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Ende der Welt Kinderwagen von Mercedes

Mit Vollgas über die Gehwege: Mercedes lässt jetzt auch Kinderwagen bauen. Eine Familienkutsche mit umweltschonendem Antrieb, dem ein tiefergelegtes Rollator-Modell für's Alter folgen könnte. Eine Glosse von Ulrike Nikola.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 07.01.2019

Mit seinem neusten Modell wird der Autohersteller Mercedes sicherlich keinen Abgas-Skandal auslösen, höchstens einen Baby-Boom. Die Antriebsart ist nicht elektrisch, und trotzdem lässt sie die Feinstaubwerte nicht in die Höhe schnellen. Denn der Antrieb ist sozusagen familiär bedingt: Allein durch die Kraft der Mamas, Papas, Omas und Opas schießt das neue Modell windschnittig durch die Parks und an der Isar entlang - auf mehr als 50 km/h kommt es aber nur, wenn mehrere Großfamilien gemeinsam anschieben und zum Überholmanöver auf dem Gehweg ansetzen.

Ja genau, Sie haben es erraten: Mercedes baut jetzt Kinderwagen! Vorne prangt der silberne Stern, genau der, den Papa früher gerne am Wagen des spießigen Nachbarn abbrach, um ihn samt Nietenband um den Hals zu hängen. „Es lebe der Punk“, rief er damals und tanzte Pogo. Und jetzt das: Der Mercedes-Stern ist vorne auf dem Gurt des Kinderwagens eingestickt. Lässt sich nicht mehr abbrechen, auch nicht abkratzen, aber dafür herrlich vollsabbern - mit Brezn-Matschepampe, die dem Sohnemann aus dem Mund quillt und langsam über das silberne Emblem läuft. Hmmmm…..lecker!

Baby fährt Benz! Nun aber quengelt das Kind des ökologisch korrekten und ausschließlich Öffis und Rad fahrenden Nachbarn: Oh Daddy, why don´t you buy me a Mercedes Benz? Der Apfel fällt ja bekanntlich nicht weit vom Stamm, und der Reifen rollt auch nicht weit von der Limousine, und wenn Papa keinen Mercedes fährt, dann braucht der Stammhalter auch keinen beziehungsweise umgekehrt.

Von der Wiege bis zur Bahre verspricht Mercedes ein einzigartiges Fahrgefühl

Als Mercedes den Prototypen testete, bekam der Erlkönig eine ganz neue Bedeutung: „Wer schiebt so spät durch Nacht und Wind, es ist der Vater mit seinem Kind. Mercedes heißt die Familienkutsche, in der er das Kind durch die Gegend rutsche….“. Okay, Goethe sollte nicht herhalten müssen für den Werbeclou eines Autoherstellers, wobei - hätte es damals schon einen Mercedes gegeben, wäre der Vater vielleicht rechtzeitig daheim angekommen und das Kind wäre noch am Leben.

Von der Wiege bis zur Bahre verspricht Mercedes ein einzigartiges Fahrgefühl und entwirft demnächst vielleicht den tiefergelegten Turbo-Rollator, mit dem die Alten nochmal Vollgas geben. Von Null auf Hundert in…. naja… schaumermal. Vorne drauf wird garantiert der dreizackige, silberne Stern für alle sichtbar prangen. Den kann man dann auch wieder nicht abbrechen, nicht abkratzen und auch nicht demolieren - doch im Alter wieder herrlich vollsabbern!


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