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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Immer mehr SUVs

Alles spricht von Klimawandel und Umweltschutz. Nur die Autobauer nicht. Der Trend zum SUV hält an, denn eine Welt, der der baldige Untergang droht, soll erst recht auf abschottende Distanz gehalten werden. Nur weiter so! Eine Glosse von Gregor Hoppe.

Von: Gregor Hoppe

Stand: 22.07.2021

Es gibt, neben dem Profisport, und hier insbesondere dem bezahlten Fußball, nur noch ein Feld, auf dem Designer offenbar immer stärker außer Rand und Band geraten. Allerdings handelt es sich dabei um ein weiteres Herzstück unserer Nation, sowohl was die Leiden-, als auch die Wirtschaft angeht: den PKW.

Der individuelle Personentransport wird ja seit Dekaden immer schneller: Rollschuhe, Schuhrollen, Skates, Boards, E-Bikes und Rennräder, immer teurer, und geschwinder. Immer raumgreifender wird das alles auch, und das ist im Grunde ein beinharter Widerspruch zum Bestreben nach Entschleunigung und Verschlankung: SUVs, Lastfahrräder, Gigaliner. Letztere erzeugen auf Überlandstraßen im PKW-Fahrer unwillkürlich den Wunsch, möglichst schnell überholen zu können und, im Falle eines Lastwagen-Kipps, die eigenen Überlebenschancen zu steigern.

Möglichst robust, möglichst breit, möglichst hochsitzig ist also die Devise der Autobauer. Weil der zunehmende Internethandel immer mehr Lieferwagen zu jeder Tages- und Nachtzeit in die Siedlungszentren schickt, ist das wehrhafte Chassis – wo´s doch bald kein Benzin mehr gibt und das Grönlandeis schmilzt – weiterhin gefragt beim freien Bürger. Die Großstadtverwaltungen indes legen, um den innerstädtischen Autoverkehr nachhaltig zu vergrämen, insgeheim und flächendeckend Baustellen und Umleitungsparcours an.

Dieses Gesamtbild wirft natürlich eine Unzahl an Fragen auf: Wie breit darf ein strombetriebener „Tesla“ werden, wenn er in Nebenstraßen noch wenden können muss? Warum macht Daimler seinen Smart, der einst mit Swatch offenbar in einer Armbandversion aufgelegt werden sollte, jetzt zusammen mit dem chinesischen Anteilseigner-Konzern Geely zum Klein-SUV? Wahrscheinlich im Vorgriff auf die Langstreckeneignung, Stichwort neue Seidenstraße! Kleineinkauf im preisgünstigen China, etwa Louis-Vuitton-Ledertaschen, Luxusuhren oder echte Perlen chinesischer Machart, und schwupp, ab damit im SUV-Smart nach Hause.

Das steigert die Stauresistenz

Wem das ein wenig g´spinnert erscheint, sollte sich fragen, warum Autos immer öfter lindgrün, schwachmilchkaffeebeige oder bernsteingolden lackiert werden. Weil zarte Pastellfarben seit jeher beruhigend wirken. Das steigert die Stauresistenz.

Aus diesem Grund spielen auch viele Teams im Profifußball gerne in himmelblauen oder altrosa Jerseys. Damit sehen sie zwar aus wie im Kleinkinder-Schlafanzug. Aber ein wenig Frohsinn kann nicht schaden, wenn man sich erinnert, wie´s beim DFB und der FIFA sonst so zugeht.


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