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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Lifehack Wäscheklammer

Wer die Wäscheklammer noch zu dem Zwecke verwendet, Wäsche aufzuhängen, der ist nicht in den Zwanzigern angekommen. Die Wäscheklammer ist inzwischen das universelle Multifunktionstool der Generation Lifehack geworden. Und hilft uns sogar im Kampf gegen Corona, stellt Katharina Hübel fest.

Von: Katharina Hübel

Stand: 15.04.2021

Wozu benutzt Du Wäscheklammern? Etwa noch zum Wäscheaufhängen? Ja, so langweilig war das mal gedacht, als der Thüringer Korbmacher Emil Richard Füchsel im 19. Jahrhundert seine Erfindung beim Kaiserlichen Patentamt anmeldete. Doch dann kam der Wäschetrockner. Und damit – so genial das Konzept mit dem Wäscheklammern mal war – hat es sich überholt. Ausgedient. Aber da die Erfindung schonmal in der Welt war, haben die Menschen sie eben für neue Zwecke eingesetzt. Aus der Wäscheklammer ist ein inflationärer „Lifehack“ geworden. Also: „Lebenskniff“. Ein universelles Multifunktionstool: Kartenständer, Kabelhilfe, Zahnpasta-Ausdrücker – was auch immer Du willst.

Youtube ist geflutet von Wäscheklammer-Tutorials – und es scheint ein Hobby aller Erzieherinnen zu sein, sich diese Million Basteltipps reinzuziehen. Und die Eltern kriegen all die Wäscheklammerholzsterne, Krokodile und Kühlschrankmagneten nach Hause gebracht. Aber jetzt haben die Eltern die Chance, die eingeschleppten Wäscheklammer-Vorräte wieder zurückzuschaffen. Ja, sie werden sogar von der Schulleitung höchstpersönlich schriftlich dazu aufgefordert. Wäscheklammern sind jetzt nämlich offiziell Teil des Hygieneplans. Damit lassen sich prima Abstandshalter basteln oder die Nasen unter den FFP2-Masken zuklammern. Oder man kann damit einfach nur Dinge aufheben und von A nach B bewegen, ohne dass man sie direkt anfassen muss.

Doch essentiell sind die Wäscheklammern für die Corona-Selbsttests, die die Schüler zur Zeit machen müssen. Die Schnelltest-Hersteller liefern das Komplett-Sorglospaket, ein professionelles Mini-Labor mit Extraktionsreagenzglas, Pufferlösung, Reagenzienkarte, Stäbchen, alles steril verpackt. Nur eines fehlt: Die Halterung für das Reagenzglas. Und da kommt die Wäscheklammer ins Spiel – sie ergänzt die Laborausstattung perfekt.

Man sieht: Auch der beste Wäscheklammer-Lifehack hat seine Grenzen

Doch es ist eine Wissenschaft für sich. Was nimmt man da? Die gute, alte Holzklammer à la Emil Richard Füchsel? Die wird gerade von älteren, in Designfragen sehr kritisch gesinnten Schülern ungnädig auf dem Schulweg entsorgt wie das Vollkorn-Pausenbrot und die Gemüsebox. Uncool. Eine farbige Plastikklammer? Besser. Aber auch da gibt es Design und Design. Und vor allem: nicht jede Altersstufe akzeptiert jegliche Farbwahl.

Eltern müssen hitzige Debatten in Kauf nehmen, ob es einem Neuntklässler zuzumuten sei, seinen Nasen-Popeltest mit einer rosa Plastikklammer zu vollziehen oder nicht. Man sieht: Auch der beste Wäscheklammer-Lifehack hat seine Grenzen. Das Leben kneift genug. Wer einfach mal zurückzwicken will, dem sei ein richtig guter Kniff verraten: Wäscheklammern eignen sich auch hierfür ganz hervorragend.


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