Bayern 2 - radioWelt


0

Ende der Welt - Die tägliche Glosse Vativision

VATIVISION startet heute, Serien und Filme zu Hauf im Sinne des Vatikan. Endlich einmal ernstzunehmende Konkurrenz für Netflix, Amazon, Apple und Disney. Machen wir uns auf was gefasst! Eine Glosse von Christian Klos.

Von: Christian Klos

Stand: 08.06.2020

Es wird einem der Mediensachverständigen im Vatikan wohl aufgefallen sein, als er sich die Zahlen dieser raffgierigen Streamingdienste wie Netflix, Amazon Video und wie sie alle heißen mal näher angesehen hat: Netflix, über 170 Millionen Nutzer weltweit.

Auf seinem Schreibtisch dagegen Hochrechnungen von etwa 1,3 Milliarden Menschen katholischen Glaubens, die für ein eigenes, religiöses und Orientierung gebendes Programm zu erreichen wären. Das dürfte dem Mann ein breites Grinsen im Gesicht bereitet haben….

Und siehe da – heute startet VATIVISION, das katholische Netflix wenn Sie so wollen. Eine Plattform voll mit Filmen und Serien, wie sie alle zum Glauben eben passen und auch in das katholische Weltbild. Das könnte ein neuer Eckpfeiler der Missionierung werden! Alles was der oder die zuschauende Katholikin braucht ist ihr Handy, ein Tablet oder ein Smart-Fernseher. Denn VATIVISION kommt natürlich als APP, zu jedem der das braucht. Aber erfolgreich sollte es schon sein – und das verlangt jede Menge Übersetzungsarbeit: Denn warum sollten nicht Erfolgsserien oder Blockbuster-Filme einfach nach vatikanischem Gusto umproduziert werden?

Nehmen Sie mal Game of Thrones – streichen sie das langweilige Fantasyzeugs da raus und ersetzen Sie es durch die schönsten Kreuzzüge, die die Welt zu ertragen hatte. Philipp II. August von Frankreich, Richard Löwenherz aus England und Friedrich Barabarossa ersetzen kurzer Hand die Starks, Lennisters und Baratheons.

Haus des Geldes, ein Knaller bei der amerikanische Konkurrenz, das wird ein Zwölfteiler über die Machenschaften in der Vatikan-Bank, ein Quotenknaller!

Sex Education – das wird nicht ganz so leicht, eine Serie wird das nicht, eher Spielfilmlänge, denn zur unbefleckten Empfängnis muss man nicht viel sagen oder drehen.

Science Fiction dürfte ein wirkliches Problem werden, denn die weiten Reisen von Captain Kirk und dem Langohr Spock in ferne Galaxien dürfte der Glaubenskongregation zu weit gehen – das ganze Genre dürfte gestrichen werden. Eine Welt reicht und ein Gott eben auch.

Was sie schon immer sehen wollten aber nie wagten danach zu fragen, dürfte bei VATIVISION Wirklichkeit werden. In Anlehnung an deutsche Dokuproduktionen, wenn auch mit zweifelhaften Inhalten, kommen jetzt: Die zehn schönsten Geheim-Orte im Vatikan von Papst Franziskus,  seine zehn Lieblingsweine aus der Region um Castelgandolfo, seine zehn Lieblingsbücher im Alten Testament , die zehn Lieblingsschriften im Neuen Testament und seine zehn liebsten Plätze in Rom, wenn er mal wieder raus muss und es zu Hause nicht mehr aushält.

Spaß beiseite

Spaß beiseite. Die Produzenten von VATIVISION kamen am Knaller aller Serien nicht vorbei: House of Cards. Die nicht enden wollenden Bosheiten des Frank Underwood, vom Kongressabgeordneten bis zum korrumpierenden und mordenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Kopfzerbrechen, lange Nächte, unzählige Versuche ein Drehbuch zu schreiben, die Produzenten trieben Heerscharen von Autoren in den Wahnsinn wegen pausenloser Änderungswünsche. Doch am letzten Weihnachtsfest kam die Kehrtwende. Und der Stolz, gerade in Italien. Denn die katholische Variante von House of Cards war längst da – Luca Tomassini, heute Chef von VATIVISION, zappte am zweiten Weihnachtsfeiertag auf der Couch liegend und ermattet von den Feierlichkeiten nebst kulinarischen Genüssen, durch das deutsche Fernsehprogramm – und er blieb bei einem bayerischen Sender hängen. Don Camillo und Peppone wurde gezeigt.

Den Rest können sie sich denken!


0