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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Royale Schwäne zählen

Schräge Vögel in England: Theresa May verwandelt sich vom stolzen Schwan zum hässlichen Entlein, während Boris Johnson wie ein Phoenix aus der Asche steigt. All das beeindruckt die königlichen Schwäne auf der Themse nicht, denn sie stehen per Gesetz unter dem direkten Schutz der Windsor.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 16.07.2019

Tiere gehen immer. Auch wenn jetzt gerade noch kein Sommerloch herrscht, aus dem sie jedes Jahr wieder aufs Neue hervorkommen: Känguruh Heidi aus Niederbayern, die Schnappschildkröte Lotti aus dem Ostallgäu, die Kuh Yvonne aus Oberbayern. Nein, heute geht es um die majestätischen Schwäne in London. Denn in dieser Woche werden die Vögel der Königin auf der Themse gezählt und beringt – von uniformierten Swan uppern – angeführt von einem königlichen Schwanen-Markierer.

Es gibt schon bemerkenswerte Traditionen: Die Finnen schlagen sich mit Birkenzweigen, die Schotten werfen mit Baumstämmen und die Engländer zählen Schwäne. Das tun sie seit dem gesetzlich verankerten Act of Swan 1482 – denn im Vereinigten Königreich ist jeder ein Untertan der Queen. Auch die Schwäne. Früher diente die tierische Inventur dazu, die gefiederte Delikatesse „Swan royal“ auf die Speisekarte der Oberen zu befördern, heute dient die Inventur dem Schutz der Tiere. Queen Elisabeth höchst persönlich informiert an Schulen darüber wie bedroht der stolze Schwan heutzutage ist, und wie schön er eigentlich anzuschauen ist … look! how beautiful! …. Ein Umdenken also, das sich über viele Jahrhunderte hinweg gezogen hat.

Es steht zu befürchten, dass solche Umdenk-Prozesse bei den Engländern generell eine zähe Angelegenheit sind. Soll man den Schwan nun lieber essen oder besser schützen? Läuft die Wirtschaft besser mit der EU oder besser ohne? Und um von dem leidigen Thema Brexit abzulenken, kommen Tiergeschichten in der bald nachrichten- und politikarmen Sommerzeit gerade recht. Doch warum schützen die Engländer die Schwäne auf der Themse, während sie schonungslos Jagd auf anderes Federvieh machen? Enten, Fasane, Rebhühner, Theresa May – naja in ihrem speziellen Fall liegt es wohl daran, dass die Geschichte einen umgekehrten Lauf nahm – vom stolzen Schwan zum hässlichen Entlein, erst bewundert, dann verspottet.

Und wenn wir schon bei schrägen Vögeln in England sind, dann geht Boris Johnson wohl als Phoenix aus der Asche durch, der aufsteigen und sein Land in die Freiheit führen wird – wer´s glaubt, wird selig .... Die königlichen Schwäne haben es da deutlich leichter – sie können sich – Zählung in dieser Woche hin oder her – jeder Zeit aus dem schmutzigen Themsenwasser erheben und jenseits des Kanals niederlassen wo sie wollen – egal ob Brexit oder No Brexit.


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