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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Leichen kompostieren

Irgendwann, irgendwie, irgendwo muss jeder mal wohin. Und für dieses "wohin" gibt es ja - zumindest in den USA - so einige Varianten: Asche zum Diamanten gepresst, Bestattung im Weltraum - und bald nun auch: sich kompostieren lassen. Eine Beerdigung auf Bio-Art sozusagen, für den heimischen Garten. Auf Oma wächst es sich doch immer noch am besten. Eine Glosse von Norbert Joa.

Von: Norbert Joa

Stand: 23.05.2019

"Nun muss die Försterin sich eilen, den Gatten sauber zu zerteilen … Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied – was der Gemahl bisher vermied … und packt zum Schluss, es geht auf Vier, die Reste in Geschenkpapier."

Ach, Loriot – für sich wählte der Schöpfer des bizarren Adventsgedichts freilich ein weniger spektakuläres Finale und - ganz alte Schule – eine klassische Erdbestattung. Irgendwann, irgendwie, irgendwo muss ja ein jeder mal wohin. Und nur noch eine Minderheit wählt die Variante: Holzkiste und in 1,80 Tiefe ein paar Monate zuwarten. Die Mehrheit ist Feuer und Flamme für die Asche - so bleiben nach 100 Minuten grad mal zwei bis drei Kilo von einem.

Und nu? Ist der Deutsche auch im Tode nicht ganz frei – Friedhofszwang. Also nix Urne im Bücherregal, gleich neben der ASCHE MEINER MUTTER - oder draußen im Garten oder sonst was … wie´s andere Länder erlauben. Dort wird Opa vom Winde verweht, droben im Heißluftballon, oder ein sehr kleiner Teil von Oma zu Diamant gepresst. Also gut drauf aufpassen! Macht 4 000 Euro, aufwärts.

Apropos: die US Firma Celestis bietet auch Bestattungen in diebstahlsicherer Entfernung an – im Weltraum. Ab 5 000 Dollar geht’s in die Umlaufbahn, mit zig anderen an Bord – zwar immer nur 7 Gramm, der große Rest von einem steht dann vermutlich gleich neben STAR WARS – aber diese 7 Gramm, die kreisen dann jahrelang über den Häuptern der Lieben. Celestis zeigt auf einem Werbefoto eine kleine Silberhülse – darauf graviert, der Name eines Patrick Lombard – und: „RIGHT ON – soviel wie: YEAH, super, auf geht’s!“. Dabei drückt uns Patricks Trägerrakete nochmal Horrormengen an Co2 in die Atmosphäre. Und noch viel mehr, wenn er sich dorthin schießen lässt, wo man andere immer hin wünscht - auf den Mond. Macht 13 000 Dollar.

Um die 800 Kilo Erde – weniger geeignet für Mieter mit kleinen Balkonen

An dieser Stelle würde Loriot die eine Augenbraue etwas hochziehen. Um wieder unbewegt zu schauen, wenn er von der nächsten Wendung erführe, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ab Mai nächsten Jahres ist es im Bundesstaat Washington erlaubt, sich kompostieren zu lassen. Und das meint nicht monatelanges Verwesen im Sarg. Die Anlage der Firma Recompose steht bereits, in Seattle – dort werden die Körper in Großbehältern voller Pflanzenreste, Stroh und Holzspänen gelagert – und mittels Sauerstoff und Mikroben verwandelt sich alles bei 50 bis 70 Grad Wärme binnen weniger Wochen in - Erde. Die können Angehörige mitnachhause nehmen. Um die 800 Kilo – weniger geeignet für Mieter mit kleinen Balkonen. Aber sonst - könnte doch daraus ganz am Ende … etwas sehr Schönes erwachsen. Oder wie sehen Sie das?


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