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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Kunst und Schokolade - im Quadrat

Menschen mit Ecken und Kanten haben es nicht leicht, die Schokolade aber auch nicht. Jedenfalls wird heute beim Bundesgerichtshof über quadratische Produkte gestritten. Das letzte Urteil dazu war vor drei Jahren so trapezförmig, das allen schwindlig wurde. Doch Kenner der Geometrie wissen natürlich: Zwei Parallelen treffen sich im Unendlichen. Das liegt allerdings hinter Karlsruhe. Eine Glosse von Peter Jungblut.

Von: Peter Jungblut

Stand: 14.05.2020

Menschen mit Ecken und Kanten haben es ja bekanntlich auch nicht immer leicht, warum soll es also ausgerechnet der Schokolade anders ergehen? Jetzt laufen Sie aber nicht gleich lila an, denken auf gar keinen Fall um drei Ecken und springen auch bitte keinesfalls im Quadrat, denn das ist alles streng geschützt beim Deutschen Patent- und Markenamt.

Kein Wunder also, dass sich der Bundesgerichtshof in Karlsruhe heute abermals mit der Frage beschäftigen muss, ob in Deutschland nur eine einzige Schokoladenmarke quadratisch sein darf. Das Thema beschäftigte die Richter zwar auch schon vor drei Jahren, aber das damalige Urteil war offenkundig so trapezförmig, dass beim Lesen allen schwindlig wurde.

Runde Entscheidungen sind hierzulande eben selten und pyramidale Beschlüsse kommen aus Karlsruhe ja allenfalls dann, wenn der CSU-Zackenbarsch Peter Gauweiler mal wieder gegen die Merkel-Raute geklagt hat.

Wenn Sie jetzt Kopfschmerzen haben, liegt das sicherlich nicht an der Geometrie, sondern eher an der Justiz, die sich halt gern im Kreis bewegt. Aber wenn Sie das Verhältnis vom Umfang eines Urteils zum Durchmesser der Entscheidung genauer bestimmen wollen, brauchen Sie schon einen Quadratschädel, andernfalls wird Ihnen bestimmt ganz schwarz vor Augen und Sie wachen mit der Zahl Pi wieder auf, allerdings weit hinter dem Komma. Wenn Sie Glück haben, sogar dort, wo noch kein Mathematiker jemals hingekommen ist. Die Stelle dürfen Sie dann feierlich taufen.

Das ist ja offenbar gerade dem Sohn des berühmten Tesla-Unternehmers Elon Musk passiert, weshalb er X Æ A-12 heißt oder so ähnlich, für Schokolade ist er allerdings noch zu jung und ob sich die Gerichte mit seiner Form befassen müssen wird sich zeigen. Sollte jemand behaupten, der Kleine habe die Nase von der Mama und die Augen vom Papa, ist nur zu hoffen, dass das beides noch nicht beim Patent- und Markenamt eingetragen ist, sonst gibt´s garantiert Scherereien durch drei Instanzen.

Fachleute werden den endlosen Streit um die quadratische Schokolade womöglich als Parabel sehen, also als schwungvolles Gleichnis auf die Vergeblichkeit, unserem Leben eine Form zu geben, die den Vorschriften des Daseins im Allgemeinen und des Markenrechts im Besonderen entspricht.

Vorausgesetzt, die Grenzen werden irgendwann wieder durchlässiger und die Schokoladen-Produzenten vernünftiger

Da könnten Laien direkt schwermütig werden, aber wer in Geometrie wach geblieben ist, der weiß natürlich, dass sich zwei Parallelen doch eines Tages treffen, wenn auch im Unendlichen. Das liegt noch hinter Karlsruhe, ist aber mit Paragrafen erreichbar, vorausgesetzt, die Grenzen werden irgendwann wieder durchlässiger und die Schokoladen-Produzenten vernünftiger.

Dafür müssten sie sich freilich auf irgendeiner Tangente soweit berühren, dass sie kein Interesse mehr daran haben, sich gegenseitig aus dem Markt zu kegeln, egal ob mit oder ohne abgeschnittener Spitze. Das wäre dann ein Kegelstumpf – hoffentlich kommt der nur in Karlsruhe dran und nicht im bayerischen Abitur, denn diese Form lässt sich garantiert leichter vernaschen als berechnen!


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