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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Kiniwand: Mount Rushmore royal

Bayern ist ein Land der Berge. Wie kommt es da, dass nicht schon längst die Gesichter bayerischer Größen in den Fels gemeisselt wurden?! Nun aber ist Schluss mit der Nachlässigkeit. Der Kini kommt in die Kampenwand. Oder doch nicht?! Eine Glosse von Barbara Kostolnik.

Von: Barbara Kostolnik

Stand: 30.06.2020

In diesen finsteren Zeiten, wo weltweit Denkmäler gestürzt, Bilder gestürmt werden, kommt mal wieder ein Hoffnungsschimmer – aus Bayern. Woher denn auch sonst?! Dieses Bayern war und ist ja nachgerade eine Brutstätte von Lichtgestalten, Edmund Stoiber, der eine Papst, Sisi, der Kaiser, Florian Silbereisen, Lothar Matthäus. Das fängt mit der CSU an und hört mit dem FC Bayern München noch lange nicht auf, das ist der Anspruch, immer vorn dabei, immer am schnellsten, immer ganz oben. Oder, um mit dem lebenden Denkmal Oliver Kahn zu sprechen: weiter, immer weiter.

Während also andernorts Denkmäler geschleift werden, macht man sich in Bayern daran, neue zu meißeln. Und zwar nicht irgendwo, einfach so, sondern in den Berg. Bietet sich natürlich an, im Land der Berge – fast schon komisch, dass da keiner früher draufgekommen ist. Bayern, so will es der Geheimbund der Guglmänner, eine Art bajuwarischer Ku-Klux-Klan, zumindest was die Verkleidung betrifft, soll endlich ein adäquates König-Ludwig-der-Zweite-Denkmal bekommen – es gibt ja bislang auch kaum welche – und zwar mitten in der Kampenwand. Die Kampenwand soll Kini-Wand werden, Mount Rushmore in royal – Bayern ist eh immer schon mehr Königreich als Demokratie gewesen.

Das Antlitz des Märchenkönigs in hellgrauen Kalk gehauen soll weit über Aschau ins Land strahlen, unübersehbar, auf sein Schloss Herrenchiemsee und Scharen von Touristen, die ihrerseits gebannt auf den tollen Hecht starren, der der Kini nun mal war. Ein Friedensfürst, ein Kunstliebhaber, ein Visionär. Skandalumtost, mythenumrankt. Allerdings müssten vorher erst noch einige Steine aus dem Weg geräumt werden. Die Kampenwand ist nämlich in Privatbesitz. Sie gehört dem berühmten Rasso von Cramer-Klett, einem Baron, mindestens so katholisch wie die heilige Gloria – der sicher nicht allzuviel mit dem liederlichen Lebensstil des Kini anzufangen weiss. Rasso von Cramer-Klett lässt vermutlich lieber seinen Urahn Theodor junior, einen päpstlichen Kammerherrn und glühenden konvertierten Katholiken in die Wand hauen, als den dekadenten Kini.

Ein anderer großer Bayer kommt wohl auch nicht in Betracht

Ein anderer großer Bayer kommt wohl auch nicht in Betracht, obwohl sein Marktwert und seine Beliebtheit derzeit alle Rekorde brechen. Für Markus Söder wäre die schnöde Kampenwand mit ihren 1669 Metern Höhe schlicht zu mickrig. Ein Mann, der sich anschickt, Kanzler von Deutschland zu werden, braucht mindestens die Zugspitze. Mindestens.


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