Bayern 2 - radioWelt


0

Ende der Welt - Die tägliche Glosse Mitten im "Paaradies"

Die Folgen der Corona-Krise fürs Private sind augenscheinlich nicht absehbar. Bayerns Familienministerium hat jetzt eine Website aufgelegt, die von zwangsweiser Zweisamkeit genervten Paaren helfen soll. Eine App folgt alsbald. Losung: „Paaradies“(!) Eine Glosse von Gregor Hoppe.

Von: Gregor Hoppe

Stand: 18.05.2020

Rechtzeitig zur letzten der Eisheiligen, der „koidn Sophie“, wie man den 15. Mai im katholischen Bayern nennt, hat Bayerns Familienministerin Carolina Trautner Wärmend-Anheimelndes auflegen lassen. Wo in Bayern und anderswo eine Familie noch eine Paarbeziehung beinhaltet, kann die neue Websitewww.damit-die-liebe-bleibt.de bestimmt gute Dienste tun.

Oft entspringt der im Moment so dringlich geäußerte Wunsch nach sofortiger, umfassender Lockerung der Corona-Beschränkungen ja der Erfahrung, wochenlang mit dem Ehepartner in aller Enge zusammen gewesen zu sein. Dabei sind nur allzu oft der zwangsweisen Häuslichkeit ernste Fehlentwicklungen entwachsen. Und so wäre der Ratgeber der geschätzten freistaatlichen Ministerialbürokratie für Paare und deren Probleme niemals Gegenstand dieser Zeilen geworden, wäre die neue Website nicht auch noch Teil des Gesamtprojekts „Paaradies“. Mit insgesamt drei „a“ geschrieben, Paar-a-dies. Eine schwer haarige Benennung, auch wenn der letzte Friseurbesuch schon länger zurückliegt.

Nun, die Website stützt sich auf die Arbeit des „Instituts für Kommunikationstherapie und angewandte Forschung in Partnerschaft und Familie e.V.“ Und dies ist wiederum eine Forschungseinrichtung der Erzdiözese München und Freising. Wahrscheinlich deshalb sieht man im Internetauftritt nur Paare aus Frau und Mann. Damit aber, wer wollte es leugnen, fangen die Probleme zumeist auch an, zu deren Beseitigung die Website beitragen möchte.

Als Themenliste für klärende Gespräche finden angekriselte Eheleute 64 Punkte von „Ansehen“ bis „Ziele“ aufgeführt

Überhaupt ist Misstrauen hier nicht angebracht, denn die neben einer Dame männlichen Therapiekräfte bei „Paaradies“ heißen Engl und Thurmair. Das verheißt nicht nur ein gerüttelt´ Maß an Kompetenz, was die himmlischen Gefilde angeht, sondern versetzt auch sofort zurück in die Paradiespforten-Szenen im legendären „Brandner Kaspar“. Darin kennzeichnen den Erzengel Michael hinlänglich Flammenschwert und Flügel. Und „Turmair“ war der Familienname des Johannes Aventinus, aus Abensberg also, er gilt als Wegbereiter der Sprachwissenschaften in Bayern und verkehrte brieflich mit Luther und Melanchthon, ohne sich der Reformation anzuschließen. Im „Brandner Kaspar“ wirkt er mäßigend auf die gern etwas auffahrenden Nantwein und Michael ein.

Es sind also gewichtige Autoritäten, die über der paartherapeutischen Arbeit des Projekts „Paaradies“ walten mögen! Als Themenliste für klärende Gespräche finden angekriselte Eheleute 64 Punkte von „Ansehen“ bis „Ziele“ aufgeführt. Diese nach allen Regeln der Kunst abzuarbeiten, garantiert geradezu das Verbleiben der Liebe, solange Corona auch währt, notfalls bis St. Nimmerlein.


0