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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Immer weniger Millionäre

Bald müssen sie auf der Notenbank schlafen und sich die Aktienkurse von gestern an der Börsentafel erbetteln: In Deutschland gibt es immer weniger Millionäre, hat ein Beratungsunternehmen herausgefunden. Kapital mit Migrationshintergrund wird wohl bald nach Malta ausschiffen und hoffen, von dort aus auf sichere Bankkonten verteilt zu werden. Aber wie viele Helikopter kann Ungarn verkraften? Eine Glosse von Peter Jungblut.

Von: Peter Jungblut

Stand: 10.07.2019

Haben Sie die schockierende Nachricht auch schon gehört? Die Zahl der Millionäre in Deutschland ging letztes Jahr zurück, um sagenhafte ein Prozent! Ultrareiche haben besonders viel verloren, hat ein Beratungsunternehmen ermittelt, wahrscheinlich eines für Zins- und Flug-Ängste. Die Krise ist also nicht mehr zu übersehen, die galoppierende Verelendung deutscher Villenviertel alarmierend, die Leidensfähigkeit von Rottach-Egern erschütternd, und es würde nicht verwundern, wenn die verbliebenen deutschen Millionäre von dort demnächst hilfesuchend nach Malta oder Lampedusa aufbrechen, in der bangen Hoffnung, von dort aus auf sichere EU-Länder verteilt zu werden, notfalls in bar.

Aber wie viele Millionäre können arme Länder wie Polen und Ungarn verkraften, ohne dass dort die Helikopter und die Doppelgaragen knapp werden? Reicht der Tiefgang im Plattensee für die Hochsee-Yacht und sind die Krakauer Golfplätze beheizt? Bittere Fragen, denen sich unsere Millionäre jetzt ausgesetzt sehen, ganz abgesehen davon, dass sie zuschauen müssten, wie ihr Geld fern der Heimat aufwächst, fremd auf dem eigenen Bankkonto und unbehaust im möblierten Depot. Schaurig, der Gedanke, alle langjährigen und lieb gewonnenen Steuerschulden hinter sich zu lassen und mit nichts als einem Koffer voller Scheine und einem Rucksack voller Gold in Budapest oder Warschau durch leer gekaufte Luxus-Boutiquen zu streifen und in einsam gelegenen Immobilienbüros um ein Seegrundstück zu betteln.

Überhaupt sollten sich die Kirchen und Nichtregierungsorganisationen viel mehr um das Kapital kümmern, hat es doch hundert Prozent Migrationshintergrund und auf der ganzen Welt niemanden, der es in Ruhe lässt. Womöglich geht bei deutschen Millionären schon die Sorge um, bald auf einer Notenbank schlafen zu müssen und an der Börsentafel um ein paar Kurse anzustehen. Die von gestern natürlich, denn die frischen werden Trump, Orban und Salvini bestimmt unter sich aufteilen.

Ganz bitter, was unsere Millionäre aushalten müssen

Ganze fünf Billionen Dollar sind den Millionären hierzulande nach den aktuellen Zahlen noch übriggeblieben – zu wenig, um Sylt vor dem Klima zu retten, zu viel, um das dortige Sommerfest abzusagen. Jetzt beginnt die triste Zeit dazwischen, wo das Geld noch unbekümmert im Hafenbecken schaukelt, das Reethaus arglos in der Sonne leuchtet und der Rasenroboter noch nicht ahnt, dass er demnächst die Korallen kürzt.

Ganz bitter, was unsere Millionäre aushalten müssen. Klar, wir könnten ein paar von ihnen bei uns zuhause aufnehmen, ihnen unsere Sitten und Gebräuche beibringen, vielleicht sogar das Grundgesetz nahelegen mit „Eigentum verpflichtet“ und so, aber erfahrungsgemäß machten die meisten Millionäre auf ihrer Kapitalflucht so viele traumatische Abschreibungen durch, dass sie schon eine völlig normale Abbuchung als Belastungsstörung empfinden und durchdrehen. Auffanglager will ja niemand, aber so, wie es aussieht, werden zur Erstversorgung von Opfern der Zinskrise wohl doch grenznahe Vermögensversorgungsposten nötig sein. Achten Sie auf die Wartezeiten in Bad Reichenhall!


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