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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Restart Champions League

Heute beginnt sie wieder, die Fußball-Champions League, und eigentlich hält sich Martin Zöller ja selbst für den größten Experten in Sachen Fußball. Doch jetzt hat er Konkurrenz bekommen aus dem eigenen Haus: seine siebenjährige Tochter haut Sprüche raus, die selbst „einen Mario Basler“ vor Neid erblassen ließen.

Von: Martin Zöller

Stand: 07.08.2020

Heute Abend beginnt sie wieder, die Fußball Champions League, der sogenannte Re-Start startet. So treten heute die Bayern gegen den FC Chelsea an – vor traurigen leeren Rängen. Die bessere Stimmung während des Spiels wird da auf den Couchen von „Fußball-Deutschland“ sein. Auch bei uns. Denn neuerdings sind meine Kinder Fußballfans  und klopfen einen Spruch nach dem nächsten. Fast zwei Jahrzehnte nach Uli Hoeneß‘ Donnerwort, Lothar Matthäus werde nicht mal mehr Greenkeeper beim FC Bayern, hat er nun eine würdige Nachfolge für steile Thesen aller Art.

Meine Tochter ist besonders einfallsreich und könnte selbst „einen“ Mario Balser locker übertrumpfen. So prognostizierte sie gestern allen Champions-League-Ambitionen der Bayern zum Trotz:  „Bayern wird leider schon sehr bald in der vierten Liga spielen“. Sie sagte das in einem herablassenden Unterton nach dem Motto: „Wie kann man nur so doof sein, das nicht zu wissen?“. Minuten später dann der nächste: „Warum spielt Schalke eigentlich nicht mit dem Torwart im Sturm, der würde sich mehr Tore schießen!“. Oder im Brusttton der Überzeugung: „Erzgebirge Aue ist einfach eine super Mannschaft!“

Wie eine Siebenjährige auf solche bahnbrechenden Ideen kommt? Natürlich durch den Einfluss von Altersgenossen. Ihr großer Cousin hat sie angestiftet, Fußballkarten zu sammeln – eine sehr clevere Idee von ihm. Sein Kalkül: Sammelt seine kleine Cousine, kommen frische Karten auf den Tauschmarkt, die er ihr im Tausch gegen Ramschware abschwatzen kann. Für ihn lief das lange gut, meine Tochter tauschte in ihrer Arglosigkeit sogar ein limitiertes Mannschafts-Wappen gegen einen verknickten Abwehrspieler der Spielvereinigung Greuther Fürth.

„Der FC Bayern wird auch bald eine Fahrstuhlmannschaft“

Doch damit ist jetzt Schluß. In Vorbereitung auf den sogenannten Champions-League-Re-Start habe ich meine Tochter in einem „Schnellkurs Fußball“ zu einer gnadenlosen Zockerin umprogrammiert. „Hör zu“, sagte ich eindringlich zu ihr, „in der Welt der rosaroten Einhörner tauscht man Wappen gegen Spieler. In der realen niemals!“  Dann zeigte ich ihr mein geliebtes, hart erarbeitetes und ertauschtes vollständiges Album der WM 1986 mit dem ich übrigens, das sei an dieser Stelle gesagt, begraben werden möchte, wenn das die Bestattungsordnung der Stadt München erlaubt. 

Und mein Sohn? Interessiert sich nicht die Bohne für Fußball. Den Begriff „Fahrstuhlmannschaft“, den ich anhand des 1. FC Nürnberg erklärte, fand er natürlich zum Brüllen komisch: „Fahren die die ganze Zeit mit dem Aufzug?“. Meine Tochter nutzte dies zur nächsten steilen These: „Der FC Bayern wird auch bald eine Fahrstuhlmannschaft“. Ich erwarte in den nächsten Tagen ein Schreiben von Uli Hoeneß: „Lieber Herr Zöller, Ihre Tochter wird bei Bayern nicht mal Greenkeeper.“ Das wird meine Tochter nicht erschüttern. Mit ihren Thesen hat sie noch lange nicht fertig.


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