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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Politiker und Fashion Week

Der Luftraum in deutschen Kleiderschränken wird immer knapper, selbst die Motten stoßen schon zusammen. Doch die modebewusste Digitalstaatministerin Dorothee Bär weiß Rat: Textilien einfach weitergeben – denn hinter dem Horizont gehen die Schränke weiter! Außerdem will sie „nicht mehr jede Mode mitmachen“, also beim Telefonieren und im Straßenverkehr aussetzen. Ohnehin wird an Ampeln und auf Zebrastreifen viel zu viel bestellt! Eine Glosse von Peter Jungblut.

Von: Peter Jungblut

Stand: 15.01.2020

Früher war im Kleiderschrank ja meist noch Platz für einen Liebhaber, heutzutage passt da allenfalls noch dessen Armbanduhr rein, wenn überhaupt. Bei manchen Leuten ist der Schrank ja inzwischen so voll, dass im knappen Luftraum über den Kleiderbügeln immer wieder Motten zusammenstoßen.

Und damit haben nicht nur die Komödienschreiber ein Problem: Auch Digitalstaatsministerin Dorothee Bär ist offenbar nicht mehr ganz sicher, ob unser häuslicher Stauraum der Konsumflut noch gewachsen ist. Fast Fashion, die Hochgeschwindigkeits-Mode, hat ja sämtliche Schleusentore längst durchbrochen und lässt sich nicht mal mehr mit Shoppingkanälen in Tiefpreis-Polder ableiten. Sollten Sie also jetzt schon knietief in Hemden, Hosen und Daunenjacken stehen und morgens beim Öffnen der Schubladen immer wieder unter Socken und T-Shirts begraben werden, beherzigen Sie den dringenden Rat von Dorothee Bär: Weitergeben! Sie jedenfalls werfe nichts weg, so die Ministerin, sondern lasse ihre Textilien der Familien oder Freunden zukommen. Hinter dem Horizont gehen die Schränke schließlich weiter, und warum soll es nicht auch dort Blusen geben, wo noch kein Mensch jemals hingekommen ist.

Solange die NASA immer neue Planeten entdeckt, gibt es jedenfalls keinen Grund, den Winterschlussverkauf zu meiden, und die ganze dunkle Materie da draußen im Weltraum harmoniert doch wunderbar mit Pastellfarben. Gut, wenn unsere Schränke nicht mehr in die Milchstraße passen, haben wir es womöglich wirklich etwas übertrieben, aber Dorothee Bär sagte ja auch, dass sie „nicht mehr jede Mode mitmache“. Beim Telefonieren und im Straßenverkehr setzt sie also vernünftigerweise aus, und daran sollten sich auch die jüngeren Konsumenten dringend orientieren. Immer wieder werden ja Modebewusste erwischt, die noch in der Gelbphase der Ampel eine Jeans bestellen oder vom Zebrastreifen aus Schuhe ordern. Die schicken sie dann auch vom Parkplatz in der zweiten Reihe aus zurück. Da lacht die Schublade, und der Kleiderschrank wundert sich!

„Du bist erst erwachsen, wenn du mal selber deine Knöpfe annähst“

Wer diesem Mode-Wahnsinn ausweichen will, hält sich am besten an Dorothee Bärs Devise „Du bist erst erwachsen, wenn du mal selber deine Knöpfe annähst“. Den Spruch hat sie nach eigener Aussage von ihrer Oma. Somit wissen wir wenigstens, durch welche Öse die Karriere der Digitalstaatsministerin noch hindurch muss, denn bisher flickt sie nicht selbst, wie sie auf der Berliner Modewoche verriet.

Ob im Bundeskabinett überhaupt schon jemand erwachsen ist, wenn Oma Bärs Maßstab angelegt würde, wer weiß das schon zu sagen. Dafür müssten sie alle ja in der Lage sein, Steg- und Durchnähknöpfe mit und ohne Stiel anzunähen, ja sogar „kissing buttons“ hinzubekommen, also Knöpfe mit Berührungspunkten. Aber gerade davon scheint es in der Großen Koalition ja immer weniger zu geben, und Nadeln hat Angela Merkel ja sowieso verboten. Sieht also so aus, als ob Dorothee Bär noch eine ganze Weile ohne Fingerhut unterwegs sein wird. Dabei passt der nun wirklich in jeden Schrank!


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