen... Eine Glosse von Roland Söker.

Von: Roland Söker

Stand: 03.06.2020

Es wird in diesem Sommer voll werden in Bayern. Klar, jetzt wo erste Nachbarländer die Grenzen öffnen wollen, werden nicht alle Urlaub in Deutschland machen. Aber viele werden es trotzdem. Und so propagiert ja sogar Markus Söder mittlerweile Urlaub in anderen Gegenden Deutschlands. Er findet es sogar spannend, mit Daniel Günther im Watt zu wandern. Viele fragen sich: Wer ist Daniel Günther? Nun, das ist der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, wobei immer noch nicht klar wird, warum das Watt durch ihn spannender wird. Aber wenn‘s Markus Söder doch noch fad wird, kann er sich ja auch noch nebenan mit Stephan Weil zum Krabbenpuhlen treffen.

Vielleicht wäre es ja wirklich ein touristisches Konzept, Urlaub in der Region durch ein Rendezvous mit dem jeweiligen Ministerpräsidenten etwas aufzupeppen: Mit Markus Söder wird die fränkische Schweiz zum Abenteuerland. Mit Armin Laschet könnte man gemeinsam Bielefeld suchen. Lockerungsübungen mit Bodo Ramelow im Thüringer Wald wären doch ein erfrischendes Angebot. Und eine Werksbesichtigung bei Daimler in Stuttgart-Untertürkheim wird mit Winfried Kretschmann vielleicht um einige Nuancen spannender als ohne.

Doch das wird natürlich nicht reichen, zumal die Kapazitäten der Ministerpräsidenten begrenzt sind. Zur Bewältigung der innerdeutschen Urlauberschwemme müssen eigentlich viel weitergehende Maßnahmen getroffen werden. Es wäre zum Beispiel dringend geboten, die historischen Altstädte zu vergrößern. Das hat auch im Chinesischen Lijiang geklappt, eine Stadt die 1996 bei einem Erdbeben zerstört und danach deutlich größer wiederaufgebaut wurde, um mehr Touristen aufzunehmen. An solchen Kapazitätserweiterungen könnten sich Rothenburg ob der Tauber oder Bamberg ruhig mal ein Beispiel nehmen …

Ferne Exotik lässt sich mit diesen Maßnahmen natürlich nicht herstellen

Auch könnte man sich ja von Nachbarländern ein paar Regionen ausleihen. Wenn sich Pop-Up-Fahrradwege in den Städten mittlerweile unbürokratisch in die Tat umsetzen lassen, kann man doch auch mal Landesgrenzen Pop-up-mäßig verschieben. Ein paar grenznahe österreichische Berge werden für einen Sommer an Deutschland ausgeliehen, zwei zusätzliche Nordseeinseln von Holland oder Dänemark geborgt - und nach der Urlaubssaison im Originalzustand besenrein zurückgegeben.

Nur ferne Exotik lässt sich mit diesen Maßnahmen natürlich nicht herstellen. Karibisches Strandfeeling oder Safaris in der ostafrikanischen Savanne – so etwas lässt sich in dieser Saison nur streamen. Dazu sollten jetzt unbedingt die passenden Kaufanreize geschaffen werden: Ein- bis zweitausend Euro Zuschuss für einen 86-Zoll Bildschirm sollten drin sein. Die Effekte auf die deutsche Volkswirtschaft dürften einschlägiger sein, als bei jeder Autokaufprämie: Die Lieferdienste werden boomen, wenn halb Deutschland vorm Fernseher Urlaub macht.

Und viel mehr Menschen wären dann live dabei und könnten Markus Söder und Daniel Günther in freier Wildbahn beim spannenden Wattwandern beobachten ...


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