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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Mir stinkt's - von Käse und anderen Gerüchen

Mir stinkt’s. Es ist ein Ausruf, der in die Zeit passt. Die Mehrheit der SPD-Mitglieder will deshalb aus der Groko und hat sich ein neues Führungspersonal genehmigt. Und den anderen stinkt der Käse des Nachbarn. Ja, auch Käse hat das Zeug, die Gesellschaft zu spalten. Eine Glosse von Wolfram Schrag.

Von: Wolfram Schrag

Stand: 03.12.2019

Mir stinkt’s! Mit so einem Ausruf kann man Geschichte schreiben. Beispiel SPD: Die Mehrheit der Mitglieder hat eben damit ihrem Ärger Luft gemacht und das Duo aus Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans an die SPD-Spitze gewählt. Mir stinkt’s, haben die SPD-Mitglieder gerufen und damit die GroKo gemeint. Da kann die geschäftsführende Chefin Malu Dreyer noch so darum bitten, etwas runterzukochen. Wer mir stinkt’s! ausruft, der will am Herd noch mal aufdrehen, bis sich etwas tut. Und wenn der Topf wegfliegt, was soll‘s. Raus aus der GroKo oder wie auch immer. Es scheint, als ströme die Regierung für manche einen seltsamen Geruch aus. Unter dem Motto: Mir stinkt’s! waren auch schon die 68er unterwegs, um den Muff von 1000 Jahren zu entfernen oder die Friedensbewegung. „Mir stinkt‘s! ruft auch die Fridays for Future-Bewegung. Tut was fürs Klima, sofort und nicht erst 2040.

Mir stinkt’s! Es ist ein Ausruf, der in die Zeit passt. Keine Kompromisse. Da werden sozusagen die großen Stinkefinger in die Welt gehalten. Dabei gibt es doch auch die kleinen. Es sind die, die zunächst damit anfangen, dass es hier irgendwie stinkt. Und dann sieht man die Bescherung. Der Hundekot hat sich in der filigranen Sohlenlandschaft des Sportschuhs verteilt, ach was festgefressen. Es stinkt im wahrsten Sinne des Wortes bestialisch. Und mir stinkt’s, aber sowas von!

Käse, so scheint es, spaltet die Gesellschaft

Hier stinkt’s!, sagen zum Beispiel auch Bewohner eines Hauses im Oberbayerischen. Um dann nachzuschieben: Und mir stinkt’s auch. Es geht nämlich um Käse. Und um einen, der diese seit etlichen Jahren in seinem sogenannten Kasladen herstellt. Sie wissen schon: nachhaltig, regional, glückliche Kühe. Ein Käse muss erwachsen werden, wie es in einschlägigen Fachmagazinen heißt. Und das heißt, er muss ruhen und das ist Problem! Kaum ist die Rohmilchmasse mit Bakterien versetzt, fängt der beginnende Käse an zu leben und zu arbeiten und ja, er beginnt auch zu riechen. Nur die Nachbarn sagen: Es stinkt, und zwar gewaltig.

200 Käsesorten hat der Besitzer in seinem Laden. Und bekanntermaßen gibt es da einige, bei deren olfaktorischer Ausstrahlung sich die Geister scheiden. Die einen kriegen beim Limburger oder Romadur, aber auch beim Appenzeller feuchte Augen und die anderen weiche Knie. Käse, so scheint es, spaltet die Gesellschaft. Und daher passt er ebenfalls in die Zeit. Die Nachbarn haben sich auch schon vor Gericht getroffen.

Wenigstens dies dürfte übrigens der SPD erspart bleiben: Sie trifft sich diese Woche zum Parteitag. Und da wird die Führung schon beruhigt sein, wenn die Delegierten zumindest den Limburger zu Hause lassen.


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