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Ende der Welt Warnung vor Warnungen

Warnungen über Warnungen. Da stellt sich einem die Frage, soll man jetzt davor warnen, nicht zu viel zu warnen oder ist man dann auch ein Warner vor dem man warnt? Eine Glosse von Norbert Joa.

Von: Norbert Joa

Stand: 16.09.2019

Neulich, in den Hauptnachrichten: Die Luftfahrtbranche warnt vor einer höheren Flugticketsteuer. Gut, dann lassen wir‘s, denn die Warnung hat sicher einen guten Grund. So warnen dieser Tage auch Autobauer vor einer Verteufelung des Autos, die Arbeitgeber seit jeher vor höheren Löhnen und die Panzerbauer vor Panzer Lieferstopps an diverse Länder – na, die werden alle ihre tiefen, komplizierten Gründe haben.

An dieser Stelle warne ich vor einer Abschaffung des öffentlichen – rechtlichen Rundfunks. In der langen Reihe guter Argumente kommt – ganz weit hinten – dass ich davon lebe. So wie Autobauer vom Autobau – denen können wir übrigens Entwarnung geben -  solange weltweit stündlich 10 000 neue Autos in die Welt rollen, klappt das mit dem Verteufeln wohl nicht so recht.

Und die nationale, höhere Flugticketsteuer – wird sie heimische Fluglinien zum Absturz bringen? Für innereuropäische Flüge würde sich die Ticketsteuer verdoppeln, auf 14 Euro 80. Wie wahrscheinlich ist es nun, dass deutsche Flugwillige wegen 7 Euro 40 zu Auslandsflughäfen anreisen oder den Flug sein lassen?

Merke: vor den meisten Warnungen kann man nur warnen.

Und manchesmal sind sie auch amüsant – jüngstes Beispiel, abends belauscht, am Nebentisch. Da berät eine Stammtischrunde , wo´s hingehen soll, für ein Novemberwochenende.  Zur Wahl stehen Dubrovnik, Istanbul und Sofia. Nähere Ziele schieden aus - zu kühl, zu nah und fern zugleich, siehe Autobahnkilometer oder Stunden in der Bahn. Schließlich fällt die Wahl auf Bulgariens Hauptstadt Sofia  – keine zwei Stunden Flug, für 200 Euro hin und zurück. Einzelne Bedenken, ob ein Wochenendtrip per Flieger in die Zeit passt, werden kurz gewogen und für zu leicht befunden. Die viereinhalb Tonnen Co² fallen nicht groß ins Gewicht der Welt und man sei nur einmal auf dieser. Und – so der Liberale in der Runde - er könne an dieser Stelle nur davor warnen, das hohe Gut der freien Bewegung aufzugeben.

Wie wichtig sei doch - grad in diesen Zeiten – die Begegnung der Völker

Wie wichtig sei doch - grad in diesen Zeiten – die Begegnung der Völker. Und sei es für ein Wochenende. Worauf sein Nebenmann sekundiert: und er könne nur davor warnen, sich Freuden zu entsagen. Die moralinsaure Debatte verursache seelische Kollateralschäden, von denen niemand rede, deren Kosten leider keiner berechne. Drei schöne Tage in einem anderen Land stünden am Ende als goldene Erinnerungsposten auf der Haben Seite der Gemeinschaft. Also abgemacht, hoch die Gläser und verständliche Vorfreude.

An dieser Stelle möchte ich davor warnen, diese Runde zu verteufeln.

Ihre Warnungen sind halt nur verteufelt menschlich.


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