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Ende der Welt Parship, Pärchen und Prozente

Erst wirbt Parship mit erfolgreicher Partnervermittlung alle elf Minuten. Jetzt wartet die Agentur damit auf, was die Öffentlichkeit an Paaren nervt und was nicht. Die Vermittler bitten um Verständnis für Neuverliebte: Paare hätten ihre eigene Dynamik. Eine Glosse von Gregor Hoppe.

Von: Gregor Hoppe

Stand: 26.11.2018

In Zeiten von „metoo“ weisen Partnervermittlungen vielen den Weg aus dem Dilemma – sie bieten durch Vorauswahl beiden Seiten eine gewisse Sicherheit, sind womöglich sogar haftbar zu machen bei etwaigen Verwechslungen; auf jeden Fall können Suchende ihnen, wenn des Lebens Unbill wiedermal die schönsten Hoffnungen zu Nichte gemacht hat, die Schuld zuschieben.

„Parship“, eines der bekannteren Institute, führt für sich ins Feld, alle 11 Minuten verliebe sich dort – oder darüber – ein Single. Ob glücklich oder nicht, erfahren wir nicht. Aber die vorangegangenen 10 Minuten lang hat sich jedenfalls schon mal nicht das Geringste gerührt.

Interessant, dass ausgerechnet die in Rede stehende Vermittlung nun mit Statistiken aufwartet, die nachdenklich stimmen – und zwar zu bestimmten Verhaltensweisen von Paaren und deren Wirkung in der Öffentlichkeit. Rund 1000 befragte Bundesbürger haben wichtige Erkenntnisse geliefert: Babysprache zwischen Paaren nervt fast dreiviertel der Bevölkerung, wobei Damen noch allergischer auf – Zitat – „Duzi-Duzi“ reagieren als Männer. Kosenamen wie „Liebling“ dagegen seien für 43 % der Deutschen kein Problem, wobei die Erhebung die entsprechenden 57 % unter „kaum einer“ laufen lässt – deutlich mehr als jeder zweite hat also offenbar sehr wohl was gegen Kosenamen in der Öffentlichkeit. Was Frauen, die in Modefragen kompetenter sind, weniger stört als Männer, ist hingegen ein Pärchen im Partnerlook. Das halten 46 % der Frauen noch aus, ganze zwei Drittel der befragten Männer aber treibt ein gleich angezogenes Pärchen auf die Palme.

Diese Daten werfen in der Gesamtschau ein zweifelhaftes Licht auf die Beliebtheit der „Wildecker Herzbuben“. Dieses, freilich nur zusammen musizierende Duo, wir erinnern uns, heimste Erfolg um Erfolg ein, obwohl beide Sänger in weiß-roter Einheitskleidung auftraten und öffentlich das Wort „Herzilein“ im Munde führten.      

Das Mindeste, was die kalte Außenwelt dem Glück der Zweisamkeit schuldet

Aufklärung bietet nach diesen vielen nüchternen Zahlen, woran sich die Statistik gleichwohl liebestrunken redet, Eric Hegmann - ein Coach und Paarberater von Parship. Er wirbt für Toleranz und Verständnis Paaren gegenüber. Und das ist nun in der Tat das Mindeste, was die kalte Außenwelt dem Glück der Zweisamkeit schuldet. Denn, so Hegmann weiter, Paare entwickelten in einer Beziehung „ihre ganz eigene Dynamik.“

Das ist leicht herausgefunden, aber oft nur schwer verkraftet. Denken wir an die seit Jahrzehnten miteinander glücklichen Paare, die sich im Restaurant stundenlang bleiern schweigend gegenübersitzen. Wenn wir das nächste Mal wieder am Nebentisch sitzen, sollten wir mindestens ein aufmunterndes „Duzi-Duzi“ für sie erübrigen.     


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