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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Markenschutz fürs Oktoberfest

Findige Geschäftsleute planen eine Oktoberfest-Kopie in Dubai. Die Stadt München hat aber längst einen Antrag auf Markenschutz gestellt. Damit wäre das Oktoberfest geschützt wie die Weißwurst. Das wirft aber eine Menge Fragen auf, meint Roland Söker.

Von: Roland Söker

Stand: 04.05.2021

Der Satz „Die Wiesn geht viral“ hätte in diesem Jahr eher Panik als Begeisterung ausgelöst. Aber nach der gestrigen Absage kommt nun keiner mehr in die Bredouillie, vorm Festzelt seinen QR-Code aus der Lederhose zu zuzln.

Die Oktoberfest-Absage befeuert aber den Plan findiger Geschäftsleute, eine Oktoberfest-Kopie in Dubai zu veranstalten, natürlich größer als das Münchner Original und gleich sechs Monate lang.

Toni Roiderer, ehemaliger Sprecher der Wiesnwirte sagt dazu, er sei Wiesnwirt und kein Wüstenwirt! Diese Trennung könnte allerdings der Klimawandel bald zunichtemachen. Wenn das Erdinger Moos in ein paar Jahren zu einer tropischen Savanne geworden ist, ist die Theresienwiese längst ein Trockenbiotop, dass sich eben nur zur Oktoberfestzeit in eine feuchtfröhliche Oase verwandelt.

Warum also nicht schon heute mitsamt Bierfässern in die Wüste gehen? Sprudelnde Quellen in Geld zu verwandeln ist schließlich die Kernkompetenz eines Scheichtums.

Aber nixda, die Landeshauptstadt hat längst das schwerste Geschütz gegen die Dubai-Connection aufgefahren und den Markenschutz für das Oktoberfest beim Europäischen Amt für geistiges Eigentum beantragt.

Für Oktoberfest-Kopierer weltweit stellt sich jetzt die Frage, worauf sich der Markenschutz eigentlich erstreckt? Was ist der Kern des geistigen Eigentums des Oktoberfestes? Nur der Name? Darf Dubai seine Kopie dann ungestraft Septoberfest nennen – zumal dieser Name dem jährlichen Zeitpunkt des Münchner Originals ja eigentlich näherkommt? Oder darf es in Dubai eigentlich trotzdem ein Italiener-Wochenende geben, wo die meisten Gastarbeiter dort doch aus Indien und Bangladesh kommen?

Gehört eigentlich der Ausruf „Ozapft is!“ nicht auch zum geistigen Eigentum?

Gehört eigentlich der Ausruf „Ozapft is!“ nicht auch zum geistigen Eigentum? Und „Ein Prosit der Gemütlichkeit“? Kann es Gemütlichkeit bei 40 Grad im Schatten überhaupt geben? Darf im Wüstenzelt der jährliche Wiesnhit angestimmt werden, ohne dass Markenrechte verletzt werden?

Und Dubai ist ja bei weitem nicht der einzige Ort, an dem das Oktoberfest kopiert wird. Wenn China zum Beispiel ein Oktoberfest ausrichtet, welche Sanktionsmöglichkeiten haben wir dann eigentlich? Schicken wir ab November zur Strafe dann keine BMWs mehr nach China? Verbieten wir dann umgehend die Senderechte für die Spiele des FC Bayern im chinesischen Fernsehen? Dann werden sich aber schon bald vermutlich weder die bayerischen Autobauer noch die FCB-Vereinsfunktionäre mehr eine Box im Festzelt leisten können. Zumal das chinesische Joint-Venture sicher kackdreist ein Oktoberfest-Sondermodell der 3er-Reihe auf den chinesischen Markt werfen und die Chinese Super League sich einfach sämtliche Originalspieler des FC Bayern auf dem Transfermarkt unter den Nagelsmann reißen würde.

Eins ist jedenfalls sicher: An den zukünftigen juristischen Auseinandersetzungen um den Markenschutz fürs Oktoberfest werden sich nicht nur Münchner Rechtsanwälte eine goldene Nase verdienen. Prost!


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