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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Pfingsten - Auszeit zuhause

Pfingstzeit ist Reisezeit in Bayern. Jeder will eine Auszeit nehmen. Und deshalb reisen wir. Individuell, vielleicht exotisch und weit weg. Doch wir haben uns Gedanken über Alternativen gemacht. Eine Glosse von Wolfram Schrag.

Von: Wolfram Schrag

Stand: 11.06.2019

Es ist wieder einmal Auszeit in Bayern. Das Pfingstfest bildet den Start in die wichtigste Reisesaison. Und wer dann die A9 und A8, die A93, schwierig wegen der Blockabfertigung bei den Österreichern, die Inntalautobahn, die seltsame Kurve um das plexiglasverpackte Örtchen Schönberg, die gleichnamige Mautstation in Richtung Brenner und überhaupt den ganzen Wahnsinn einer automobilen Alpenüberquerung hinter sich hat, der macht, ja, eine Auszeit am Gardasee. Und da hat er dann alle die um sich, die auch eine Auszeit machen.

In diesen Wochen ist es vor allem eine bayerische Auszeit. Salute! Denn, das hat die aktuelle Tourismusanalyse der BAT-Stiftung ermittelt, das sind die Urlaubsformen, die in Zukunft immer wichtiger sind. Zwar mögen im Moment viele noch Pauschalangebote und Allround-Urlaubsparadiese schätzen, doch nicht mehr lange. Die Klassiker Richtung Sonne, Strand und Meer wird es weiter geben. Ja, die Warmwasserziele haben nicht ausgedient. Doch wird der Deutsche anspruchsvoller. Er habe multiple Urlaubsidentitäten, so die Forscher. Die Auszeit mit allen am Gardasee gehört dazu wie das Paddeln auf der Altmühl oder Radeln an der Mainschleife. Aber es bedeutet auch nichts Gutes für die letzten Paradiese dieser Erde. Hauptsache individuell. Und er begibt sich auf die Reise zu seinem eigenen Ich, so die BAT-Studie.

Multiple Identitäten gibt es auch im Tourismus

Multiple Identitäten gibt es eben nicht nur beim Psychiater, sondern auch im Tourismus. Es soll individueller sein, in schöner Natur und unberührter Landschaft. Und der Bundesbürger will über das Leben und sich selbst nachzudenken. Und wo passt das am ehesten: Natürlich im Wellnessbereich eines Hotels. Ich tu mir etwas Gutes und spreche darüber. Ach, diese drei Tage waren phantastisch. Jetzt weiß ich wieder, wo es lang geht. Und dann geht’s in den nächsten Kurzurlaub ins tropische Spaßbad mit exotischem Anstrich. Auch dorthin zieht es viele Deutsche für eine Auszeit. Erding statt Hawaii? Vielleicht sind das schon die Auswirkungen der neuartigen Flugscham? Ach ja, selbst reisen ist so kompliziert geworden. Schlechtes Gewissen statt Freiheit über den Wolken.

Und deshalb mal was ganz Unkompliziertes: Schauen Sie doch mal raus. Was sehen Sie da? Genau. Weniger Menschen als sonst. Die sind jetzt alle fort, im Pfingsturlaub und nehmen sich eine Auszeit. Gehen Sie raus: Auf dem Radweg gibt es kein Gedrängel und Geklingel, im Freibad ist Platz für alle, im Biergarten ist die Maß noch frisch gezapft, da es schnell geht an den Kassen. Und abgesehen von den Touristenmassen, die jetzt Bayern heimsuchen, ist jetzt eigentlich die Zeit für eine Auszeit. Hier! Und Prost!


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