Bayern 2 - radioWelt


7

Ende der Welt - Die tägliche Glosse Stürmische Zeiten

Stürmische Zeiten sind das im Moment. Sabine wirft Bäume um, AKK knickt ein, Klinsmann fliegt sein Rücktritt um die Ohren, Kardinal Marx hat anscheinend zu viel Gegenwind bekommen und gibt auf. Bloß der Papst, der bleibt standhaft. Egal wie stürmisch, der Zölibat wackelt nicht einmal. Eine Glosse von Helmut Schleich.

Von: Helmut Schleich

Stand: 14.02.2020

Also ich muss sagen, ich bin immer noch komplett durch den Wind. Dieser Rücktritt hat die Woche erbeben lassen. Tief enttäuscht und moralisch durchtränkt aufgeben, weil man vom Amt überfordert ist, das war schon ein Hammer. Jürgen Klinsmann ist nicht mehr Trainer bei Hertha BSC. Es ist doch erstaunlich, was so ein Wintersturm zu leisten vermag. Nicht nur im Fußball. Auch bei der Bahn. Selbst in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges sind in Deutschland noch Züge gefahren, aber wenn „Sabine“ weht, dann geht bei der Bahn gar nichts mehr.

Und der Sturm hat ja darüber hinaus nicht nur den Klinsmann davon geweht. Auch AKK, also „Angelas kleine Kopie“ und, man höre und staune. Marx! Nicht den Kommunisten, den schwergewichtigen Münchener Erzbischof. Der hat den Wintersturm genutzt und kundgetan, dass er den Vorsitz der deutschen Bischofskonferenz abgeben wird. „Jetzt müssen die Jungen ran“, hat er gesagt. Was heißt das in der katholischen Kirche? Ich meine, der Mann ist 66 Jahre alt. Da ist er doch in der Kirche selber noch ein Jungspund. Wo der Ratzinger damals als Papst zurückgetreten ist, da war er 84. Der hat auch gesagt, er ist zu alt und der Nachfolger war 76. Projekt Verjüngung erfolgreich abgeschlossen. Egal.

In der katholischen Kirche geht’s zur Zeit ja auch gar nicht so sehr um Junge, sondern vielmehr um Frauen. Zumindest kann man hier bei uns in Deutschland diesen Eindruck gewinnen. Da herrscht jetzt eine Riesen-Enttäuschung, weil der Franziskus den Zölibat nicht gelockert hat. Ich kann diese Enttäuschung verstehen, bei Menschen, die sich in der Kirche engagieren. Aber in der breiten Öffentlichkeit… Was hat man denn erwartet? Dass der Franziskus gegen den Zölibat ist, als Jesuit? Oder dass er ihn umbenennt? Nicht mehr der Zölibat, sondern die Zölibat*In? Oder dass er den ganzen Laden hinschmeißt und sagt, wir treten kollektiv der evangelischen Kirche bei? Die haben keinen Zölibat und die Kirchen sind trotzdem nicht voll.

In Deutschland wartet der Pfarrer manchmal ein ganzes Jahr, bis Gläubige vorbei kommen

Gut, die katholische Kirche hat einen Priestermangel auch noch. Also keine Gläubigen UND keine Pfarrer. Das sollte sich doch dann im Grunde schon wieder ausgleichen. Dummerweise ist der Mangel weltweit nur sehr ungleich verteilt. Im Amazonas warten die Gläubigen manchmal ein ganzes Jahr, bis ein Pfarrer vorbei kommt und in Deutschland wartet der Pfarrer manchmal ein ganzes Jahr, bis Gläubige vorbei kommen. Und wann kommen sie daher? Am Heiligabend um 10 Uhr auf’d Nacht. Drum braucht’s den Zölibat. Ein verheirateter Pfarrer hätte da gar keine Zeit.

Eben alles eine Frage der Perspektive.


7