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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Plädoyer für unsinnige Wissenschaften

Es gibt Fragen, die beschäftigen einen seit der Kindheit. Wie kann Aschenputtel auf Glas-Stöckeln laufen? Wie werden Meerjungfrauen ihren Fisch-Schwanz los? Ein Plädoyer für unsinnige Wissenschaft von Katharina Hübel.

Von: Katharina Hübel

Stand: 06.05.2021

Es gibt Fragen, die beschäftigen einen, seitdem man Kind war. Drängende Fragen, die nicht loslassen. Auf die Erwachsene nie eine Antwort hatten. Beispielsweise: Wie hat Aschenputtel das eigentlich hingekriegt? In Glasschuhen zu laufen? Auf Highheels einen Abend lang anmutig zu tanzen, ist eine Wissenschaft für sich und Normalsterblichen anatomisch einfach nicht gegeben. Aber jetzt soll Aschenputtel auch noch im Ernst eine lange, steinerne Treppe hinuntergerannt sein, in Glas-Pumps?

Physiker haben das mal überprüft und mittels Belastungsberechnungen die Haltbarkeit eines gläsernen Schuhwerks durchgeführt. Das Ergebnis: Aschenputtel dürfte maximal einen Absatz von 1,2 Zentimetern gehabt haben – sonst wäre ihr Glück mit dem Prinzen wie auch der Schuh rüde zerbrochen. Erleichterung für Millionen von Frauen, die – rucke-di-gu-Blut-ist-im-Schuh – sich nicht mehr in Highheels quetschen müssen, um Prinzessin zu sein. Ein Dank an die Wissenschaft!

Veröffentlicht wurde diese bahnbrechende Erkenntnis im „Journal of Physics Special Topics“, dem Physikjournal für die ganz speziellen Themen, einem Fachmagazin der University of Leicester, das sich den physikalischen Probleme aus Fantasy, Science Fiction, Märchenwelt und Mythologie verschrieben hat. Die reale Welt ist beschränkt, erzählt ein verantwortlicher Professor, aber sobald man anfängt, sich mit Fiktion zu beschäftigen, gibt es ein riesiges Reich an Dingen zu erforschen.

Die wahren wissenschaftlichen Herausforderungen lauern im Irrealen

Schwarze Löcher – gähn! Quantenphysik – was für Erstsemester! Die wahren wissenschaftlichen Herausforderungen lauern im Irrealen: Welches ist beispielsweise die „Biologie der Meerjungfrauen“? Ist Arielle Fisch oder Säugetier? Wie wird sie eigentlich ihren Fischschwanz los? Metamorphose wie bei der Kaulquappe? Warum wird sie dann nicht zum Frosch? Ah nein. Das war ein anderes Märchen... Laborplattformen im Internet suchen Antworten und fachsimpeln, mit welchem biochemischen Trunk Arielle wohl zugedröhnt worden ist vor ihrer Verwandlung. Vielleicht kann der ja auch eines Tages Menschen in Nixen verwandeln – den ganzen Tag Seetang essen und schrumpelige Haut vor lauter Baden, ein Kindheitstraum!

Und auch das ist inzwischen exakt berechnet: Wenn Superman nur schnell genug fliegt, kann er seine relativistische Masse – hat irgendwas mit Relativitätstheorie zu tun – um das 13,7-Millionfache seiner normalen Masse steigern.

Muss man jetzt echt Nerd sein um das zu verstehen, aber das Resultat ist beeindruckend: Superman würde damit ein Gravitationsfeld erzeugen – und die Erde dreht sich dann tatsächlich rückwärts! Unerhebliche Nebenwirkung: Asteroiden würden sich ebenfalls angezogen fühlen und die Erde zerbomben. Also: Auch wenn es geht, bitte nicht die Rotation der Erde ändern. Quod erat demonstrandum.


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