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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Pfingsthase

In der Kindererziehung braucht man immer wieder Assistenten: Nikolaus, Christkind, Osterhase, sie alle können helfen, die Kinder in die Spur zu bringen. In der Corona-Zeit gibt es in der Familie von Martin Zöller jetzt auch den Pfingsthasen. Seine Unterstützung ist dringend erforderlich.

Von: Martin Zöller

Stand: 28.04.2020

Es gibt mittlerweile ein Weltmeer an Corona-Witzen, die einem irgendwie per Whats’app, Mail, Fax oder Brieftaube zugeleitet werden. Der größte Teil dieses Witze-Meeres ist flach wie das Wattenmeer. Den hier fand ich nicht schlecht: „Falls ihr auch euer Zeitgefühl verloren hab: Heute ist Montwoch, der 47. April“.

Denn es stimmt ja, trotz aller Lockerungen, die neue Normalität fällt mir immer noch schwer: Die Verkehrslage ist weiterhin montags wie früher sonntags, die Zahl der Spaziergänger dienstags wie samstags und sonntagabends fühle ich mich nicht so erholt, wie sonst nach dem Wochenende, sondern so wie an einem Montagabend. Alles geht ineinander über, Arbeit, Kinderbetreuung, Haushalt. So wird das sicher auch am heutigen Donnerstag, quatsch Montag, nein Dienstag sein.

Durch den Verlust des Zeitgefühls einerseits und dem Multitasking zwischen Arbeit und Familie im „home office“ lebt meine Familie in einem unspezifischen "Zeit-Brei". Zum Beispiel zieht sich das Mittagessen von 11 Uhr bis 14.30 Uhr hin, weil zwischen Planung, Kochen und Essen diverse Telefonate und Emails erledigt werden. Irgendwann um kurz vor drei gibt es dann das, was man im Fußball „sichere Elfmeterschützen“ nennen würde, Nudeln, Fischstäbchen, Reiberdatschi. Es ist während Corona nicht die Zeit, die Kinder an Bouillabaisse oder „Sellerie-Kaltschalen“ heranzuführen.

So vergehen die Tage und Wochen. Ein wenig Struktur bringt nun immerhin die Vorfreude auf Pfingsten in ab heute 34 Tagen. Denn da erwarten wir einen neuen saisonalen Geschenkeüberbringer, den sich mein Sohn ausgedacht hat, den Pfingsthasen. Der nämlich soll dann all jene Geschenke bringen, die der Osterhase verwehrt hat. Jeden Tag fragt er, wann der Pfingsthase denn „eigentlich“ kommt, so, als wäre es ganz klar, dass er überhaupt kommt.

Wir heißen den „Pfingsthasen“ herzlich willkommen als Partner in der Erziehung

Zunächst taten wir natürlich alles, um nicht noch ein Geschenkefest zu etablieren, mittlerweile heißen wir den „Pfingsthasen“ herzlich willkommen als Partner in der Erziehung, bzw. was davon übrig geblieben ist. Denn es ist schon praktisch, nach Vorbild Nikolaus oder Christkind jetzt noch 34 Tage sagen zu können: „Oh, das sieht der Pfingsthase jetzt aber, dass Du dein Zimmer in eine Müllhalde verwandelt hast!“

Jaja, keine Sorge, das mit dem an Pfingsten unpassenden „Hasen“ nehmen wir natürlich auch noch in Angriff. In ein paar Tagen werde ich das neue „Wording“ verkünden, dass der „Pfingsthase“ den Geschenke-Job nun an die „Pfingsttaube“ übergeben hat. Die Frage ist nur: Was passiert nach Pfingsten? Im schlimmsten Fall müsste man wieder mit etwas anfangen, was während Corona völlig verloren gegangen ist: Man nannte es damals „Erziehung“.

Aber darüber mache ich mir am heutigen Freitag noch keine Gedanken. Ihnen allen erst einmal Frohe Weihnachten.


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