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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Ü-40-Partys

Eine Party lebt von den Getränken, mit zunehmendem Alter aber auch von den Gesprächen. Das muss nicht immer schlecht sein, meint Martin Zöller.

Von: Martin Zöller

Stand: 16.08.2019

Hier mal zur Beruhigung für alle, die gerade mit aufgelegter Anti-Aging-Maske am Frühstückstisch sitzen: man muss das Älterwerden ja nicht schön finden, aber es ist auch nicht so schlimm. Zum Beispiel werden die Feiern mit zunehmendem Alter nicht schlechter und fader, sondern besser. Warum? Die wenigen Partys, die es gibt, die werden eben richtig gefeiert, Ramba-Zamba von der ersten Minute. Schließlich kann der Babysitter ja nur bis Mitternacht und außerdem hat Kind X um 10 Uhr schon wieder einen Kindergeburtstag und Kind Y Schwimmkurs. Bei der jüngsten Party einer nunmehr 45-jährigen Freundin hatte dieses Naturgesetz etwa zur Folge, dass der Mann des Hauses schon abends um zehn durch die Küche tanzte wie John Travolta, wenn er im Schwimmbad in eine Wespe tritt. Auch für die Nachbarn ist ein Party-Höhepunkt abends um 11 angenehmer: Sie müssen nicht mehr nachts um drei die Polizei wegen Ruhestörung holen, sondern können das ganz entspannt noch vor Mitternacht erledigen.

Auch die Gesprächsthemen werden mit zunehmendem Alter besser, lebensnäher. Was haben wir uns doch früher bei Partys gelangweilt mit Themen wie  Reisen, Autos, Fußball, Frauen, Filme. Heute dagegen, bei 40plus-Partys: echtes, praktisches, Leben. So drehte sich die Küchenparty lange um die Frage, was teurer ist, Speisequark oder Magerquark (Antwort: Speisequark), dann darum, wer eigentlich im August Lebkuchen in den Supermärkten braucht (Antwort: keiner), um schließlich auf das eigentliche Thema des Abends einzuschwenken: wie man eigentlich Wespen vom Zwetschgendatschi abhält. Und wie man vermeidet, dass Kinder den Kuchen essen, aber nicht die Wespen.

Man soll den Wespen einen alternativen Kaffeetisch decken

Ich selbst bin eigentlich der „Blöde Wespe, schleich Dich“-Typ und recht einfach gestrickt: Kommt eine in mein Blickfeld, verteile ich eine Watschn, gern auch quer über den Tisch und ungeachtet aller darauf stehenden Kaffeekannen. Kommt sie noch näher, springe ich in den Komposthaufen. Erst seit ich Kinder habe, zwinge ich mich zur „Ruhig Blut, alle Tiere sind Freunde“- Kuscheltaktik. Man vererbt den nachfolgenden Generationen ohnehin den Kredit fürs Haus, dann müssen es nicht noch die Ängste sein.

Nun die bahnbrechende Erkenntnis des Partygesprächs: Man soll den Wespen einen alternativen Kaffeetisch decken, Stichwort „Ablenkungsfütterung“. Insbesondere überreife Weintrauben, so ein kompetenter Partygast, seien gut dafür geeignet. Stellt man die Trauben fünf Meter vom Essenstisch auf, konzentrieren sich die Wespen darauf. Und nicht auf den Datschi.

Ablenkungsfütterung. Ich werde das in andere Lebensbereiche übersetzen. Zum Beispiel: Ablenk-Übernachtungen! Zum Oktoberfest werde ich meinen trinkfreudigen Freund M. fragen, ob er nicht jedesmal bei uns übernachten will, wenn wir zusammen auf die Wiesn gehen. Steht er beim Heimkommen neben mir, wirke ich auf meine Frau bestimmt vergleichsweise nüchtern.


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