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Ende der Welt Wahlmonopoly

Am Sonntag wird's spannend. Landtagswahl 2018 in Bayern. Ob's so kommt, wie die Umfragen es vorhersehen oder nicht... man weiß es nicht. Aber eins is gwiss. Um 18 Uhr schließen die Wahllokale, und dann wiss mas. Eine Glosse von Helmut Schleich.

Von: Helmut Schleich

Stand: 12.10.2018

Und? Wissen Sie schon, wen sie am Sonntag… oder haben sie schon per Briefwahl? Das würde ich mich ja nicht trauen - Briefwahl.Ich meine, in der Politik, da muss man doch heute mit allem rechnen. Stell Dir vor, Du hast den Brief grade eingeschmissen und auf einmal macht Deine gewählte Partei den Drehhofer oder es kommt raus, dass sie so hoch verschulzt ist, wie die SPD letztes Jahr nach der Bundestagswahl. Dann stehst Du da und kommst nicht mehr an Deinen Wahlzettel ran…

Ich entscheide das erst in der Wahlkabine. Keine Sekunde eher. So bleibt man als Wähler wenigstens noch bis Sonntag für alle Parteien interessant. Besonders, wenn’s so spannend ist, wie dieses Mal. Schafft die CSU die 33%- Hürde? Was wird aus der Splitterpartei SPD? Stürzt der Söder? Und wenn ja, auf wen? Das sind doch faszinierende Fragestellungen.

Und dann die Rechnerei. Wenn angenommen die FDP in den Landtag kommt und die Linken wider erwarten auch, reicht es dann für eine Umsegelungs-Koalition an der CSU vorbei, wenn alle daran beteiligten Parteien bereit sind ihre sämtlichen Grundsätze und Wahlprogramme über Bord zu werfen?

Oder kommt schwarz- grün? Passt ja mittlerweile fast perfekt zusammen, nicht nur weil die Grüne Schulze gerne einen Spezi trinkt und der CSUler gerne einen Spezi hat, auch weil sich ja nach einer neuen Umfrage schon fast 60% der Grünen- Wähler nicht mehr als „links“ bezeichnen würden.

Bei einigen heißt’s dann in Zukunft womöglich: „Der steht im Landtag“

Und was ist mit den Überhang- Mandaten? Die Presse fragt schon: „Kommt der Riesen-Landtag?“ Klingt bisserl nach Komet… Kommt er oder fliegt er an der Erde vorbei? Gut, man muss schon sagen, 241 Abgeordnete können’s maximal werden nach der Wahl, 60 mehr als im Moment, das ist kein Pappenstiel. So viele Sitzplätze gibt‘s gar nicht im Plenarsaal, heißt’s. So landläufig sagt man ja: „Der hockt im Landtag“. Bei einigen heißt’s dann in Zukunft womöglich: „Der steht im Landtag“.

Das Interessanteste an all den Spekulationen, die noch bis Sonntag ins Kraut schießen, ist ja ihre Grundlage. Umfragen. 1200 Befragte heißt’s immer. Dass davon nur gut die Hälfte antwortet und von denen wiederum nur zwei Drittel sagen, dass sie auch ganz sicher so wie angegeben wählen werden, das sagt keiner. Bleiben also ungefähr 400 brauchbare Antworten übrig. Und von denen haben 132 gesagt, dass sie CSU wählen, wenn man von den vorhergesagten 33% ausgeht. Ja horch einmal, statistisch fehlen der CSU dann ja nur 69 Stimmen zur absoluten Mehrheit. Das ist doch zu schaffen bis Sonntag.

Eben alles eine Frage der Perspektive.


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