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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Pax vobiscum, Armin Laschet!

Charles Darwin ist widerlegt: Armin Laschet stammt nämlich nicht von Primaten, sondern von Karl dem Großen ab, wie sein Bruder herausgefunden hat. Jetzt muss Friedrich Merz schon mindestens auf Hermann den Cherusker zurückgehen, wenn er noch eine Chance im Kampf um den Parteivorsitz haben will und Norbert Röttgen kann nur noch inständig hoffen, kein römisches Blut in den Adern zu haben – sonst wird er nichts in Germanien! Söder kann jetzt eigentlich nur noch Tassilo III. helfen. Hauptsache, das Mittelalter wird vollendet! Eine Glosse von Peter Jungblut.

Von: Peter Jungblut

Stand: 17.09.2020

Das wird Charles Darwin aber gar nicht gefallen. Ihm zufolge stammen ja alle Menschen vom Affen ab, und jetzt stellt sich heraus – alle, außer Armin Laschet, der geht angeblich zurück auf Karl den Großen. So will es dessen Bruder Patrick herausgefunden haben. Die Evolution kam also nicht ganz bis Aachen. Vielleicht waren die dortigen Quellen zu heiß oder der Dom wirkte auf die Naturgesetze irgendwie abschreckend.

Der Stammbaum der CDU muss jedenfalls umgeschrieben werden. Dachten bisher viele, die Partei sei vor Millionen von Jahren in Konrad Adenauers Gartenteich entstanden und habe das Wasser gerade rechtzeitig verlassen, als die SPD von einem Asteroiden erschlagen wurde, wissen wir jetzt: Es war Gottes Wille, und Armin Laschet wird vollenden, was Karl der Große leider nicht mehr fertigstellen konnte: Das Mittelalter.

Nun haben Laschets Konkurrenten um den Parteivorsitz natürlich ein dickes Problem. Friedrich Merz müsste mindestens von Hermann, dem Cherusker abstammen, um wieder in Führung zu gehen, und Norbert Röttgen kann eigentlich nur noch inständig hoffen, dass er keinen Tropfen römisches Blut in den Adern hat, sonst wird es für ihn ganz düster in Germanien.

Was Laschet betrifft, war ja eigentlich naheliegend, dass er der legitime Nachfolger von Karl dem Großen ist, spätestens als er Anfang des Monats versuchte, in Dresden die Sachsen zu bekehren.

Gut, Laschet ließ anders als sein durchsetzungsfähiger Urahn alle leben und zerstörte auch nicht deren Heiligtum, aber dem 1,80 m hohen Kurt-Biedenkopf-Granitstein in Schlema werden ja auch nur noch Erinnerungen geopfert, keine Stimmen. Insofern richtet er kaum noch Schaden an.

In den letzten 1200 Jahren haben die Heiden doch viel von ihrem Schrecken verloren, und manche beten inzwischen sogar zu Angela Merkel, wenn auch nur aus Angst vor Hagel, Kramp und Karrenbauer.

Fraglich ist jedoch, warum sich Laschet ausgerechnet in Stuttgart zum Kaiser krönen lassen will und nicht wie Karl der Große in Rom. Womöglich will Laschet vermeiden, dass ihm der Papst die Füße salbt, sonst rutscht er im Bundestagswahlkampf noch aus, und reiten kann er ja schlecht: Erstens holte sich Karls berühmter Elefant Abul Abbas im Rhein eine Lungenentzündung, und zweitens lenken Tiere immer vom Wahlprogramm ab.

Markus Söder übrigens lässt gerade klären, ob er von Karls bayerischem Vetter Tassilo III. abstammt und mit Ludwig II. verwandt ist

Viele in den Archiven, aber auch in der CDU werden jetzt wohl inständig darauf hoffen, dass Laschet möglichst bald baden geht. Nicht, was Sie jetzt vielleicht denken, sondern Karl der Große plantschte ja oft und gern in den Aachener Becken und nahm dabei außer seinem Pferd auch immer seinen engsten Führungskreis mit ins Wasser. Sobald Laschet die Badehose anzieht, dürfte sich also herausstellen, wer unter ihm Minister wird und Europa nass machen darf.

Markus Söder übrigens lässt gerade klären, ob er von Karls bayerischem Vetter Tassilo III. abstammt und mit Ludwig II. verwandt ist. Der eine gründete Kloster Frauenchiemsee, der andere baute ganz groß auf Herrenchiemsee. Und wo war Söder im Sommer mit Merkel? Darauf einen Schluck aus dem Tassilo-Kelch – Pax vobiscum! Von mir aus auch: Happy Mittelalter.


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