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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Pinkelpause in Österreich

Die Schlagbäume sind oben – auf nach Italien! Einfach losfahren und die Italo-Playlist abspielen und im Auto Azurro singen. Aber dann? Kommt der Reiseweltmeister vielleicht nicht mehr zurück. Und Bibione for ever ist auch keine Alternative. Eine Glosse von Gabi Kautzmann.

Von: Gabi Kautzmann

Stand: 04.06.2020

Die Schlagbäume sind oben – auf nach Italien! Autostrada del Brennero, Bressanone, Bolzano, Trento, Rovereto Sud, Lago di Garda, Un gelato al limon. Hach. Schön. Aber einfach losfahren und die Italo-Playlist abspielen und im Auto Azurro singen? Gestern früh noch drohte die Tiroler Landesregierung mit einer Pinkelstrafe bis zu 1450 Euro, falls man unterwegs auf dem Transitkorridor den Almdudler nicht mehr halten kann. Empörung machte sich breit.

Hatte Angela Merkel schon den österreichischen Botschafter einbestellt? Oder dem Sebastian in Wien wenigstens eine Video-Protest-Raute geschickt? Es ging schließlich um den deutschen Autofahrer. Also um den Deutschen an sich. In seinem SUV auf der Brennerautobahn. Ohne Bordtoilette.

Ruhig Blut, die wilden Tiroler sind dann mittags von den Wienern überstimmt worden. Grenzkontrollen weg, die Deutschen dürfen wieder rein. Der SUV-Transitreisende muss auf dem Weg an die Adria also nicht in die Almdudler-Flasche pinkeln und darf sogar unterwegs einen Kaffee zu sich nehmen UND Tanken. Bloß dabei einen Meter Abstand halten. In Deutschland sind es noch ein Meter 50. Und hinterm Brenner dann drei Meter. Jedenfalls in Bibione am Strand.

Aber dann? Kommt der Reiseweltmeister vielleicht nicht mehr zurück. Weil die österreichische Grenze zu Italien ja eben noch nicht ganz geöffnet worden ist. Wer aus „bestimmten Regionen“ Italiens das Virus importieren könnte, der darf nicht rein. Dann droht Bibione per sempre. Auch keine Alternative. Und nochmal 250.000 gestrandete Touristen aus dem Ausland zurückholen – gibts nicht. Sagt der Maas.

Em Ende denken sie sich noch ein Corona-Pickerl aus

Also doch erstmal nach Österreich. Sehen wir es als Beitrag zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in Europa. Seit Ischgl hat kein Deutscher mehr 500 Euro für eine Flasche Champagner im Kitzloch ausgegeben. Wovon soll der Bergbewohner sein karges Dasein fristen? Kein Deutscher hat mehr seine Viertwohnung in Kitzbühel betreten und beim Stanglwirt für eine Sause mit den engsten Freunden 10.000 Euro gelassen. Österreich darbt.

Also - auch wenn sie sonst im Piefke-Melken ganz groß sind – seien wir großzügig. Sonst denken sie sich am Ende noch ein Corona-Pickerl aus. Und wenn das dann der europäische Gerichtshof durchwinkt, dann fährt der Andi Scheuer nie mehr nach Österreich. Wer kann das wollen?


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