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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Opas Erbe nur gegen Enkelbesuch? So nicht!

Es gibt ein Leben vor dem Tod, in dem man Zeit hat, sich zu besuchen. Was aber, wenn einem klar wird, dass einige Verwandte schon Jahre nicht mehr aufgetaucht sind? Verdienen die's, zu erben, wo man ihnen doch anscheinend egal ist? Oder darf man mit dem Erbe winken, um Besuche zu bekommen? Ach, das Ganze wäre amüsant, wenn's nicht so trostlos wär… Eine Glosse von Norbert Joa.

Von: Norbert Joa

Stand: 21.02.2019

Erster Gedanke: Mensch, der arme, einsame Opa. Nun isser nicht mehr und hatte sich wohl so sehr Besuch gewünscht – und nicht erst am Grab. Und drum vor Jahren im Testament verfügt - das allen bekannt war - dass die beiden Enkel je knapp 100.000 Euro erben - wenn sie ihn mindestens sechsmal im Jahr besuchen. Haben sie aber nicht, die minderjährigen Rotzlöffel. Oder wurden nicht gebracht. Und weil sie nach dem Tod des Unbesuchten tatsächlich leer ausgingen, zogen sie vors Oberlandesgericht Frankfurt. Und haben dort – wie soll man sagen – Recht bekommen. Die Forderungen des Großvaters seien „sittenwidrig“ und würden die Erben unzumutbar unter Druck setzen – so die Richter, im Namen des Volkes.

Das antwortet sogleich in den Kommentarleisten: „Das Urteil fühlt sich sittenwidrig an. Solche Enkel verdienen kein Erbe“. – Nächster: „Seit wann werden Erbschaften verdient?“ – Nächste: „Sollte gerichtlich um mein Erbe gestritten werden, geht alles ans Tierheim.“ Nächster: „Wenn ich wüsste, dass die nur vorbeischaun, weils dafür Geld gibt nach meinem Tod“ … und so weiter - Hunderte Kommentare binnen Stunden, denn Sterben und Erben, das geht – wie man so schön sagt –  richtig tief rein und so stößt man bereits nach zwei Mausclicks auf schlanke Zeilen wie: „Kinder enterben – so geht’s“.  

Wärs nicht fair, dem Enkel am meisten zu vererben, der einen am häufigsten besucht?

Da kommt einem der zweite Gedanke – was, wenn der reiche, einsame Opa ein Tyrann gewesen ist, was Grobes getan hat und sich danach die Zuwendung so erkaufen wollte? Überhaupt, wenn jeder Enkelbesuch übern Daumen 3.000 wert ist, was kann er dafür erwarten? Umarmungen nicht unter 10 Sekunden, 17 rote Rosen, unterhaltsame Sketche aus Schule und Universität nicht unter fünf Minuten? Ein Rollstuhlausflug mit Gitarrenbegleitung? Und wärs nicht fair, dem Enkel am meisten zu vererben, der einen am häufigsten besucht?

Dagegen der arme, einsame Opa aus der Sozialsiedlung – kann der für sein 5.000 Euro Erbe mehr erwarten als einen Jahresbesuch mit flüchtigem Handschlag, einem aufmunterndem „Kopf Hoch“! und „Ich muss wieder los“ ?

Na, interessant wärs schon, wie´s den Enkeln mit den 100.000 ergeht, die Opa ihnen am Ende nicht geben wollte – weil sie ihn nie sehen wollten. Oder ihr enterbter Vater sie nie brachte. Ob Segen auf diesem Geld liegt? Ob sie mit dem Geld mal Zuwendung erkaufen - rechtlich zulässig - im Rotlichtbezirk? Keine schönen Fragen, früh am Morgen und drum hat jetzt das letzte Wort ein Käptn Blaubär aus der Kommentarleiste: „Hey Leute - am Besten alles aufn Kopf hauen und nur die Erkenntnis vererben: Das Leben ist schön !“


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